Kirchenstreik der Frauen – aber warum „Maria“?

Vielleicht haben die aufmüpfigen Katholikinnen aus Münster, die sich die Aktion „Maria 2.0“ ausgedacht haben, diesen „Streik“ von Greta und ihren Mitstreiter*innen abgekuckt. Jetzt wird er beendet. Es gab Zustimmung, Verständnis, aber auch Ablehnung bzw. verbohrtes Schweigen: Woelki aus Köln, der Ratzinger-Klon.

Die Waffe „Austritt“ wird von den Streikenden und ihren Sympathisanten abgelehnt. Man wolle die Kirche nicht den Männern überlassen, sagte etwa Doris Wagner im TV-Interview. Seltsames Argument. Die Männer und sie allein herrschen seit fast zwei Jahrtausenden von Frauen nie in Frage gestellt in der katholischen Kirche. Die Frauen putzen und schmücken und dienen. Letzteres vor allem. Wie sagte Maria zum Erzengel: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt“ (Luk. 1,38). So ist es geblieben. Die Männer werden geweiht und agieren als Stellvertreter Christi, also Gottes; die Frauen bleiben Mägde. Jedem Kenner des Neuen Testaments ist klar, daß Jesus das so nicht gewollt haben kann. Nur weil einer einen Penis und Hoden besitzt, kann ihn das nicht zur Stellvertreterschaft prädestinieren, auch wenn patriarchalische Gesellschaften den Mann per se für den „eigentlichen Menschen“ (christlich: Gottes Ebenbild, Genesis 2) halten. Wer die Penislosigkeit und die Regelblutung als Kriterium für die Unfähigkeit, das Wort Gottes verbindlich zu verkünden, im Hinterkopf hat, soll das laut sagen und mit roten schamgefärbten Ohren.

Daß der Kampf der Frauen wohl vergeblich bleiben wird, kann man aus dem Idol der Streikenden, ihrer Leitfigur „Maria“, schließen. Während Männer sich den Stuhl Petri und die Stellvertretung Christi anmaßen, während sie über weite Strecken der Geschichte ein furchteinflößendes auch todbringendes Regiment errichteten und es bis heute als absolutistische klerikale Hierarchie bewahren, sind es die Massen der Frauen, die das Alltagsleben der Kirche wesentlich bestimmen und erhalten. Sie identifizieren sich aber fatalerweise mit der „Magd“, der geschlechtslosen, asexuellen, kastrierten Konstruktion der Kirchen v ä t e r als mit einem Vorbild, das, nähmen sie es wörtlich, ihre Menschenrolle radikal auf Unmündigkeit und Gehorsam schrumpfen lassen würde. Das scheinen sie ansatzweise verstanden zu haben. Daher der feministisch angehauchte Protest.

Aber warum „Maria“? Warum nicht z.B. die angebliche „Sünderin“ Maria aus Magdala, die engste Vertraute ihres Rabbi, die ihn verstand, dessen Mutter ihn aber wie seine ganze Familie für verrückt hielt (Mark. 3,21). Maria aus Nazareth, Jesu Mutter, ist angeblich die erneuerte Eva, jene Eva der Genesis, die den Menschen den Tod brachte mit ihrer Apfel-Erbsünde.  Diese Eva, theologisch gesprochen die Mutter aller Menschen, wäre als ganze, als vollständige d.h. sexuelle Frau ein sinnfälligeres Idol für die Frau des 21. Jahrhunderts, überzeugender als das Ergebnis der männlichen Konstruktionsarbeit, das 431 in Ephesus, wo schon die heidnische jungfräuliche Artemis verehrt worden war, ihre Vollendung fand: als ewig jungfräuliche Gottesgebärerin.

