Ganz normale Männer

Wer sind die argen Sünder, die als Kinderschänder Ruf und Ansehen ihrer Kirche den unermeßlichen Schaden zugefügt haben, den ihre Häupter jetzt beklagen? Kranke Unholde mit Verbrecher-Gen, die den wachsamen Augen und Ohren der beichtväterlichen Sünden-Detektoren zufällig entkamen? Pädophile Seelenkrüppel, denen kein Psychoanalytiker rechtzeitig zur Hilfe kam? Leider massenhafte untypische Einzelfälle, die niemand verhindern kann, auch wenn er sich eifrig bemühen würde?

Anläßlich der jüngsten nicht nur Amerika, sondern auch Deutschland, ja ganz Europa betreffenden Studien über das Ausmaß der „Mißbräuche“, die solche zu nennen mehr als beschönigend klingt (wäre doch „Seelenmorde“ viel angemessener) – anläßlich des Rufes nach Ursachenforschung hat jetzt eine Gruppe von Forensikern unter Leitung von Norbert Leygraf den systemischen Hintergrund zu erhellen versucht, vor dem sich die Verbrechen entwickeln konnten, nein nachgerade entwickeln mußten. Diesen Hintergrund kennen eigentlich alle, die sich mit dem Frauenbild der Kirche seit Paulus beschäftigt haben. Ausgehend von Eva, der Ur-Sünderin, die wie wir wissen „den Tod in die Welt brachte“, über die Diffamierung der Lieblingsjüngerin Jesu, Maria Magdalena, als Hure, über die krude Theorie von der Erbsünde, die lt. Augustinus durch Geschlechtsverkehr wie eine Krankheit verbreitet wird – ausgehend von all diesen und noch viel mehr seltsamen Mystifikationen und Dogmen entweiblichte sich die Kirche zunehmend im Geiste eines versteinerten Patriarchats und verriet die Liebes-Botschaft ihres Stifters Jesus.

Die priesterlichen Übeltäter und ihre jungen Opfer zahlten wohl schon immer und zahlen auch heute für diese Entwicklung. Nach der Expertise jener Forensiker um Leygraf sind die Kinderschänder ganze normale Männer, nur zu einem geringen Teil manifeste Pädophile. Im Priesterberuf unter dem Dach des Zölibats, unter dem sie zu heiligen Männern, Stellvertretern Jesu,  zu werden hofften, vereinsamten aber viele. Manche wurden alkoholabhängig. Sexuell unreif (wie auch anders?) und psychisch labil konnten sie dem Ansturm der eigenen Triebsphäre nicht widerstehen. Weil das Leben in dieser Welt ohne Frauen sehr stressig ist, glaubten sie im Zölibat einen Zufluchtsort für Männer zu finden, die mit ihrer Sexualität nicht klarzukommen fürchteten. Sie fanden einen frauenverachtenden Männerbund, dessen einzelne Glieder sich gegenseitig schützten: die Kirche. In einem anderen Kontext heißt ein solcher Bund „Cosa Nostra“.

Ein Bund psychisch kastrierter, gleichwohl sich über die sündigen Massenmenschen und herumvögelnden Geschlechtsgenossen erhaben dünkender frommer Elite-Machos kann nur hervorbringen, was jetzt bejammert und mit Gebeten bekämpft wird. Die Kirche ist, wie schon Nietzsche erkannte, seit ihren paulinischen Anfängen krank. Was Nietzsche nicht sah, war die Ursache dieser Erkrankung im Frauenhaß und der Sexualangst der ersten Patriarchen und derer, die ihnen folgten. War doch Nietzche selbst ein  Frauenhasser aus verletztem Narzißmus. Dennoch bleibt diese seine Einsicht wahr: „Das Übergewicht der Unlustgefühle über die Lustgefühle ist die Ursache jener fiktiven Moral und Religion, deren Gott zum Widerspruch des Lebens abgeartet ist“ („Der Antichrist“).

Die Kleriker unterm Zölibat leben in einer „abgearteten“ Welt, wie sie jede die Frauen an den Rand drängende, wenn nicht gar eliminierende Welt ist. Die Kunstfigur einer jungfräulichen „Gottesmutter“ bringt da keinen Ausgleich, wie manche behaupten. Im Gegenteil. Dies müßte die Kirche erkennen. Sie bräuchte sich nur ihren Stifter und dessen Beziehungen zu Frauen anzusehen. Aber es gibt nicht die geringsten Anzeichen dafür, daß sie diesen Rat befolgt und daraufhin die Erkenntnis, das gegenwärtig Elend betreffend, wächst.

