Mülheim – oder: wie wird Mann Vergewaltiger?

Der Feminismus ist davon überzeugt, daß die gesellschaftlich gewollte und akzeptierte Frauenrolle den Mädchen nicht angeboren ist, sondern im Sozialisationsprozeß vermittelt wird. Heraus kommt eine Frau, die sich je nach Kultur und Milieu den Erwartungen vor allem der Männer, die in der Regel von den Müttern geteilt werden, entspricht. Diese Erkenntnis stammt aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts und wurde durch Simone Beauvoir populär.

Blickt man heute auf das Sexualverhalten junger Männer und pubertierender Jungen, so könnte man zu dem Schluß kommen: Männer werden als Vergewaltiger geboren und erst im Sozialisationsprozeß, der auch ein Zivilisierungsprozeß ist, zu  empathiefähigen, liebesbegabten, im Zweifel sogar ritterlichen Mitgliedern der Gesellschaft. Bleibt der Prozeß aus oder vermittelt er sogar Inhalte wie Frauenverachtung und Potenzgehabe im Verein mit Aggressivität und Dominanzgebaren, kann herauskommen, was gerade in Mülheim, auch an anderen Stellen etwa im Ruhrgebiet, in Freiburg, München, Velbert passiert ist: Männliche Wolfsrudel suchen sich ein oder mehrere weibliche Opfer aus, die etwa in den Chatgruppen nicht als Menschen klassifiziert werden, sondern als Wesen, die man jagen muß, die man zum Sex benutzen kann wie Dinge.

Das dahinter zu vermutende Frauenbild prägt die meisten Kulturen dieses Planeten, die christliche eingeschlossen, die ihren patriarchalen Grundkonsens auch gar nicht verbergen. Wertvoll sind Mädchen und Frauen vor allem als Töchter und Gattinnen – also als des Mannes Eigentum. Das wenigstens unterscheidet sie vor allem in gegenwärtigen muslimischen Gesellschaften nicht von Sklaven, die allerdings wissen, daß sie Sklaven sind. Das Eigentum an ihnen wird aber nicht nur benutzt, etwa zum ehelichen meist lustlosen Verkehr und damit zur Reproduktion, sondern auch beschützt und verteidigt. Darin besteht dann die „Ritterlichkeit“.

Wenn die Frauenbewegung etwa in Gestalt von #MeToo in der westlichen Kultur etwas bewirkt hat, dann zuerst die Bewußtwerdung solcher Unterdrückungsverhältnisse, die nicht auf die „menschliche Natur“ oder „Gottes Wille“ zurückzuführen sind, sondern auf Machtverhältnisse, denen es vor allem um Privilegien der Männer geht. Im Geschlechterverständnis etwa des Islam ist die Frau dazu da, die sexuellen Bedürfnisse des Mannes zu befriedigen. Ist sie dazu bereit, ernährt und beschützt er sie, andernfalls darf er sie mißhandeln oder verstoßen. Der Koran bzw. Allah spricht nur zu den Männern als Subjekten und gibt ihnen Anweisungen hinsichtlich des Verhaltens ggü. den weiblichen Objekten. Auch wenn die Muslime es leugnen, ist Allah genau so ein „Mann“ wie Jahwe oder dessen christliches Pendant „Gottvater“. Mit Frauen zu sprechen ist unter Allahs und seines Propheten Würde. Auch der aus Lehm geformte menschliche Mann darf über seine „Dienerin“ (so ihr „Beruf“ seit der vom Koran kopierten Genesis-Erzählung) verfügen. Das tun allenthalben Väter mit Töchtern und taten die Jungs in Mülheim. Sie verfügten als geborene und in der Pubertät scharf gewordene Testosteronbomben über ein minderwertiges Objekt: eine junge Frau.

Minderwertig ist aber die Frau auch im traditionellen Christentum, wovon die Katholikinnen ein Klageliedchen zu singen haben, zuletzt im Verein „Maria 2.0“. Sie sind keine Männer, haben weder Penis noch Hoden und sind deshalb (!) unwürdig, das Wort des so bestückten Gottes bzw. seines Sohnes zu verkünden. Der Kult der Männlichkeit, wie er in allen Religionen anzutreffen ist, besitzt als Kehrseite die männliche Gewalt, vor allem die sexualisierte. Dies haben die Söhne der  bulgarisch-türkischen Familien so verinnerlicht wie die Sinti-Jünglinge, die das Ruhrgebiet auf der Suche nach Mädchen-Opfern verunsicherten und deren Prozeß gerade in Essen stattfindet. Kultur und Religion gehen mit Frauenverachtung vielfach grausame Bündnisse ein, die die gepredigte „Menschenliebe“ und Marienverehrung vergewaltigungsbereiter Priester als Heuchelei einer Institution desmaskierten. Die hat als Kernbestand den Glauben an den einen, den männlichen Gott in Interesse einer männlichen Welt gegen alle Kritik bis jetzt bewahrt.

