Rassismus und Irrsinn

Sowohl der Verlautbarungen der Politiker (außerhalb der AfD) wie Berichte und Analysen der Medien nach dem Massaker von Hanau offenbaren nicht nur eine verzweifelte Hilflosigkeit, sondern den ebenso verzweifelten Versuch, den Mastermind hinter all dem rechts-rassistischen Wahnsinn dingfest zu machen. Und zwar dort, wo er uns täglich ganz real entgegentritt: In der AfD. Deren Gift habe der Massenmörder Tobias Rathjen getrunken. Ohne sie gebe es den „Rassismus“ nicht, von dem Rathjen getrieben worden sei.

Die AfD setzt sich zur Wehr und spricht von der Tat eines isolierten Wahnsinnigen. Wer das Manifest, das Rathjen hinterließ, kennt, weiß, daß ausnahmsweise die AfD recht hat. Rathjens Weltbild ist das eines hochgradig narzisstischen Paranoikers, eines Kranken, der sich von einem mysteriösen „Geheimdienst“ verfolgt sieht, welcher sich in sein Gehirn „eingeklinkt“ hat und ihn wie tausende andere „fernsteuert“. Ausführlich beschreibt er die Science-Fiction-Filme, die solche Techniken und Mächte zum Thema haben.

Die „rassistischen“ Elemente sind vor allem Vernichtungsphantasien. Fremde Völker bedrohten als Kriminelle sein Land, „aus dem das Beste und Schönste entsteht und herauswächst, was diese Welt zu bieten hat“. Dann zählt er die Völker auf, die, weil das eigene Volk bedrohend, „vernichtet“ werden müßen: alles zwischen Marokko und den Philippinen. Mit dem Begriff „Rasse“ geht Rathjen wie Generationen vor ihm und heutige linke Islamfreunde freizügig um.

Auseinandersetzen mit Rathjens Gebräu aus Wahn und persönlichem Leid (Kränkung etwa durch ihn ablehnende Frauen) sollten sich Psychoanalytiker. So zu tun, als hätten wir es hier mit dem innersten Herd des sich ausbreitenden Rechtsextremismus mitsamt Rassismus zu tun, mit einer politischen Idee, dem Nazismus bzw. dem Völkischen der AfD und der Identitären irgendwie vergleichbar, verkennt und verharmlost deren Wirkkraft im Sine einer immer erfolgreicher werdenden politischen Bewegung in sträflicher Weise. So gibt man der wahren gefährlichen Rechten Argumente, sie würden von der Mainstream-Politik verteufelt und mit irrationalen Motiven verfolgt. Die Neue Rechte besteht nicht aus verfolgungswahnsinnigen Irren, wie Tobias Rathjen einer ist. Viel gefährlicher sind die Akademiker, die „klugen Köpfe“ und scharfzüngigen Redner in ihren Reihen. Ihr Anti-Islamismus etwa steht auf gut abgesichertem Boden.

Daß auch das Wahnhafte des Rassismus die Massen ergreifen kann, beweist die deutsche Geschichte  vor 1945, die „Vogelschiß“-Episode. Daß aber die Massen im Zweifel auch heute ergriffen werden können, ist das eigentliche Problem. Im Osten des wiedervereinigten Deutschlands, in Höckes Reich, wird sichtbar, wie Wut und Angst, wenn sie sich mischen, aus dem Demos, dem Wahlvolk, den nach einem Messias Rufenden machen: Befreie uns von dem Fremden! Wenn Medien und Politik aber den nach Befreiung Rufenden zu vermitteln suchen, der Täter von Hanau und die AfD seien aus demselben Ei gekrochen, durchschauen sie dies leicht als ein Manöver von „Lügenpresse“ und „Altparteien“. Daß der Massenmörder keiner von ihnen ist, davon sind sie überzeugt. Daß man die AfD mit verantwortlich macht für die Morde, das erregt ihre Empörung – nicht ohne Grund.

Die den Holocaust Inszenierenden haben damals alles getan, ihn vor dem „Volk“, selbst vor den „normalen“ Antisemiten, geheimzuhalten. Auch in Hanau wurde die Grenze überschritten, die von eingefleischten AfD-Anhängern respektiert wird. Sie zu beschuldigen, sie würden mit Massenmördern in einem Boot sitzen, wird ihre Wut und Distanz zum „demokratischen Rest“ der Nation nur vergrößern. Die tiefen Quellen und Gründe des Rassismus, wie sie auch in den USA, in Großbritannien und anderswo wirksam sind, scheinen allgemein menschliche zu sein, Ängste, Phobien erzeugend auch bei Menschen, die sich vom Blutbad in Hanau entrüstet abwenden. Auf sie, auch als AfD-Anhänger, wäre einzugehen.

 

 

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