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Frommes Verbrecherkartell

Spätestens nach den jüngsten Studien und Veröffentlichungen über die massenhaften sexuellen Untaten der Stellvertreter Christi auf Erden müßte auch den treuesten der Treuen die Geduld abhanden kommen. Die immer noch auf Besserung hoffen und den konsequenten Austritt hinauszögern mit dem Argument, man könne in der Kirche eher Änderungen bewirken als außerhalb, müßte klar geworden sein, daß eine weitere Unterstützung dieser Schutzgemeinschaft für Kinderschänder indirekt zur Verhinderung der Verfolgung von schweren Straftaten beiträgt und die Opfer verrät. Nur ein konsequenter Laizismus könnte bewirken, daß die Verbrecher unter der Soutane konsequent der weltlichen Gerichtsbarkeit zugefügt werden. Wer der Kirche in dem Schutzraum, den sie in Deutschland genießt (von Polen, Rußland, Afrika, Südamerika ganz zu schweigen), die Treue hält, macht sich zum Mittäter wie vor 80 Jahren die Deutschen im Nazi-Reich Mittäter waren.

Der Jesuit Klaus Mertes, der einen wesentlichen Anstoß gegeben hat zur Aufklärung der Menschenverachtung unter dem Deckmantel der Menschenliebe, hat kürzlich im Radio-Interview eine ansatzweise Analyse der Struktur versucht, die all dem zugrunde liegt: „Das Verständnis des Priestertums, der Umgang mit autoritär-elitären Gruppen  in der katholischen Kirche, das Feld der Homosexualität, die Männerbündigkeit des Klerus und die Zwangsbedingungen zum Klerus [?], die Machtverteilung in der Kirche“ – all das müsse in Frage gestellt werden. Mertes warnt allerdings ohne recht nachvollziehbare Begründung vor einer „Fixierung auf den Zölibat“. Für viel problematischer hält er das „Nicht-Vorkommen von Frauen innerhalb des Klerus.“

Die Gründerin der „Initiative gewaltüberlebender Christinnen“, Erika Kerstner, hat sich vor allem mit weiblichen Opfern beschäftigt, deren unauflösbare innere Konflikte sie schildert: „Ein Priester ist der Stellvertreter Gottes auf Erden. Seine Aufgabe ist es, Not zu lindern, aber er zeigt sie (die Aufgabe) im sexuellen Mißbrauch. Seine Aufgabe ist es, Befreiung zu verkünden, aber er erzeugt Knechtschaft, Schuldgefühle, und die Opfer müssen sich dann fragen, was stimmt denn  nun?“ Die tatsächliche Erfahrung der Vergewaltigung sei eingegraben in Seele und Körper, die Traumatisierung unwiderruflich. Kein päpstliches Entschuldigungsgemurmel kann daran, wäre hinzuzufügen, etwas ändern.

Das Verbrechen in der Maske des Gottesmannes ist natürlich viel infamer als vergleichbare Taten in anderen Bereichen der Gesellschaft – eben wegen der existentiellen Konflikte, in die es die Opfer stürzt. Von einem gewöhnlichen Verbrecher kann ich mich unter Umständen distanzieren, vom priesterlichen Kinderficker nur, wenn ich dem die Treue aufkündige, den er vorgeblich vertritt. Das Ausmaß der angerichteten seelischen Katastrophen müßte eine Institution, die nach Maßgabe der Botschaft ihres Stifters, nämlich der Liebe, angetreten ist, zur Selbstauflösung, mindestens aber zu einer Revolution des Hauptes und der Glieder führen. Das wird nicht geschehen. Und daraus kann nur der Schluß gezogen werden, daß der Stifter Jesus weiterhin täglich von der Kirche verraten wird und alles Liebes-Bekenntnis widerliche Heuchelei ist. Vielleicht führt dies dann aber doch – so die letzte Hoffnung – irgendwann zum Absterben und Verschwinden des scheinbar Unvergänglichen.