Psychologen und erfahrene Juristen wissen, daß auch die Mülheimer Vergewaltiger jene zivilisierende Domestizierung nicht erfahren haben, die Voraussetzung einer empathiefähigen Mitmenschlichkeit wäre und daß dies im Heim oder im Gefängnis nicht nachzuholen ist. Idealistische Jugendrichter glauben hingegen an die unbegrenzte Formbarkeit der jungmännlichen Psyche etwa in Einrichtungen wie „Kurve kriegen“. Sie nehmen die potentiellen weiblichen Opfer in Kauf. Deren Flehen und Jammern während der Untaten drang nicht einmal, das zeigte der Essener Prozeß, unter die alleräußerste Seelenhautschicht der Täter. Die haben es nicht gelernt und werden es auch nicht lernen. Sie sind als freistreunende Jäger weiblicher „Objekte“ der weiblichen Hälfte der Gesellschaft nicht zuzumuten. Manchmal bleibt nichts als Wegsperren, das vorgeblich gegen die Menschenwürde verstößt –  gerade um der Menschenwürde Willen

Werbeanzeigen
Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Lebenslügen mit Todesfolge

Greta kann nicht lügen. Sie hat einen Defekt. Er heißt „Asperger“. Der Rest der Menschheit bis auf wenige Ausnahmen (Jesus vielleicht, Franziskus von Assisi, nicht der Papst, etc.) kann nicht nur gut lügen, sondern braucht die tägliche Lüge fürs Überleben. Oder um US-Präsident zu werden und zu bleiben. Wir erlügen uns einen Gott, der uns alle retten wird, eine Ehe, die nur der Tod scheidet, eine Liebe, die ewig währt, eine Demokratie als die beste aller schlechten Gesellschaftsformen. Die Liste kann endlos fortgesetzt werden.

Bisher war das Lügen, wie gesagt, quasi überlebensnotwendig. Gretas Gesetz heißt aber: Wenn wir weiter lügen, sind wir verloren. Sie sagte das bei verschiedenen Veranstaltungen mit dem größtmöglichen Ernst – und immer mehr Menschen glauben ihr. Ausnahmen wie Christian Lindner und Paul Ziemiak mögen hier für das Phänomen der eisenharten Selbstbelügung im Dienste einer Partei stehen. Also um einer höheren Sache willen. Auch ihnen gilt unser Verständnis.

Lebenslügen sind eigentlich schützende Selbstbelügungen, die einem Individuum, einer Gruppe, einem Volk zugesprochen werden können.  Individuelle Selbstbelügungen finden sich häufig bei der Entscheidung für einen Partner. Kollektive Selbstbelügungen sind die, die einem starken Mann zutrauen, daß er als „Führer“ alle unsere Feinde besiegt oder daß die Welt nach dem Untergang des Sozialismus für alle Zeit ein friedlicher Ort sein wird, in dem etwa die Deutschen nur von Freunden umgeben sein werden. Ausnahmsweise war der real existierende Sozialismus ein System, dessen Profiteure ihre eigenen Lügen nicht mehr glaubten. Also kein System der naiven Selbstbelügung, sondern eins der zynischen Unterdrückung..

Nach dem Erfolg der Grünen bei der Europa-Wahl ging dem NRW-Ministerpräsidenten und auch anderen Politikern der geprügelten ehemaligen Volks-Parteien ein Licht auf: Wir müssen den Leuten sagen, daß auch wir gegen die Klimawandel sind. Wir waren nämlich der Meinung, das interessiere unsere potentiellen Wähler nicht. Der grüne Erfolg zwingt uns nun zu einer ökologischen Rhetorik, deren Blaupause die Grünen liefern und die uns vielleicht die Wähler, die uns über Jahrzehnte die Treue gehalten hatten, wieder zurückbringt. Das geht aber nur, wenn wir uns in einem Punkt von den Grünen unterscheiden. Wir müssen den Leuten sagen, daß Klimawandel möglich ist, ohne daß ihr irgendetwas in eurem Leben ändert oder ohne daß Dinge, die euch lieb und teuer sind ((Flugreisen, SUVs, Sprit, Steak) demnächst mehr kosten oder gar verboten werden. Wir haben dafür ein Zauberwort erfunden: „Innovation“. Wir müssen nur Techniken erfinden, die uns all die Einschränkungen und Verzichte aus der grünen Folterkammer ersparen.