Katholikinnen verehren und lieben die Jungfräuliche, weil in der ersten Reihe des Personals von den Aposteln bis zu den Päpsten und Bischöfen nur Männer in Sicht sind. Maria, wie sie vor 1600 Jahren ausgedacht wurde, gehört wenigstens nach ihrer Auffahrt zur himmlischen Mannschaft. Sie kann man zumal als Frau bitten, sich zu verwenden beim Vater oder beim Sohn, wenn es ums Sündenvergeben geht.  Sie ist als Mittlerin eine volksreligiöse Instanz, der ein Luther den Titel „Himmelkönigin“ mit guten Gründen nicht gönnen wollte. Sie steht aber auch für die Sexualmoral einer Kirche, die von der Angst vor weiblicher Sexualität beherrscht wird. Die sexuelle Frau befeuert vor allem die Angst der Kleriker vor dem eigenen Sexus, dem viele von ihnen dennoch immer wieder zum Schaden Unschuldiger unterliegen. Die jungfräuliche Maria und der Zölibat sind zwei Einfallstore für ein Lebensgefühl, das diese Angst immer wieder belebt. Reinheit und Keuschheit allein bewahren mich vor der Hölle. Das hat Folgen. In jedem Bericht über einen Mißbrauch, also meist eine Vergewaltigung, treten sie zutage.

 

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„Den Sozialismus in seinem Lauf…

…hält weder Ochs noch Esel auf“, reimte einst Erich Honecker. Zwar schafften es nicht Ochs oder Esel, die seit je damit beschäftigt waren, das Kind im Stall zu bewundern, sondern Erich selbst und seine Mitstreiter in den Ländern des real existierenden Sozialismus. Sie verbrannten für alle Zeiten die schöne Utopie von der von Ausbeutung befreiten und befriedeten Gesellschaft, in der jeder nach seinen Bedürfnissen gestillt und glücklich wäre, und zwar schafften sie es mit einer Effizienz und Radikalität, die heute noch, 30 Jahre später, Staunen macht. Die Sozialisten hatten den Sozialismus abgeschafft, vernichtet, seine Wurzeln ausgerissen, nicht die bösen Kapitalisten. Einige seltsame hybride Gebilde, Karikaturen des Sozialismus wie China und Nordkorea, blieben übrig, wobei China bewies, daß Kapitalismus ohne Demokratie und auch ohne Sozialismus wunderbare Entwicklungschancen hat, während Nordkorea bis heute erfolgreich die Steinzeit mitten im 21. Jahrhundert am Leben hält.

Der unter diesen Voraussetzungen zur Mund-zu-Mund-Beatmung des Mausetoten angetretene Kevin Kühnert hat keine Chance. Er ist nicht Jesus oder sonst ein Totenerwecker. Er ist ein an seiner Partei verzweifelter Sozialdemokrat und greift zur Analyse des Karl Marx, die ihm zeigt, daß der Kapitalismus, wenn er eine gewisse Erfolgsstory hinter sich hat, sich selbst wie ein Kettenraucher seine Lunge mit einem Krebs infiziert, der ihn und wahrscheinlich den Planeten selbst zerstören wird. Die einzige Medizin, die helfen könnte und die Kevin beschwört, hat ihr Haltbarkeitsdatum überschritten und kann nicht mehr wirken. Eine andere scheint es nicht zu geben, es sei denn die neue Messiasse Trump und Bolsonaro erfänden sie, indem sie mindestens zwei Jahrhunderte in der Geschichte wieder zurückgingen und die alten Kriege neu führten.

Wer seinerzeit den Wendeprozeß 1989/90 verfolgte, konnte sich damals ausrechnen, daß jedem, der sich mit Marx und dem Sozialismus irgendwann wieder aus der Deckung begeben würde, ohne jedes inhaltliche Argument schlicht mit dem Hinweis auf den real grandios versagt habenden Sozialismus  abgeschmettert werden würde. Eine neue historische Chance wird es nicht geben. Das Menschenbild und der Geschichtsentwurf der Urväter Marx, Engels, Bebel etc. waren so utopisch im Sinne von wirklichkeitsfremd wie das christliche Modell vom erlösten und geretteten Sünder. Christentum wie Sozialismus überfordern offenkundig den Homo sapiens auf seiner jetzigen Evolutionsstufe. Daß er je eine höhere erreichen wird, wird er von der gegenwärtigen aus zu verhindern wissen.

