Panik oder Hoffnung?

Als Greta Thunberg der Welt nahelegte, in Panik zu geraten, war im Hintergrund dieses Appells paradoxerweise die Hoffnung zu ahnen, daß nur eine ihren Untergang  vor Augen sehende Menschheit in der Lage sei, das brennende Haus rechtzeitig zu verlassen, wenn schon nicht zu löschen. Die ruhig in ihren Betten Bleibenden würden verbrennen. Und wenn gar niemand das Inferno ernst nehmen wolle, alle die Schreie der schon Brennenden für Hysterie hielten, weil es für dem Untergang bisher kein Paradigma gab, sei eben das Schicksal der Spezies wie das der Koalas besiegelt.

Gretas Panik-Formel hat, ohne daß sie wahrscheinlich davon weiß, prominente und sehr seriöse Vorbilder. Vom Dichter Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) ist der Satz überliefert „Nur Verzweiflung kann uns retten“, und Martin Heidegger, dessen Philosophie von einer radikalen Gottlosigkeit geprägt ist, sagte in einem berühmten SPIEGEL-Interview: „Nur ein Gott kann uns retten“, was nichts anderes bedeutet als: Wir sind nicht zu retten. Das war 1966. Es tobte der Kalte Krieg und über der Welt hing wie heute die Bombe, aktuell verschärft durch das „Klima“.

Das Erdzeitalter, in dem das geschieht, nennt man inzwischen das Anthropozän. Der Mensch prägt darin die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse des Planeten, für den es keine Migrations-Alternative gibt. Er vernichtet durch sein Handeln die Tierwelten und, selbst ein Tier, am Ende durch Vernichtung der Lebens-Ressourcen seine eigenen Lebensgrundlagen. Und er weiß, daß es so ist. Dabei gerät er wie der Raucher, der um den drohenden Krebs weiß, in das Dilemma, das die Psychologie die „kognitive Dissonanz“ nennt. Wir können unsere Einsichten nicht in Handeln umsetzen, selbst wenn es ums Überleben geht. So wie jeder von uns sich seinen Tod nicht vorstellen kann und von einer quasi Unsterblichkeit ausgeht.

Die prominenteste Form dieses Widerspruchs ist der religiöse Glaube. Als christlicher etwa verspricht er nach dem irdischen Jammertal das Paradies jenen, die glauben. Zentrale Figur ist der „Retter“ oder „Heiland“ oder „Messias“, also einer, der durch seine Tat das Paradox, das Dilemma aufhebt. Wer an ihn glaubt, fühlt sich nicht dem Prinzip Verzweiflung, sondern dem „Prinzip Hoffnung“ verpflichtet. Dies ist der Titel des Hauptwerks des Marxisten Ernst Bloch, der seine messianische Hoffnung nicht auf Jesus Christus projizierte, sondern auf den Kommunismus, der Bloch zufolge sehr viel mit den Grundgedanken des Nazareners zu tun hat: Nächstenliebe, Solidarität, Gerechtigkeit. Aber wie seit den ersten Staatschristen im römischen Reich die Prinzipien des Stifters verraten und in ihr Gegenteil (die welterobernde Kirche) verkehrt wurden, so trieben es die realexistierenden Kommunisten der Sowjetunion und ihrer Vasallen mit den Einsichten ihres Ersatzgottes Karl Marx, indem sie die Kirche des „Dialektischen Materialismus“ (DIAMAT) mit dem Dogma der Unfehlbarkeit gründeten.

Geblieben ist vom „Prinzip Hoffnung“ des Ernst Bloch der Optimismus des Donald Trump, wie er ihn in Davos kürzlich formulierte: „Dies ist eine Zeit des Optimismus. Gemeinsam werden wir unsere Nationen stärken, unsere Länder sicherer, unsere Kultur reicher, unsere Menschen freier und die Welt schöner als je zuvor machen.“

Wir werden es erleben.

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