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Perversion der Menschenliebe

Nächsten- und Feindesliebe sind zwar nicht Alleinstellungsmerkmal christlicher Kirchen, gleichwohl, gebündelt als Menschenliebe, die notwendige Basis ihres Selbstverständnisses.  Auch wenn Christen scheinbar Böses tun wie Ketzer verbrennen, Kreuzzüge durchführen oder Waffen segnen, wenn sie Juden mit dem Ziel des Pogroms als Gottesmörder anprangerten oder angeblich menschenunähnliche Schwarze versklavten, um Indianer zu schonen (Bartholomé de las Casas) – im Grunde stand dahinter immer der vermeintliche Auftrag ihres Stifters, die Menschheit zum wahren Glauben zu bekehren und ihr so das Himmelreich zu sichern. Sogar das Feuer, in dem Ketzer und Hexe verbrannten, sollte diese rettend reinigen von den begangenen Sünden. Weiterlesen

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Was ist Trump?

Trump ist der Schlüssel. Trump ist, wenn die Massen nichts wissen und alles glauben. Trump ist Evangelist. Trump ist deshalb unbesiegbar. Wenn „Bildung“ im digitalen Zeitalter nicht mehr selbständiges Denken und Kritikfähigkeit, sondern Anhäufung und Lagerung von häufig falschen „Fakten“ im Gehirn, wenn die Summe dieser Faktenlager die „Wissensgesellschaft“ ist, dann ist Trump. Weiterlesen

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Sarrazins Phobie (2)

Eine seltsame Szenerie. Ein Amateur, ein selbsternannter Experte für Religiöses, ein Dilettant also, schreibt ein dickes Buch (nicht sein erstes), und aus dem deutschen Medienwald erheben sich wutschnaubend die Verteidiger der angegriffenen Kultur/Religion Islam und schwenken ihre Speere und schlagen gegen ihre Schilde. Das gänzlich indiskutable Werk („Feindliche Übernahme“) sei „verletzend, grenz-rassistisch, manipulativ“ und habe sicher „negative Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ (SÜDD.ZTG). Das wäre allerdings schlimm. Aber wie soll das gehen ? Da denkt sich ein abendländischer „Herrenmensch“ böse Märchen über eine Weltreligion aus, der wir doch alle Respekt schuldig sind – und der Zusammenhalt wackelt. Warum widerlegt man nicht, statt in Wutgeheul auszubrechen, die schlimmen, gefakten Verdächtigungen? Warum kommt keiner auf die Idee, diesen über den Islam ausgeschütteten Unrat gelassen zu beantworten und klarzustellen, daß auch diese Religion unsere Achtung, ja Wertschätzung verdient, weil sie nämlich ein heiliges Buch hat und an den Gott glaubt, von dem wir annehmen, daß es auch unser Gott ist und „barmherzig“ zudem?

Die Antwort muß ernüchternd sein. Weil es nicht geht. Weil vor allem die, die sich eingehender als die meisten Kritiker Sarrazins mit dem Islam auseinandergesetzt haben, wissen, daß er recht hat, weil die meisten seiner Quellen recht haben. Das Buch „wimmle von Fehlern“, bemerkt die ZEIT und meint etwa die falsche Zahl der Suren. Man kann die Interpretationen zurückweisen, aber es handelt sich nicht um Mathematik, um richtig oder falsch. Interpretationen verdanken sich einem Standpunkt. Auch den kann man zurückweisen, aber nicht weil er „fehlerhaft“ ist. Nein, zu vermuten ist, daß die abendländischen Verteidiger der in Bedrängnis geratenen Muslime sich selbst, einen Teil ihrer eigenen Identität verteidigen.

Gesagt werden muß, daß es sich bei Sarrazins Buch um einen zu lang geratenes Oberseminar-Referat handelt, langweilig, ohne Esprit, ein Sammelsurium von Zitaten, die wenig von einer denkerischen Eigenleistung verraten. Wer sich auskennt, kennt das alles. Aber darum ist es nicht falsch. Im Gegenteil. Als Zitatensammler ist er brauchbar weil fleißig, unser Phobiker. Und er hat, was auch nicht besonders originell ist, im tiefsten Innern der islamischen Welt- und Menschensicht, eine Gestalt entdeckt, die uns allen sehr vertraut ist: den Vater. Diese Gestalt, „Gott“ oder „Allah“ genannt, ist die Klammer um alle „Leute des Buchs“, wie die Muslime sich selbst, die Juden und die Christen nennen. Soziologen und Historiker sprechen vom Patriarchat. Deshalb ist der Gott ein Mann mit allem, was zu einem Mann gehört, auch wenn die Muslime diesem Anthropomorphismus heftig widersprechen. Vor allem mit dem Anspruch auf unbedingten Gehorsam ist er der Vater. Er spricht auch nur zu Männern, zu seinesgleichen. Das wird im Koran besonders deutlich. Er sagt ihnen etwa, wie sie ihre Frauen zu behandeln haben, wann diese „unrein“ sind, wann sie mit ihnen nicht schlafen dürfen und wann sie geprügelt werden dürfen. Letzteres ist ein koranisches Alleinstellungsmerkmal, das auch gegenwärtige Muslime wohl beachten, auch wenn es ihnen peinlich ist, darüber zu reden.