Wenn Kühnert am Ende seines ZEIT-Interviews lachend (!) Adornos Satz zitiert „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, gibt er zu, daß auch er insgeheim vom falschen Leben ausgeht, aus dem es keine Entrinnen gibt. Auch bei ihm wird nach einem theoretisch-politischen Reifungsprozeß letztendlich der Apokalyptiker Adorno über die Utopisten Marx und Bloch gesiegt haben. Die Erkenntnis des „Wahren“ fördert selten das „Gute“ zutage.

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Wir sind der Asteroid

Sechs Massensterbens hat der Planet Erde bisher erlebt und überlebt. Als die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ausstarben, war es wohl ein gewaltiger Asteroid, der die Atmosphäre über einen langen Zeitraum in eine riesige Staubwolke verwandelte und die Temperatur abstürzen ließ, weil kein Sonnenlicht mehr durchdrang. Die Saurier waren die Leidtragenden, nicht aber die Verursacher der Katastrophe. Heute ist es anders. Wir, der Homo sapiens, gerade mal vor 100 000 Jahren aus Afrika zur Welteroberung aufgebrochen, wir sind Verursacher und Leidtragende in Personalunion. Wir wissen es, aber wir können es uns nicht vorstellen. Das ist ein Unterschied. Groteske Paradoxien erzeugt der menschliche Geist. Es sucht nach Lagerstätten für seinen Atommüll, wo er eine Million Jahre „sicher“ aufbewahrt werden kann, aber er verdrängt die bittere Einsicht, daß er letztlich schon in kurzer Zeit, weit vor den sagenhaften Millionen Jahren, das Opfer seines eigenen Handelns sein wird als letztes Opfer des Massensterbens. Er weiß es und weiß es nicht. Er tut de facto so, als könne sein Handeln immer so weitergehen, als könne er sich exponentiell weitervermehren, ernähren, energieverbrauchen, müllerzeugen. Als wüchse die Erde mit. Das weiß er zwar auch, daß sie das nicht tut. Aber er handelt so, als wären ihre Ressourcen für die explodierende Spezies Homo unbegrenzt. Vielleicht denkt er insgeheim an eine Rettung durch Gott, einen Welt-Messias oder ähnliches. Eine neue Daseinsberechtigungsform für Religionen aller Art…

Der aktuelle Bericht des Weltbiodiversitätsrats, IPBES, von der UNO in Auftrag gegeben, spinnt keine Apokalypse aus Hirnen stubenhockender Wissenschaftler heraus, sondern faßt die Ergebnisse jahrelanger sachlicher empirischer Forschung zusammen. Das Artensterben vollzieht sich derzeit, im Anthropozän, 10 bis 1000fach schneller als in 10 Millionen Jahren vorher. In  gleichem atemberaubenden Tempo, um mit dem Papst zu reden: karnickelhaft, vermehrt sich der Verursacher. Früher hätte man von dem Triumph einer Spezies, der Krone der Schöpfung, über alle anderen gesprochen. Heute müßte der Krone, wäre sie denn so vernünftig, wie sie sich einschätzt, sofort die ungeheure selbstgebaute Falle bewußt werden: Wir können nur mit den anderen zusammen überleben. Mit diesen und Pflanzen und Tieren, von denen wir, seit wir von der Evolution wissen, auch wissen, daß wir Verwandte sind und als deren Feinde und Vernichter wir uns gebärden. Mit jenem fürchterlichen Gottes-Befehl im Rücken, wir sollten uns die Erde „untertan“ machen, haben wir sie Jahrtausende lang versklavt und uns im Recht gesehen, sofern wir uns zu den „zivilisierten“ Gesellschaften zählten, während es die sog. „Wilden“ in den Urwäldern Amerikas waren“, die „Mutter Erde“ liebten und verehrten.