Kürzlich war in einigen Zeitungen eine Karikatur zu bewundern, die die Klima-Politik der Groko so auf den Punkt brachte, daß einem das Lachen im Halse steckenblieb. Vor einer riesigen schwarzen Tafel mit komplizierten mathematischen Gleichungen stand AKK und erklärte einem deutschen Michel die Klimapolitik der Koalition, indem sie auf die Gleichungen wies und auf die vorletzte Stelle. Dort ist zu lesen: „Hier geschieht ein Wunder“. Das führt dann zur endgültigen Lösung: „Deutschland erreicht Pariser Klimaziele“. Dazu AKK in der Sprechblase: „Über DIESE Stelle machen wir uns in den Sommerferien Gedanken und präzisieren sie im September.“

Die Karikatur ist von abgründigem Realismus. Hier holt eine christliche Partei aus der Lügenkiste der Religionen ein Mittel, das „Wunder“, um ihrer Klientel die Hoffnung zu machen, von der Greta mit weit überzeugenderem Realismus sagt, daß wir sie fahren lassen sollten, wenn wir uns nicht JETZT zum einer grundlegenden Änderung unserer Lebensgewohnheiten entschließen. Wir wissen aber, daß gerade das nicht geschehen wird. Noch Radikaleres als Verzicht auf Billigflüge ist gefordert. Die Chinesen machen es gerade vor. In keinem Land macht der Umweltschutz so schnelle Fortschritte wie in China. China ist eine Diktatur, die jede von der Parteilinie abweichende Meinung unnachgiebig verfolgt. Debatten finden in der Öffentlichkeit nicht statt. Auf diese Weise erzielte eine ausgemachte Anti-Demokratie neben ökologischen auch enorme ökonomische Fortschritte, die sich in eine Art Griff nach der Weltmacht umzuwandeln scheinen, auf Kosten von Autonomie und Freiheit der Individuen.

Davor fürchten wir uns mit einigem Recht, aber nach der Greta-Logik befinden wir uns zwischen Szylla und Charybdis. Entweder errichten wir im Westen eine Öko-Diktatur mit Rest-Freiheiten, die die Chinesen nicht dulden würden, oder wir verglühen und ertrinken in einer um über 3 bis 4 Grad erhitzten Erde. Uns diese „Wahrheit“ vorzuenthalten, darin besteht die mörderische Lebenslüge der Politik, wobei vorauszusetzen ist, daß der Glaube an Wunder bei Politikern christlicher Couleur unterstellt werden darf. Sie wollen es selbst nicht glauben, was ihnen die Wissenschaft prognostiziert, und dem „Volk“ solche Apokalyptik zuzumuten, wäre politischer Selbstmord. Kann sein. Mit der davon profitierenden AfD aber, die von der „Klimalüge“ spricht und damit das Volk, das sie zu vertreten vorgibt, entlastet, ginge alles noch schneller.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 2 Kommentare

Das Klima, AKK und die Grenzen des Verstehens

Auf der Jahrestagung des Ifo-Instituts präsentierte AKK einen Vergleich, der klarmacht, daß sie nichts verstanden hat. Damit ist sie keineswegs allein unter ihren Kollegen. Im Gegenteil. AKK verglich nämlich die Debatte über die Klimaschutzpolitik mit der über die Zuwanderung. Beide Debatten hätten das Potential, die Gesellschaft zu spalten. So wie der Brexit die Briten gespalten hat und Trump die Amerikaner, könnte man die CDU-Chefin verstehen. Die Flüchtlingsströme im Gefolge von 2015 haben immerhin Europa gespalten bzw. fragmentiert, und vielleicht erholt es sich davon nicht. Schlimm genug. Aber das Leben würde weitergehen, auch hinter wieder hochgezogenen Grenzen.

Daß das Klimaproblem eine grundsätzlich andere, eine existentielle Dimension hat, wollen Union und SPD (von der AfD zu schweigen) nicht verstehen, auch wenn die wissenschaftlichen Expertisen auf dem Tisch liegen. Es geht im Ernstfall nicht um irgendwelche Verschiebungen mediterraner oder afrikanischer Bedingungen nach Mittel- und Nordeuropa, um den Untergang einiger Pazifik-Atolle, auch nicht um die Gefährdung tiefliegender Gegenden wie Holland und Bangladesch, sondern um eine Überhitzung der Erde insgesamt, die ihren Abstand zur Sonne sozusagen temperaturmäßig verringert und sich aus der einmaligen Komfortzone, die Leben und Evolution erst möglich machten, entfernt. Sie wird bei Drei-Grad-Erhitzung der Venus ähnlicher weil sonnennäher und damit unbewohnbar, wenn der menschliche Faktor nicht reduziert wird. Und zwar beträchtlich.