Bei diesem Punkt hat Sarrazin sein Aha-Erlebnis. Da also liegt der Schlüssel: im Geschlechterbild der Muslime. Er schreibt: „Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, daß die Stellung der Frau in der Religion des Islam und in den islamischen Gesellschaften zentral für nahezu alles steht, was an dieser Religion problematisch ist und die Rückständigkeit der islamischen Länder bewirkt.“  Selten lag ein Monokausalist so richtig. Aber neu ist das auch nicht. Und es ist auch nicht ein Alleinstellungsmerkmal des Islam. Wir brauchen gar nicht bis nach Indien zu gucken, wo das Leben der Frauen flächendeckend von Mord und Vergewaltigung bedroht ist. Unsere heilige katholische Kirche hat Frauenverachtung und -ausgrenzung seit ihren Ursprüngen auf ihre Fahnen geschrieben. Ihre Sexualmoral ist der islamischen zum Verwechseln ähnlich – mit dem Unterschied, daß die Muslime durchaus sinnenfroher sind und wenigstens fürs Paradies den männlichen Gläubigen eine lustige Dauervögelei, Dauererektion  und Jungfrauen gratis,  versprechen. Vorher aber wird, wenigstens was die jungen Männer betrifft, gedarbt und später ehelich höchstens für die lustvolle Vermehrung der Muslime gesorgt. Anders sahen es die Päpste (Pillen Paule!) auch nicht.

Christlich-jüdisch und damit auch islamisch ist der Mensch „Adam“, der Mann. Die Frau ist zum Vertreiben der Langeweile eine Art Zutat, sagt die jüdische Genesis-Mythe. Der Koran, der sonst so ziemlich alles aus dem Alten Testament schamlos kopiert, macht sich gar nicht die Mühe, ihre Herkunft zu erklären oder ihr einen Namen zu geben. Irgendwann ist sie einfach da. Vor Adam aber, dem Mann, hatten sich zuvor die Engel niederwerfen müssen. Wahrlich ein starkes Bild, auf das sich die muslimischen Männer was einbilden können!

Sarrazin mißversteht gründlich die historisch-räumlich bedingte Strukturähnlichkeit der drei Monotheismen. Deshalb argumentiert er auch vom hohen abendländischen Roß herab als von einer wertvolleren Tradition. Auch die Höhe der antiken Zivilisation wurde erst einmal durch das Christentum eingeebnet bis in die tiefsten Tiefen der Teufels- und Hexenaberglaubens hinein, ehe mit der Renaissance sich die säkulare Welt zu befreien begann von der Vormundschaft der Kirche und schließlich die Aufklärung zustande brachte. Ob dies dem Islam gelingen kann, darüber wird heftig gestritten. Die höchsten Autoritäten des Glaubens in der Kairoer Al Azhar-Moschee halten den Weg in die historisch-kritische Koran-Auslegung und damit zu einer eigenen Aufklärung für verderblich. Er führe letztlich zum Untergang des Glaubens, wie im Westen zu beobachten. Diese Skepsis teilt Thilo Sarrazin, allerdings aus anderen Motiven heraus. Was man allerdings sinnvollerweise nicht ihm nicht vorwerfen darf, ist seine wortwörtliche Lesart des Koran. Sie entspricht dem Islam-Mainstream, der wenig Wert legt auf eine historische Einordnung und damit Relativierung der jeweiligen Suren. Sie sind Allahs ewiges Wort. Amen.