Um die Milliarden, die wir in schäumendem Mannes-Eifer und mit Pillen Paules Segen erzeugen (Nigerias Bevölkerung etwa vervierfachte sich dank seiner Manneskraft seit 1960 auf heute 175 Millionen), um sie zu ernähren, brauchen wir die artenvernichtende industrielle Landwirtschaft, brauchen wir die Energie und ihre Quellen und zerstören das Klima, produzieren wir den Müll, den wir an den Stränden und in den Mägen der Wale wiederfinden. Alles bekannt, nicht erst seit Gretas Aufforderung, in Panik zu geraten. Aber wir verfallen nicht in Panik. Von wegen! Uns fehlt es an Vorstellungskraft. Dafür haben wir Sciencefiction im Kino. Wir glauben, wenn wir SPD wählen, die soziale Frage gegen die ökologische ausspielen zu können. Wir glauben nicht, wenn wir CDU oder FDP wählen, daß wir von den Menschen verlangen können, ihr Leben zu ändern.  Wenn schon die, die das alles wissen, mit dem Flugzeug aus reiner Schaulust um die Welt jetten und einen kontinentgroßen Fußabdruck hinterlassen, nichts an ihrem Leben ändern, wie erst die, die nie etwas wissen, weil sie sich für nichts interessieren, das über Autos, Fußball und Ficken hinausgeht?

Die Demokratie, eine der größten Errungenschaften der Spezies, ermöglicht die verheerenden Wahlerfolge der Trumps und Bolsonaros. Auch so ein grandioses Paradox, wonach das Gute gewollt, das Böse aber produziert wird. Keiner will eine Öko-Diktatur, aber sie wäre der Preis, den wir zahlen müßten, wollten wir nicht nur Brasiliens Tropenwald retten, sondern schlicht überleben. Der Preis – aber keine Garantie. Dieses berechtigte Bedenken gegen jede Art von Diktatur zähmt auch die Grünen. Als sie Teilhaber der Macht waren, paktierten sie mit einem Auto-Kanzler, der zwar seiner Partei ideologisch entlaufen war, aber sie weiter in den neokapitalistischen Zukunftstraum führte. Seine Fußabdrücke werden noch jene Nachkommen bewundern, die es noch einige Zeit in privilegierten Landstrichen geben wird, wenn es die Pazifik-Atolle, die Korallenriffe und die Gletscher schon nicht mehr geben wird, von Eisbären ganz zu schweigen. Jene Generationen werden sich so lange wie möglich arrangieren mit der verarmten, ausgelaugten Erde. Bis es ihnen selbst, im globalisierten Sahel, an den Kragen geht.

Jetzt schon fantasieren sie über Raumflüge zu anderen Welten. Noch nicht einmal jenes simple physikalische Wissen fehlt ihnen, das ihnen  den Unsinn solcher Träume erklärte. Und sollte es jene Welten geben, müßten die Bewohner derselben für ihre Unerreichbarkeit dankbar sein. Sonst ginge es ihnen wie den „Wilden“ Amerikas.

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Das Böse im Frommen

Daß die katholische Kirche ein Verbrecher-Schutzverein ist, wurde spätestens während der jüngsten Diskussion über die sexuellen Mißbräuche, ihre diversen Vertuschungsmethoden und nach dem ergebnislosen römischen Treffen im Februar all  jenen klar, die sich nicht haben korrumpieren lassen in ihrer Urteilsfähigkeit. Daß aber eben diese Kirche nicht nur Verbrecher schützt, sondern sich selbst mafiöser, d.h. verbrecherischer Methoden bedient, offenbarte das Interview, das Christian Pfeiffer jetzt der ZEIT gab.