Es geht den Politikern von Trump bis Gauland und AKK wie den meisten Menschen, die zwar theoretisch wissen, daß sie sterblich sind, aber so leben, als gäbe es ihren jeweils eigenen Tod gar nicht. Die Verdrängung des Endes bzw. Todes hilft beim fröhlichen Weitermachen. Sie ist so alt wie die Menschheit und wird flankiert von der je nach Religion anders ausgestalteten Vorstellung von einem Jenseits. So hilft man sich beim Überstehen des Unangenehmen weil Unvermeidlichen. Der Klimawandel ist demnach eine vorübergehende Episode, danach geht es  irgendwie weiter, und das Gefährliche an ihm ist die „Panik“ (Originalton Greta) der Jugend und der daraus erwachsende Schaden für die Parteien bzw. das politische System, wie wir sie kennen. Dieser Schaden, so denken AKK und ihre Berufsgenossen, muß abgewendet werden, möglichst mit kräftiger Symbolpolitik, auch um die überhand nehmende Apokalyptik der Youtuber-Sprache zu entschärfen. So etwas wie das Rezo-Video darf nicht mehr passieren, egal ob seine Inhalte zutreffen oder nicht. Auch dazu hat AKK ja schon Ideen geäußert.

Der entscheidende Selbst-Betrug besteht bei den symbolischen Klimaschützern darin, daß sie glauben und glauben machen wollen, die erforderlichen Maßnahmen könnten ohne Kosten und Einschränkungen im täglichen Leben vorgenommen werden. Flugreisen, Individualverkehr, Fleischverzehr, Konsumverhalten insgesamt würden sich nicht ändern müssen, alles bliebe so zugänglich und billig bis bisher, die Zahl der SUVs könnte weiter wachsen wie die Zahl der jährlichen Urlaubsflüge. Wenn nämlich nicht, würde das noch verheerendere Auswirkungen auf die Parteien und das politische System haben. Dann würde der Souverän, das Volk, bocken wie das Kind, das im Supermarkt seinen Lutscher nicht bekommt. Der westliche Hedonismus, die große Errungenschaft des Zeitalters, darf nicht angetastet werden, lautet das Mantra der sich selbst erhaltenden Politik.

So denkt die politische Klasse, wenn sie an das „Volk“ denkt, von dem sie als vom Wahlvolk nun einmal in Demokratien abhängig ist. Sie kann sich auch nicht vorstellen, daß dieses „Volk“, der „große Lümmel“ (Heinrich Heine), irgendwann mündig wird und ohne Lutscher auskommt, auch wenn Greta und ihre Gefolgschaft schon demonstrieren, daß sich da etwas zu bewegen scheint in den jungen Köpfen. Kann man dem trauen? War die Europawahl  etwa mehr als eine Eintagsfliege, weil der vorige Sommer so heiß war und Rezo den jugendgemäßen Ton getroffen hatte? Schon immer sind die Demonstranten irgendwann einmal müde und vernünftig geworden. Wenn die nächsten Sommer wieder halbwegs normal sind, dann wird das alles vergessen sein und das fröhliche Fliegen um die Welt bleibt uns als Spaß erhalten. Man gönnt sich ja sonst wenig genug und steht auch mit einem SUV immer wieder wütend im pfingstlichen Stau.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 3 Kommentare

Mann ist Mensch und Frau ist Frau

Wenn man Genesis 2, die zweite, bekanntere Variante des biblischen Schöpfungsberichts, korrekt liest, ist der Mann „der Mensch“. Eben nicht die Frau.  „Gott nahm also den ‚Menschen‘ (=Mann) und setzte ihn in den Garten Eden. Dann sprach Gott: Es ist nicht gut, daß der Mensch (=Mann) allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen.“ Dann kommt die Geschichte mit der Rippe.

Wer das nicht glaubt, versteht die noch heute gültige Anthropologie der katholischen Kirche nicht. Die Reihenfolge chronologisch ist klar, und klar ist auch wer Meister, wer Gehilfe, wer Koch, wer Kellner ist. Der dies in Frage stellende Rest ist säkulare Geschichte, ist Wissenschaft, ist gar Darwinismus. Werke des Teufels, wie Papst Franziskus die Gendertheorie einordnete.