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Sarrazins Phobie

Es brennt. Damit es noch mehr brennt, braucht es einen Brand-Beschleuniger. Den haben die Grünen in Gestalt des Erfolgsautors Thilo Sarrazin ausgemacht. Sie sind sich einig mit den anderen Parteien (außer der AfD), daß man das, was der Mann da in seinem neuen Buch („Feindliche Übernahme“) beschreibt, nicht schreiben darf.  Ob es einen Tatbestand halbwegs treffend charakterisiert oder nicht – es befördert den „dumpfen fremdenfeindlichen Rassismus und Populismus“ der AfD und Geistesverwandter. Was „der Islam“, den es nach jüngsten Verlautbarungen gar nicht gibt, eigentlich sei (nämlich viele Islame), spielt keine Rolle. Ob der Islam den „Fortschritt behindert“ oder „die Gesellschaft bedroht“, wie Sarazzin nahelegt, soll besser nicht diskutiert werden. Wegen der Brandgefahr nämlich.

Sarrazin ist der Vorzeige-Islamophobiker. Er hat eine Phobie angesichts der grünen (Farbe des Propheten) Gefahr entwickelt, die den Gebärmüttern der Musliminnen entspringe. Als bekennender Statistiker rechnet er aus, wann die Muslime in Europa die Mehrheit erworben haben werden und sich die Houellebecq-Dystopie (in dessen Roman „Unterwerfung“) von einem muslimischen Europa verwirklicht. Nicht sicher kann man sein, ob unser Phobiker, der sich die Mühe machte, den unlesbaren Koran (der fürs stille Lesen nicht gemacht ist) zu lesen, auch die Hadithe (Überlieferungen der Sprüche Mohammeds) zur Kenntnis genommen hat. Dort fände er nämlich außer dem Versprechen der posthumen 72 Jungfrauen für die Gläubigen auch die Empfehlung, als Minderheit in der Diaspora sich ruhig zu verhalten und bis zum Machtanspruch auf den Mehrheitsstatus zu warten. Denn daß mit den Offenbarungen Mohammeds die Menschheit zum Heil und nicht zur Hölle zu führen sei, ist, wie im analogen Missionsgedanken der Christen, ein Kern-Anliegen der die einzige Wahrheit Glaubenden.

Daß das Buch und sein Autor die derzeitige zu beobachtende mediale Erregung, das Um-sich-Schlagen der Islam-Experten erzeugt, verweist darauf, daß es sich bei allem Kritikwürdigen im Detail doch um etwas im Buch zur Sprache gebrachtes sehr Unbehagliches handelt, was die westlichen Kulturen mit dem Islam assoziieren. Er ist nämlich Fleisch vom eigenen Fleische des „jüdisch-christlichen Abendlandes“, ein allzu naher Verwandter, ein Plagiat bei Lichte besehen, ein zurückgebliebener Vetter, quasi in der Pubertät einer Kultur steckengeblieben (im europäischen Mittelalter etwa) und der aus dieser Zurückgebliebenheit, die ja Sarrazin thematisiert, haßerfüllt wütet gegen jene, die ihm immer wieder ihre kulturelle, technologische und militärische Suprematie vor Augen geführt haben. Das notorische Beleidigtsein ist nur das auffälligste Symptom. Sie schlagen zurück mit Terror (nicht alle, natürlich!), was immer Ausdruck von Verzweiflung und Hilflosigkeit ist. Wenn 1967 ein Ministaat wie Israel binnen einer knappen Woche die vereinigten arabischen Heere zu Paaren treiben konnte, führt aus solcher Demütigung offenkundig nur Terror heraus, nicht etwa die Frage, wie es zu solcher Unterlegenheit kommen konnte, wenn man doch den richtigen Glauben besaß. Sie klammern sich an die Offenbarung ihres Propheten und lassen nicht ab von der Hoffnung, eines Tages die Sieger zu sein. Wenn Sarrazin recht hat, was naheliegt, hoffen sie auf die Gebärmütter ihrer Frauen, wenn schon die männlichen Krieger so kläglich versagten.

Auch an uns wäre es, dabei mitzuwirken, die Musliminnen von dieser nachgeordneten Gebärmaschinen-Tätigkeit zu befreien. Denn dies – das wäre vor allem zu begreifen – macht das wahre Elend des Islams aus: daß er in der dunkelsten Phase des Patriarchats steckengeblieben ist, wo auch die Europäer jahrhundertelang steckten. Wenn es ihm nicht gelingt, seine Frauen zu ebenbürtigen, vollwertigen Menschen zu machen, die wegen koranischer Prügelsuren keine Ängste mehr haben müssen, wird es keinen Fortschritt zu einer Ebene der Menschenrechte geben, der elementaren Rechte, die die islamische Erklärung der Menschenrechte weit unterhalb jener Ebene an die Kompatibilität mit der Scharia gebunden hat.