Pfeiffer, ehemals Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), sollte ab Sommer 2011 den sexuellen Mißbrauch in der katholischen Kirche in deren Auftrag erforschen. Im Dezember 2012 war das Projekt gescheitert. Hauptverantwortlich dafür waren Pfeiffer zufolge der Mißbrauchsbeauftragte der Kirche, Bischof Ackermann, und der als liberal überall geschätzte Kardinal Marx. Die Kirche beanspruchte, so Pfeiffer, bald nach Beginn der Untersuchungen „finale Kontrolle der Forschung“. Ihr sei bewußt geworden, „daß unsere Forschung wehtun könnte und daß es uns auch darum ging, aufzudecken, daß so viele enttarnte Täter weiterbeschäftigt wurden“. Die Kirchenvertreter verlangten entsprechend die Möglichkeit eines zensurierenden Eingriffs vor jeder Veröffentlichung eines Forschungsergebnisses. Diesem Wunsch widersetzten sich Pfeiffer und seine Mitarbeiter. Die Lage eskalierte. Die Kirchenvertreter verlangten von Pfeiffer, sich zu verpflichten, „jeglichen Vorwurf von Zensur und Kontrollwünschen der Kirche zu unterlassen. Wir hätten zwar sagen dürfen, daß das Projekt beendet ist, aber nicht, warum“. Ein korrumpierendes finanzielles Angebot (120.000 Euro) sollte den Forschern das Nachgeben bzw. das Schweigen über den wahren Verlauf erleichtern. Bischof Ackermann warnte Pfeiffer: „Wenn ich mich weigere, den Vertrag zu unterschreiben und der Zensurvorwurf nach draußen dringe, dann sei ich ein Feind der katholischen Kirche – und das wünsche er niemandem“. Welche Foltergeräte, Scheiterhaufen oder, anders gesprochen, Säurebäder Ackermann im Sinn hatte, wissen wir nicht. Die Drohung, mag sie auch heute lächerlich klingen, ist unüberhörbar. Und Pfeiffer fühlte sich bedroht, nahm die Bedrohung ernst. „Das war der Versuch einer Nötigung“. Aber der Kriminologe wollte den offenen Konflikt vermeiden und schwieg bis heute, bis zu diesem Interview. Allerdings mußte er sich gerichtlich zweimal (erfolgreich) gegen eine einstweilige Verfügung wehren, wonach er nie wieder behaupten dürfe, „die katholische Kirche habe in Hinblick auf das Forschungsprojekt Zensur ausüben wollen“.

Der Fall beweist nicht nur, wie weit der Arm der geschwächt scheinenden Kirche noch reicht, wie dieser Staat im Staate, der Rolle der Mafia in Süditalien durchaus vergleichbar, rechtsstaatliche Verfahren angesichts offenkundiger schwerer Rechtsbrüche verhindern kann. Pfeiffer nennt sich einen gläubigen Menschen und wagt mit seinem Interview viel, was seiner Kirche auch schaden könnte, aber er begreift offenbar nicht, daß Rechtsstaatlichkeit und Verfassung über dem Daseinsrecht der Kirchen stehen müssen. Was wir den Muslimen nahelegen, müssen wir selbst einzuhalten in der Lage sein. Kinder, die in kirchlichen Einrichtungen gequält und vergewaltigt werden (die meisten „Mißbräuche“ sind regelrechte Vergewaltigungen), gehören nicht der Kirche und auch nicht dem Gott, auf den die Kirche sich bezieht. Sie gehören sich selbst. Dafür, daß ihnen das Sichselbstgehören möglich ist, hat der Rechtsstaat zu sorgen. Das macht seine vornehmste Daseinsberechtigung aus, nicht der Schutz von Religion und Kirche.

Die Widersacher Pfeiffers im Streit mögen „von Natur aus“ weder „böse“ Menschen noch machtbesessene Zyniker sein, aber das Verlangen ihrer Institution, um aber auch jeden Preis ihren Ruf und ihre moralische Macht zu schützen, bringt sie in die Lage, gegen eben jene Grundsätze ohne jede Rücksicht zu verstoßen, für die ihr Stifter die strengsten Maßstäbe aufgerichtet hatte. Die Verbrechen der Kirche heute richten sich nicht nur gegen die Menschen, sofern sie Opfer sind, sondern vor allem gegen den Geist jenes Jesus von Nazareth, der, wie man sagt, auch für solche Sünden gestorben ist, die die Kirche heute immer wieder begeht. Dies allerdings mit einer gehörigen Zutat an Zynismus und Mitleidlosigkeit, was die Opfer betrifft.

Dostojewskis Großinquisitor war es, der dem wieder auf Erden wandelnden Jesus nahelegte, besser zu verschwinden. Er schade den Menschen, die seinen Ansprüchen, die sie auch nicht verstünden, nicht genügen könnten. Die Kirche habe sich deshalb dem Dienst des großen Widersachers verschrieben, durchaus im Dienst der Menschen. Staunend stehen wir heute vor der Hellsichtigkeit des russischen Dichters.