Vor 25 Jahren veröffentlichte Papst Johannes Paul II das apostolische Schreiben Ordinatio Sacerdotalis und bekräftigte darin das unumstößliche Verbot, Frauen zu Priestern zu weihen. Ausdrücklich tritt der Pontifex der modernen historisch- soziologischen Argumentation entgegen, die Entscheidung Jesu, nur Männer zu berufen, habe mit sozio-kulturellen Motiven in der damaligen Zeit zu tun. Der Gottmensch Jesus ist demzufolge den psychologischen und gesellschaftlichen Zwängen seiner Zeit enthoben, wenn er nur Männer wählt. Er übernimmt, könnte man kritisch einwenden, die Geschlechterstereotypen aus dem Genesis-Bericht, der wiederum von Autoren unter dem Zwang der Stereotypen verfaßt wurde. Aber das konnte Jesus nicht wissen, und es ist für den Gottmenschen auch irrelevant. Meint wenigstens die Kirche.  Sie liest die Bibel, allen modernistischen historisch-kritischen Entwicklungen zum Trotz, nicht anders als Muslime den Koran lesen oder orthodoxe Juden die Thora. Und sie mutet dies den Gläubigen auch noch im 21. Jahrhundert zu.

Interessant und weiterführend in dem Schreiben des Papstes ist der Hinweis auf „natürliche Symbole, die in der menschlichen Psyche eingeschrieben sind“, also so etwas wie die Archetypen C.G. Jungs. Ihrer Definition gemäß sind diese kaum evolutionären Varianten ausgesetzt. Sie kennzeichnen also die seelische Binnenstruktur des Menschen, aller Menschen aller Zeiten. Wenn nun aber zwischen Christus und seinen Dienern bzw. Vertretern eine „natürliche Ähnlichkeit“ vorliegen muß, wie es die Stellung und Funktion Christi in der Eucharistie fordert, worin besteht dann diese „Ähnlichkeit“ und was symbolisiert sie? Die Antwort mag für viele verstörend sein, aber sie ist unwiderlegbar. Es ist der P h a l l u s. Er ist das Symbol der Symbole innerhalb der seit mindestens 5 Jahrtausenden bestehenden patriarchalen Herrschaft. Und ein überaus „natürliches“ Symbol.

Die penislose „Gehilfin“ hingegen ist weder ein Ebenbild Gottes noch besitzt sie eine Ähnlichkeit mit dem den Penis/Phallus besitzenden Jesus noch ist sie ein vollwertiger Mensch, wie er zunächst für den Garten Eden geschaffen wurde. Sie ist und bleibt eine „Gehilfin“, eine Magd mit nichts als einer Vagina, einer Art Leerstelle dort, wo die Gottähnlichkeit des Menschen offenbar wird. Sie bleibt für alle Zeiten die Magd, als die sich Maria selbst bezeichnet und deren Vagina als „gereinigte“ nicht mehr der bösen Lust diente, sondern der Menschwerdung Gottes. Der Marienverehrer Johannes Paul II überträgt diese Verehrung auf sein Frauenbild, das so, weil es eine „Verehrung“ ist, dem Gläubigen durchaus als positiv erscheinen kann.

Daß diese Positivittät die Kehrseite einer Erniedrigung, einer Defizienz ist, habe jene Frauen nicht verstanden, die die Aktion „Maria 2.0“ ins Leben riefen. Als Magd, die nicht nur keinen Penis hat und zudem aus ihrer Vagina unrein blutet, darf sie sich keine Hoffnung auf höhere Dienste machen. Jesus oder einen seiner Stellvertreter (Priester) mit Unreinheit zu verbinden, erzeugt im wahren Gläubigen Abscheu, Ekel und Zorn. Maria als einzige Frau wurde qua unbefleckter Empfängnis und jungfräulichen Gebärvermögens und ewiger geschlechtlicher Unberührtheit von all dem Schlimmen, Schmutzigen, Sexuellen befreit, das natürlichen Frauen anhaftet. Nur so konnte sie die verehrungswürdige Himmelkönigin werden, von der Frauen unsinnigerweise Hilfe erwarten. Diese heute protestierenden Frauen tragen als sündige Töchter Evas die Schuld ihrer Urmutter, nämlich durch die Sünde den Tod den Menschen gebracht zu haben, für alle Zeiten mit sich herum. Dessen sollten sie sich bewußt sein, wenn sie unerfüllbare, wenn nicht gotteslästerliche Forderungen erheben, die ihnen der Teufel eingegeben haben muß.

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | 3 Kommentare

Kirchenstreik der Frauen – aber warum „Maria“?

Vielleicht haben die aufmüpfigen Katholikinnen aus Münster, die sich die Aktion „Maria 2.0“ ausgedacht haben, diesen „Streik“ von Greta und ihren Mitstreiter*innen abgekuckt. Jetzt wird er beendet. Es gab Zustimmung, Verständnis, aber auch Ablehnung bzw. verbohrtes Schweigen: Woelki aus Köln, der Ratzinger-Klon.