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Der andere Rassismus

Es gibt einen Rassismus der Anti-Rassisten. Einen Gute-Menschen-Rassismus. So sieht es wenigstens der Psychologe Ahmad Mansour. Mansour ist Deutscher,  aber auch Araber, Palästinenser, Israeli, Muslim. Von seinen Glaubensbrüdern wird er nicht gerade geschätzt, sehen viele ihn doch als einen Vogel, der sein Netz beschmutzt. Jetzt hat er ein Buch zum Thema „Integration“ veröffentlicht. Untertitel: „Gegen falsche Toleranz und Panikmache.“ Falsche Toleranz für ihn ist jene Haltung, die etwa muslimischen Zuwanderern nicht zumuten will, Normen ihrer Kultur hintanzustellen (etwa die patriarchalische Familie, die fehlenden Frauenrechte, die Religions(un)freiheit, die unislamische Demokratie etc.) und unsere  Verfassungs-Normen gelten zu lassen. „Wenn wir anfangen,“ sagt Mansour im Radio-Interview, „jeder Minderheit Rabatte zu geben beim Thema Gleichberechtigung, beim Thema Meinungsfreiheit, beim Thema ‚die historische Verantwortung Deutschlands aufgrund seiner Geschichte‘, dann haben wir keine Gemeinsamkeit mehr. Das Grundgesetz ist wichtiger als alles andere, was die Menschen mitgebracht haben an Werten, an Kulturen und auch an Religionsverständnissen“. In Gesprächen mit Politikern gewann Mansour den Eindruck, in ihrem Verständnis sei Integration Arbeit plus Sprache minus Kriminalität. Nach dieser Definition sei Mohammed Atta, der Attentäter vom 11. September, super integriert gewesen in Hamburg.

Wenn wir, auch die Kirchen, so Mansour weiter, die muslimischen Verbände damit betrauten, die Neuankommenden zu integrieren, dann leisteten wir einen Beitrag zur Entstehung von Parallelgesellschaften. Unterstützt, auch von den Kirchen, würden muslimische Religionsgemeinschaften und Verbände im Namen der Religionsfreiheit, im Namen von Toleranz. Dabei vermittelten diese Verbände und Vereine ganz andere Werte als das, was im Grundgesetz stehe. „Positiver Rassismus“ sei es, wenn „bestimmte Kreise mit uns (zugewanderten Muslimen) so umgehen, als ob wir so schwach sind, nicht in der Lage, irgendwie Verantwortung zu übernehmen, Kritik auszuhalten“.  Mansour, sich auf die Aufklärung berufend,  verlangt von den in Europa lebenden Muslimen, mündig mit ihrer Religion umzusehen. Wenn sie nicht hinterfragten, kritisch nachdächten, wenn sie die Texte so verstünden, wie sie von eineinhalb Jahrtausenden interpretiert wurden, könnten sie den europäischen Aufklärungsprozeß nicht verstehen.

So sympathisch uns das Ideal Mansours von einem aufgeklärten, europäisch denkenden Muslim erscheinen mag – nicht nur die weitaus überwiegende Mehrheit seiner Glaubensgenossen, auch die angeblich christlich-jüdisch geprägten Massen versagen angesichts der Forderung des obersten Aufklärers, Immanuel Kant, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Zuallererst die Kirchen tun alles, um diesem Ideal nicht zum Durchbruch zu verhelfen. Und Mansour belügt sich selbst, wenn er von seiner muslimischen Glaubensgemeinschaft ein kritisch-reflektiertes Religionsverständnis verlangt. So darf er sich nicht wundern, wenn er in den Medien als Kuffar (Ungläubiger) gerade von denen beschimpft wird, an die sich sein Appell richtet.

Konsequent scheint nur der Weg, den die ehemalige Muslima Ayaan Hirsi Ali oder auch Salman Rushdie gingen: in den Atheismus. Er ist der schwerste und, was die Ex-Muslime betrifft, auch der gefährlichste. Apostasie ist im Islam ein todwürdiges Verbrechen. Das war sie einmal auch in Europa, und wir müssen alles tun, um unsere zugewanderten Mitbürger daran zu hindern, ihrem Glauben allzu konsequent zu folgen. Das wäre dann im Zweifel jenes Element Glaubens-„Freiheit“ zuviel, das wir uns bei aller Toleranz nicht leisten können.

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