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Die Lügen des Teufels

Er ist es, der uns einflüstert, „die Kirche geradezu als etwas Mißratenes anzusehen“, nämlich anläßlich der Mißbräuche, die das heilige Gebäude ins Mark erschütterten. „Das sei ferne“, sagt Benedikt, der Papst außer Diensten. Es gebe nämlich einen Weg, auf dem die Kirche ihre Unschuld wiedererlangen könne. Und der führt zurück, heißt es implizit in einem Schreiben des Emeritus, das dieser mit Billigung seines Nachfolgers veröffentlichte. Wir müssen zurück in die Zeit vor dem „Zusammenbruch des moralischen Allgemeinzustands der Gesellschaft in den 60er Jahren“. Damals gefährdete nämlich nicht nur das Zweite Vatikanisch Konzil die Fundamente der Kirche, vor allem war es die Revolution der Achtundsechziger, die eine sexuelle Freiheit ohne Normen erkämpfen wollte und zu deren Physiognomie es „gehörte, daß nun auch Pädophilie als erlaubt und angemessen diagnostiziert wurde“. Damit einher ging, wie verursacht auch immer, „ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie, der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte“.

Welche plastisches Bild eines Virus, der, von Satan erfunden und von gottlosen Revoluzzern verbreitet, in den geschwächten Leib der Institution eindringen konnte, weil auch ihre moralische Lehrautorität, ihr Immunsystem, untergraben worden war. Damals schon hätten die Schwulen in der Kirche sich in Clubs zusammengerottet „und das Klima in den Seminaren deutlich verändert“ – ins sozusagen Blocksberghafte, könnte man ergänzen. Um die pädophilen oder schwulen Orgien ausleben zu können, mußten Türsteher Satans den lieben Gott aussperren, denn wir wissen ja, „daß die Abwesenheit Gottes in einer Gesellschaft zum Verlust des Maßes und der Menschlichkeit führt“. Da hilft heute nur, Gott, den Ausgesperrten, wieder rein zu lassen und mit seiner Hilfe die Sünde vielfältigster Unzucht damit auszutreiben.

Die ersten Kommentare zu diesem Trost und Hoffnung spendenden und die wahren Schuldigen deutlich benennenden Schreiben waren auch in durchaus kirchennahen intellektuellen Milieus beschämend negativ. So nennt die Journalistin Christiane Florin im DLF den Text „kleinlich, peinlich – und gefährlich“. Das Schreiben, heißt es mit triefender Ironie, sei „ein Klagelied für die wahren Opfer des Mißbrauchs: Joseph Ratzinger und die Heilige Katholische Kirche“. Kein Wort werde darüber verloren, „welche Wunden Kleriker geschlagen haben, was sie Kindern, Jugendlichen und Ordensfrauen angetan haben.“ Ja, kann man dazu nur sagen, ist darüber nicht hinreichend glaubensschädigend, voller kirchenfeindlicher Häme genug berichtet worden, ohne Rücksicht auf die Folgen für die Kirche und die treuen Gläubigen, die sich trotz allem nicht abbringen lassen vom Glauben?

Florin behauptet, mit dem Text Benedikts werde Kirchenpolitik gemacht. Er sei „ein Machtwort, vorgetragen im Ohnmachtsmodus, gut platziert in einem Deutungskampf, in dem die Opfer sexualisierter Gewalt nicht interessieren“. Ist aber nicht, muß im Ernst gefragt werden, das Überleben der Kirche zu unser aller Heil wichtiger? Man wird die „Opfer“, die ja auch in gewisser Weise Verführer waren, schon irgendwie entschädigen und zum Schweigen verpflichten, damit sie nicht noch weiteres Unheil anrichten. Franziskus scheint auf dem richtigen Weg. Er legt sich nicht auf irgendwelche „konkreten“ Maßnahmen (welche sollten es sein?) fest, sondern wird mit Gottes Hilfe und der graserzeugenden Zeit die Sache schon durchstehen. Benedikt, indem er die eigentlichen Schuldigen benennt, hat ihm einen großen Dienst erwiesen. So schreibt er voller Zuversicht: „Es gibt Sünden in der Kirche und Böses. Aber es gibt auch heute die heilige Kirche, die unzerstörbar ist.“

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Wer hat Angst vor der Apokalypse?