Die Waffe „Austritt“ wird von den Streikenden und ihren Sympathisanten abgelehnt. Man wolle die Kirche nicht den Männern überlassen, sagte etwa Doris Wagner im TV-Interview. Seltsames Argument. Die Männer und sie allein herrschen seit fast zwei Jahrtausenden von Frauen nie in Frage gestellt in der katholischen Kirche. Die Frauen putzen und schmücken und dienen. Letzteres vor allem. Wie sagte Maria zum Erzengel: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt“ (Luk. 1,38). So ist es geblieben. Die Männer werden geweiht und agieren als Stellvertreter Christi, also Gottes; die Frauen bleiben Mägde. Jedem Kenner des Neuen Testaments ist klar, daß Jesus das so nicht gewollt haben kann. Nur weil einer einen Penis und Hoden besitzt, kann ihn das nicht zur Stellvertreterschaft prädestinieren, auch wenn patriarchalische Gesellschaften den Mann per se für den „eigentlichen Menschen“ (christlich: Gottes Ebenbild, Genesis 2) halten. Wer die Penislosigkeit und die Regelblutung als Kriterium für die Unfähigkeit, das Wort Gottes verbindlich zu verkünden, im Hinterkopf hat, soll das laut sagen und mit roten schamgefärbten Ohren.

Daß der Kampf der Frauen wohl vergeblich bleiben wird, kann man aus dem Idol der Streikenden, ihrer Leitfigur „Maria“, schließen. Während Männer sich den Stuhl Petri und die Stellvertretung Christi anmaßen, während sie über weite Strecken der Geschichte ein furchteinflößendes auch todbringendes Regiment errichteten und es bis heute als absolutistische klerikale Hierarchie bewahren, sind es die Massen der Frauen, die das Alltagsleben der Kirche wesentlich bestimmen und erhalten. Sie identifizieren sich aber fatalerweise mit der „Magd“, der geschlechtslosen, asexuellen, kastrierten Konstruktion der Kirchen v ä t e r als mit einem Vorbild, das, nähmen sie es wörtlich, ihre Menschenrolle radikal auf Unmündigkeit und Gehorsam schrumpfen lassen würde. Das scheinen sie ansatzweise verstanden zu haben. Daher der feministisch angehauchte Protest.

Aber warum „Maria“? Warum nicht z.B. die angebliche „Sünderin“ Maria aus Magdala, die engste Vertraute ihres Rabbi, die ihn verstand, dessen Mutter ihn aber wie seine ganze Familie für verrückt hielt (Mark. 3,21). Maria aus Nazareth, Jesu Mutter, ist angeblich die erneuerte Eva, jene Eva der Genesis, die den Menschen den Tod brachte mit ihrer Apfel-Erbsünde.  Diese Eva, theologisch gesprochen die Mutter aller Menschen, wäre als ganze, als vollständige d.h. sexuelle Frau ein sinnfälligeres Idol für die Frau des 21. Jahrhunderts, überzeugender als das Ergebnis der männlichen Konstruktionsarbeit, das 431 in Ephesus, wo schon die heidnische jungfräuliche Artemis verehrt worden war, ihre Vollendung fand: als ewig jungfräuliche Gottesgebärerin.

Katholikinnen verehren und lieben die Jungfräuliche, weil in der ersten Reihe des Personals von den Aposteln bis zu den Päpsten und Bischöfen nur Männer in Sicht sind. Maria, wie sie vor 1600 Jahren ausgedacht wurde, gehört wenigstens nach ihrer Auffahrt zur himmlischen Mannschaft. Sie kann man zumal als Frau bitten, sich zu verwenden beim Vater oder beim Sohn, wenn es ums Sündenvergeben geht.  Sie ist als Mittlerin eine volksreligiöse Instanz, der ein Luther den Titel „Himmelkönigin“ mit guten Gründen nicht gönnen wollte. Sie steht aber auch für die Sexualmoral einer Kirche, die von der Angst vor weiblicher Sexualität beherrscht wird. Die sexuelle Frau befeuert vor allem die Angst der Kleriker vor dem eigenen Sexus, dem viele von ihnen dennoch immer wieder zum Schaden Unschuldiger unterliegen. Die jungfräuliche Maria und der Zölibat sind zwei Einfallstore für ein Lebensgefühl, das diese Angst immer wieder belebt. Reinheit und Keuschheit allein bewahren mich vor der Hölle. Das hat Folgen. In jedem Bericht über einen Mißbrauch, also meist eine Vergewaltigung, treten sie zutage.

