Das toxische Ypsilon

Für die AfD ist das männliche Geschlecht im Zeitalter von Gender-Mainstreaming das verfolgte und diskriminierte. Die katholische Kirche ihrerseits wehrt sich seit ihrer Entstehung ganz im Geiste der heutigen „Alternativen“ gegen Verführung zur Sünde durch das Weib und begreift das fehlende Y-Chromosom des weiblichen Geschlechts als den Faktor, der die Priester-Weihe von Frauen schlechthin verunmöglicht. Das fehlende Chromosom ist das Kennzeichen der Erbsünde, es verunreinigt das Weib, was sich in der Monatsblutung regemäßig offenbart.

Und jetzt kommt ein bekannter Kriminologe um die Ecke und behauptet: „Die Dominanz der Männer gefährdet das Überleben der Menschheit“. Der Mann heißt Christian Pfeiffer, war Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachen, dort auch Justizminister und wurde bekannt durch seinen Streit mit den Katholiken, die 2013 die Zusammenarbeit mit ihm an einer Studie über den Mißbrauch in der katholischen Kirche aufkündigten.

Pfeiffer hat jetzt ein Buch mit dem Titel „Gegen die Gewalt“ veröffentlicht. Gemeint ist die dem Ypsilon geschuldete männliche Gewalt, und zwar weit über das unmittelbar Physische etwa der Vergewaltigung, über individuellen Mord und Totschlag hinaus. Überall gehe zwar, so Pfeiffers Analyse, das Töten zurück, aber am wenigsten bei den Morden an Frauen. Unterdessen sei die Gewalt zunehmend politisch geworden und habe sich in Männern wie Trump und Bolsonaro inkarniert, verfleischlicht. „Typen wie Trump und Bolsonaro,“ schreibt Pfeiffer in FAZ.net, „sind eine Gefahr für die Menschheit geworden. Wenn solche Typen, die die Klimakrise für eine Erfindung der Wissenschaft halten, in die Überzahl kommen, dann Gnade uns Gott. Wir erleben in der Politik den Dominanz-Typus par excellence. Bei Vergewaltigungen geht es um den Dominanzanspruch der Männer, die glauben, Frauen hätten ihnen zur Verfügung zu stehen. Darüber hinaus geht es um die Dominanz der Männer, die glauben, alles, selbst die Natur müsse sich ihnen unterordnen.“

Genau diese Männer sind es, denen das Mädchen Greta ihr „How dare you!“ entgegenschreit. Deren Dominanz ist – so Pfeiffer – „die Hauptquelle all der Probleme, die uns Angst machen: Überbevölkerung, Terrorismus, Umweltverschmutzung, Klimakatastrophe. Es ist zu gefährlich geworden, den Männern das Heft in der Hand zu lassen, weil sie zu viel Schaden anrichten. Wer produziert denn Kriege? Machokulturen wie Taliban und IS. Die haben uns früher nur genervt, jetzt sind sie lebensgefährlich.“

„Jetzt?“ Sie waren es immer, muß man Pfeiffer entgegenhalten. Seit der Mensch eine Geschichte hat, war der männliche Krieg der Naturzustand, in dem er lebte. Das Patriarchat kann auf Jahrtausende zurückblicken, und es ist stolz auf seine Kulturleistungen, die, so die tradierte Meinung, vor allem dem Krieg entsprangen. Am Eingang der europäischen Literatur stehen die Gemetzel, die die „Ilias“ als Heldentaten feiert. Und von Anfang an dominierten und versklavten die Männer ihre eigenen Frauen wie die der Feinde. Die Schande des Christentums besteht auch darin, daß es diesen grausamen Gewohnheiten sich anschloß und vergaß, was sein Stifter an Neuem in die Welt gebracht hatte. Nicht zuletzt Freundschaft und Liebe zu den Frauen: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Joh. 8,7). Sie waren nicht ohne Sünde, in keiner Weise, aber die Steine warfen sie unbeeindruckt weiter auf die, die sie als Sünderinnen identifiziert hatten. Und sie schichteten die Scheiterhaufen. So hatte sich der Rabbi das nicht vorgestellt.

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