Was wir nicht sehen können, können wir nicht sehen. Auch wenn es existiert. So einfach ist das. Was wir uns nicht vorstellen können, etwa die Unbewohnbarkeit der Erde (nach einem Atomkrieg oder als Ergebnis der Klimaerwärmung), können wir uns vielleicht phantasievoll ausmalen (im Kino oder in Büchern), aber wir können es einfach nicht glauben. Mitten im Leben hängen wir nämlich am Leben und verschwenden keine Zeit, an den Tod zu denken (wir sind ja nicht im Krieg!). Und letztlich gibt es einen, der uns „unendlich sanft in seinen Händen hält“, glaubt der Dichter Rilke. Um so etwas glauben zu können, haben wir die Religion, haben wir den lieben Gott. Keine schlechte Erfindung.

Wenn junge Menschen wie Greta Thunberg diesen Glauben verlieren, ist das schade. Dieser Verlust wird ihnen die Lebensfreude nehmen, vermuten die Gläubigen. Statt als apokalyptische Reiterin zu performen, sollte sie lieber auf einem Ponyhof die Tiere striegeln und ihre Mähnen kämmen. Andere Mädchen machen das und haben die Freude am Leben, die Greta nicht hat, weil sie sich einbildet, zu sehen, was man als Gesunder nicht sehen und sich auch nicht vorstellen kann und darf. Das Schicksal ihrer antiken Ahnfrau Kassandra sollte sie warnen.

Politiker wie Trump, Bolsonaro und Andreas Scheuer könnte Greta – vielleicht tut sie das auch – verschwörungstheoretisch für Agenten eines bösen Reiches halten, das daran arbeitet, die Menschheit auszulöschen, indem es den Planeten mit CO2 und Plastik versaut. So einfach darf sie sich das aber nicht machen. Die drei Genannten und alle ihre Gesinnungsgenossen gehören zu uns, sind unsere Brüder und Vettern (weniger Schwestern und Cousinen!), sie sind in der Regel demokratisch gewählt und üben ihre Macht legitimerweise aus. Andere wie der WELT-Chef und Epikureer Ulf  Porschardt raten uns, wie Porschardt jüngst in einer Talkshow als Sinnstiftung anbot, die Welt der schönen Dinge, also auch benzin- oder dieselgetriebene Autos, zu genießen, statt die wissenschaftlichen Erzählungen vom bösen SUV zu konsumieren, von denen einem nur blümerant wird. Autos mit herkömmlichem Antrieb haben nämlich im Gegensatz zu Elektroautos eine Seele, vielleicht – spinnt man Porschardts Faden weiter – auch Genitalien, sind gar selbst als solche zu gebrauchen (ganz gewiß Porschardts Porsche) und ergo kaum zu ersetzen. Gar nicht in Gretas Welt, die im besten Fall so sauber sein wird wie eine Intensivstation, wo für Seele, Liebe und Sex wenig Platz ist. Und Überleben als einzige Alternative kann doch nicht alles sein!

Das Dilemma sieht so aus: Entweder freuen wir uns des Lebens wie bisher und genießen die immer wärmeren Sommer sogar am Strand von Spitzbergen oder wir miesepetern uns vegan durch den trost- und autolosen Alltag, der nicht mehr von Mallorca oder Thailand unterbrochen wird, sondern von Ferien auf dem Bauernhof, wo es noch nicht einmal mehr Kühe gibt, die nämlich nur Sinn machen, wenn wir sie auch essen dürfen. Dafür gibt es Sauerampfersuppe und frisches Wasser garantiert nitratfrei aus dem Brunnen. Es schüttelt einen!

Gretas apokalyptische Visionen und die ihrer Mitstreiter sind das Gegenteil von dem, was sie behaupten zu sein: Sie sind einfach menschenfeindlich. Am sichersten entgehen wir ihnen, indem wir als Wähler dafür sorgen, daß bei uns CDU/CSU und AfD eine Koalition bilden und die Grünen zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen. Das wäre der demokratische Weg aus der Apokalypse heraus, wie ihn die USA und Brasilien vorangegangen sind. Die Gretas dieser Welt mögen weiter vor Parlamenten schwitzen und bibbern – wir übersehen und vergessen sie einfach. Dann werden sie irgendwann schon wieder zur Schule gehen und was Vernünftiges fürs Leben lernen.

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Die schrecklichen Freitags-Kinder

Sie behaupten, wir nähmen ihnen die Zukunft weg – dabei wollen sie uns die Vergangenheit wegnehmen, indem sie sie schlechtreden. Sie behaupten, wir hätten unseren Wohlstand, unser Wohlergehen, unsere SUVs, unsere Flugreisen, unsere Steaks, also all die schönen Dinge, die das Leben lebenswert machen – diese schöne alte Welt, die vor 100 Jahren eine schöne neue war, hätten wir auf Kosten der zukünftigen errichtet. Aber die Kids leben doch selbst mit ihren Smartphones, YouTube-Accounts und Auslands-Semestern gern in der Welt, die wir für sie gebaut haben. Und jetzt diese per WhatsApp energieverbrauchend organisierten Freitags-Spektakel, die einem nur Unbehagen bereiten und das Genießen des Lebens verleiden!

Aber wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Wir lassen uns keine Schuldgefühle mehr einreden bei jedem Mallorca-Flug. Wir haben unter Führung von Donald Trump und Jair Bolsonaro eine weltumschließende Bewegung gegründet (Name ist noch geheim und wird nach Trumps Wiederwahl bekanntgegeben), der in Deutschland geachtete Persönlichkeiten wie der Christ Paul Ziemiak, der Freiheitskämpfer Christian Lindner und der Heimatfreund Jörg Meuthen angehören. Wir haben verstanden, daß die genannten Persönlichkeiten und die Parteien, denen sie angehören, viel mehr verbindet, als verlogene Medien uns immer einreden wollten. Uns verbindet – das begreifen wir allmählich – der gemeinsame Kampf der Völker dieser Erde gegen die rot-grüne auch mediale Weltverschwörung, deren einziges Ziel darin besteht, uns die Lust am Leben bzw. unbeschwerten Konsum zu verleiden und dem sich sogar irregeleitete sog. „Wissenschaftler“ anschließen. Selbsternannte Asketen, Veganer und Weltverbesserer kapern jetzt die Medien und hypen eine blasse, zu kurz geratene schwedische Schulschwänzerin mit einem geistigen Defekt, der sie untauglich macht für das Verstehen komplexer gesellschaftlicher Prozesse. Arme Greta! – sie wollen aus dir eine Jeanne d’Arc machen und dir den Friedensnobelpreis verleihen. Warum nicht gleich die Heiligsprechung im voraus garantieren? Das ist politischer Kindesmißbrauch, den Jörg Meuthen zu recht beklagt.

Das alles, diesen Unsinn werden wir nicht zulassen. Wir wissen, daß die sog. „Klimakrise“ wenn nicht in China erfunden, so doch von der dortigen Propaganda gerne aufgegriffen wurde, damit die Chinesen den Wohlstands-Gap zu uns um so schneller aufholen können, weil wir, grün aufgehetzt, auf verdienten weil hart erarbeiteten Wohlstand verzichten. Das Volk wird für dumm verkauft und in Panik versetzt, aber wir werden ihm rechtzeitig die Augen öffnen, und zwar mit Hilfe von Wissenschaftlern, die wir noch finden werden, und wenn in Amerika. Trump kennt sie, sagt er. Außerdem kann und wird Gott nicht zulassen, was die Apokalyptiker an die Wände malen: Untergang von Inseln, Küsten und Städten wie New York, Unbewohnbarkeit Afrikas, ungeheure Migrantenströme. Er wird seine Schöpfung schützen und bewahren, wie er uns nach der Sintflut versprochen hat. Da brauchen wir, solange der Regenbogen steht, gar nichts zu tun als zu glauben und in der Hoffnung zu leben, die stark zu machen u.a. die Kirche berufen ist.

Gottloser und schamloser als die ungläubige Greta Thunberg hat noch niemand gesprochen, als sie der erwachsenen Menschheit schamlos ins Gesicht schrie: „Ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, daß ihr in Panik geratet.“ Wo bleiben da die drei Säulen unserer christlichen Kultur: Glaube, Liebe, Hoffnung? Wir werden dafür mit Gottes Hilfe sorgen, daß sie stehen bleiben. Amen.

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