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

„Den Sozialismus in seinem Lauf…

…hält weder Ochs noch Esel auf“, reimte einst Erich Honecker. Zwar schafften es nicht Ochs oder Esel, die seit je damit beschäftigt waren, das Kind im Stall zu bewundern, sondern Erich selbst und seine Mitstreiter in den Ländern des real existierenden Sozialismus. Sie verbrannten für alle Zeiten die schöne Utopie von der von Ausbeutung befreiten und befriedeten Gesellschaft, in der jeder nach seinen Bedürfnissen gestillt und glücklich wäre, und zwar schafften sie es mit einer Effizienz und Radikalität, die heute noch, 30 Jahre später, Staunen macht. Die Sozialisten hatten den Sozialismus abgeschafft, vernichtet, seine Wurzeln ausgerissen, nicht die bösen Kapitalisten. Einige seltsame hybride Gebilde, Karikaturen des Sozialismus wie China und Nordkorea, blieben übrig, wobei China bewies, daß Kapitalismus ohne Demokratie und auch ohne Sozialismus wunderbare Entwicklungschancen hat, während Nordkorea bis heute erfolgreich die Steinzeit mitten im 21. Jahrhundert am Leben hält.

Der unter diesen Voraussetzungen zur Mund-zu-Mund-Beatmung des Mausetoten angetretene Kevin Kühnert hat keine Chance. Er ist nicht Jesus oder sonst ein Totenerwecker. Er ist ein an seiner Partei verzweifelter Sozialdemokrat und greift zur Analyse des Karl Marx, die ihm zeigt, daß der Kapitalismus, wenn er eine gewisse Erfolgsstory hinter sich hat, sich selbst wie ein Kettenraucher seine Lunge mit einem Krebs infiziert, der ihn und wahrscheinlich den Planeten selbst zerstören wird. Die einzige Medizin, die helfen könnte und die Kevin beschwört, hat ihr Haltbarkeitsdatum überschritten und kann nicht mehr wirken. Eine andere scheint es nicht zu geben, es sei denn die neue Messiasse Trump und Bolsonaro erfänden sie, indem sie mindestens zwei Jahrhunderte in der Geschichte wieder zurückgingen und die alten Kriege neu führten.

Wer seinerzeit den Wendeprozeß 1989/90 verfolgte, konnte sich damals ausrechnen, daß jedem, der sich mit Marx und dem Sozialismus irgendwann wieder aus der Deckung begeben würde, ohne jedes inhaltliche Argument schlicht mit dem Hinweis auf den real grandios versagt habenden Sozialismus  abgeschmettert werden würde. Eine neue historische Chance wird es nicht geben. Das Menschenbild und der Geschichtsentwurf der Urväter Marx, Engels, Bebel etc. waren so utopisch im Sinne von wirklichkeitsfremd wie das christliche Modell vom erlösten und geretteten Sünder. Christentum wie Sozialismus überfordern offenkundig den Homo sapiens auf seiner jetzigen Evolutionsstufe. Daß er je eine höhere erreichen wird, wird er von der gegenwärtigen aus zu verhindern wissen.

Wenn Kühnert am Ende seines ZEIT-Interviews lachend (!) Adornos Satz zitiert „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, gibt er zu, daß auch er insgeheim vom falschen Leben ausgeht, aus dem es keine Entrinnen gibt. Auch bei ihm wird nach einem theoretisch-politischen Reifungsprozeß letztendlich der Apokalyptiker Adorno über die Utopisten Marx und Bloch gesiegt haben. Die Erkenntnis des „Wahren“ fördert selten das „Gute“ zutage.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Wir sind der Asteroid

Sechs Massensterbens hat der Planet Erde bisher erlebt und überlebt. Als die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ausstarben, war es wohl ein gewaltiger Asteroid, der die Atmosphäre über einen langen Zeitraum in eine riesige Staubwolke verwandelte und die Temperatur abstürzen ließ, weil kein Sonnenlicht mehr durchdrang. Die Saurier waren die Leidtragenden, nicht aber die Verursacher der Katastrophe. Heute ist es anders. Wir, der Homo sapiens, gerade mal vor 100 000 Jahren aus Afrika zur Welteroberung aufgebrochen, wir sind Verursacher und Leidtragende in Personalunion. Wir wissen es, aber wir können es uns nicht vorstellen. Das ist ein Unterschied. Groteske Paradoxien erzeugt der menschliche Geist. Es sucht nach Lagerstätten für seinen Atommüll, wo er eine Million Jahre „sicher“ aufbewahrt werden kann, aber er verdrängt die bittere Einsicht, daß er letztlich schon in kurzer Zeit, weit vor den sagenhaften Millionen Jahren, das Opfer seines eigenen Handelns sein wird als letztes Opfer des Massensterbens. Er weiß es und weiß es nicht. Er tut de facto so, als könne sein Handeln immer so weitergehen, als könne er sich exponentiell weitervermehren, ernähren, energieverbrauchen, müllerzeugen. Als wüchse die Erde mit. Das weiß er zwar auch, daß sie das nicht tut. Aber er handelt so, als wären ihre Ressourcen für die explodierende Spezies Homo unbegrenzt. Vielleicht denkt er insgeheim an eine Rettung durch Gott, einen Welt-Messias oder ähnliches. Eine neue Daseinsberechtigungsform für Religionen aller Art…

Der aktuelle Bericht des Weltbiodiversitätsrats, IPBES, von der UNO in Auftrag gegeben, spinnt keine Apokalypse aus Hirnen stubenhockender Wissenschaftler heraus, sondern faßt die Ergebnisse jahrelanger sachlicher empirischer Forschung zusammen. Das Artensterben vollzieht sich derzeit, im Anthropozän, 10 bis 1000fach schneller als in 10 Millionen Jahren vorher. In  gleichem atemberaubenden Tempo, um mit dem Papst zu reden: karnickelhaft, vermehrt sich der Verursacher. Früher hätte man von dem Triumph einer Spezies, der Krone der Schöpfung, über alle anderen gesprochen. Heute müßte der Krone, wäre sie denn so vernünftig, wie sie sich einschätzt, sofort die ungeheure selbstgebaute Falle bewußt werden: Wir können nur mit den anderen zusammen überleben. Mit diesen und Pflanzen und Tieren, von denen wir, seit wir von der Evolution wissen, auch wissen, daß wir Verwandte sind und als deren Feinde und Vernichter wir uns gebärden. Mit jenem fürchterlichen Gottes-Befehl im Rücken, wir sollten uns die Erde „untertan“ machen, haben wir sie Jahrtausende lang versklavt und uns im Recht gesehen, sofern wir uns zu den „zivilisierten“ Gesellschaften zählten, während es die sog. „Wilden“ in den Urwäldern Amerikas waren“, die „Mutter Erde“ liebten und verehrten.

Um die Milliarden, die wir in schäumendem Mannes-Eifer und mit Pillen Paules Segen erzeugen (Nigerias Bevölkerung etwa vervierfachte sich dank seiner Manneskraft seit 1960 auf heute 175 Millionen), um sie zu ernähren, brauchen wir die artenvernichtende industrielle Landwirtschaft, brauchen wir die Energie und ihre Quellen und zerstören das Klima, produzieren wir den Müll, den wir an den Stränden und in den Mägen der Wale wiederfinden. Alles bekannt, nicht erst seit Gretas Aufforderung, in Panik zu geraten. Aber wir verfallen nicht in Panik. Von wegen! Uns fehlt es an Vorstellungskraft. Dafür haben wir Sciencefiction im Kino. Wir glauben, wenn wir SPD wählen, die soziale Frage gegen die ökologische ausspielen zu können. Wir glauben nicht, wenn wir CDU oder FDP wählen, daß wir von den Menschen verlangen können, ihr Leben zu ändern.  Wenn schon die, die das alles wissen, mit dem Flugzeug aus reiner Schaulust um die Welt jetten und einen kontinentgroßen Fußabdruck hinterlassen, nichts an ihrem Leben ändern, wie erst die, die nie etwas wissen, weil sie sich für nichts interessieren, das über Autos, Fußball und Ficken hinausgeht?

Die Demokratie, eine der größten Errungenschaften der Spezies, ermöglicht die verheerenden Wahlerfolge der Trumps und Bolsonaros. Auch so ein grandioses Paradox, wonach das Gute gewollt, das Böse aber produziert wird. Keiner will eine Öko-Diktatur, aber sie wäre der Preis, den wir zahlen müßten, wollten wir nicht nur Brasiliens Tropenwald retten, sondern schlicht überleben. Der Preis – aber keine Garantie. Dieses berechtigte Bedenken gegen jede Art von Diktatur zähmt auch die Grünen. Als sie Teilhaber der Macht waren, paktierten sie mit einem Auto-Kanzler, der zwar seiner Partei ideologisch entlaufen war, aber sie weiter in den neokapitalistischen Zukunftstraum führte. Seine Fußabdrücke werden noch jene Nachkommen bewundern, die es noch einige Zeit in privilegierten Landstrichen geben wird, wenn es die Pazifik-Atolle, die Korallenriffe und die Gletscher schon nicht mehr geben wird, von Eisbären ganz zu schweigen. Jene Generationen werden sich so lange wie möglich arrangieren mit der verarmten, ausgelaugten Erde. Bis es ihnen selbst, im globalisierten Sahel, an den Kragen geht.

Jetzt schon fantasieren sie über Raumflüge zu anderen Welten. Noch nicht einmal jenes simple physikalische Wissen fehlt ihnen, das ihnen  den Unsinn solcher Träume erklärte. Und sollte es jene Welten geben, müßten die Bewohner derselben für ihre Unerreichbarkeit dankbar sein. Sonst ginge es ihnen wie den „Wilden“ Amerikas.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen