Die Rechte rechter Männer

Ein Sumpf, auch der rechte, speist sich aus Quellen, im Fall der neuen Nazis aus vielfältigen. Nachdem die noch junge europaskeptische AfD von ihrem rechten Flügel gekapert worden und der brave Professor Lucke über Bord gegangen war, öffnete der Spruch „Wir schaffen das“  2015 nicht nur alle Grenzen im Südosten der Republik, sondern auch den Blick auf eine strahlende Zukunft der noch immer wie wilder Most gärenden Partei – ein Bild, das der Vorsitzende Gauland gern benutzt, wenn es darum geht, Vorwürfe hinsichtlich gewisser Tabubrüche abzuwehren. Man schöpft nicht nur ohne Bedenken aus dem „völkischen“ Wortschatz, inszeniert einen Kult glorioser deutscher Vergangenheit, auch wenn diese von der Altparteien-Mehrheit eher schamvoll bedauert wird (wenigstens nach außen) und fordert eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ (Höcke). Die europa- und fremdenfeindliche Quelle, aus der Rechte überall, selbst in England, mit Berufung auf die „Völker“ schöpfen, gibt vor, nur die nationale Identität ganz im Sinne Trumps nach vorn zu stellen. Dann wäre am Ende die 180-Grad-Wende geglückt und das Jahr 1914 in all seiner Glorie in Europa wieder  auferstanden. Der deutsche Mann, unterdessen zum „Weichei“ denaturiert, könnte wieder seine kantige soldatische Gestalt annehmen und die deutsche Grenze wehrhaft schützen wie einst zwischen der Sahara, dem Nordkap, dem Atlantik und dem Kaukasus.

Leider hat sich seit 1945 erst langsam, dann immer schneller und bedrohlicher, aus dem dekadenten Frankreich (Simone de Beauvoir) kommend, ein Virus ausgebreitet, der während der „Tausend Jahre“ ausgerottet schien: das Emanzipationsvirus. Heute heißt das „Gender Mainstreaming“. Der ohnehin schon gedemütigte Mann verlor nun Stück für Stück seine Würde als das eigentliche Ebenbild Gottes. Nur die katholische Kirche (und der Islam) vermochte es bis heute, diese spezifische Gottähnlichkeit für das männliche Geschlecht zu bewahren. Überall sonst trat Feminismus als Ersatzreligion gegen die natürliche und gottgewollte Ordnung der Geschlechter an. Kirche und Tradition kämpften tapfer bis heute für das Recht der Männer als natürliche Herren der Geschichte, und die AfD – und dies ist die nächste Quelle ihres Sumpfes – will ihnen dabei helfen. Auch die jungen Frauen bei den Jungen Alternativen. Eine bekennt stellvertretend für die Mehrheit: „Ich bin keine Feministin, weil die Gleichberechtigung der Frau abgeschlossen ist.“

Gibt es eine Erklärung für diese Realitäts- und Geschichtsvergessenheit? Auch hier mag der Blick auf den katholischen Klerikalismus helfen. Wenn man „Gott“ und „Natur“ gleichsetzt, beide stellvertretend für das Unwandelbare, dann hilft keine Theorie, die ausgeht vom „Alles fließt“ , von evolutionären Prozessen, von stetigem Wandel. Wer glaubt, auf Wissenschaft und Geschichte verzichten zu können, weil alles schon mal für alle Zeiten aufgeschrieben wurde, der kann kein ernstzunehmender Diskursteilnehmer sein. Nur sind die AfD-Stichwortgeber wie Marc Jongen oder Michael Klonovsky keine Idioten oder Zeugen Jehovas. Sie glauben wie Donald Trump an die Macht von Lüge und Täuschung angesichts eines dem digitalen Massenwahn der sog. „sozialen Medien“ heillos verfallenen Wahlvolkes. Sie verachten ihre Wähler wie damals schon ihr Idol Adolf Hitler, dessen Abschnitt über Propaganda in „Mein Kampf“ als genial bewertet werden muß. Von Adolf Hitler (=“18″) lernen, heißt: die AfD verstehen.

Diese ist also, bei Lichte besehen, die Partei des reaktionärsten Patriarchats (PRP). Sie ist als implizit faschistoid strukturell sowohl dem Katholizismus wie dem politischen Islam verwandt, und wie bei Verwandten häufig zu beobachten, fallen  die Abgrenzungsversuche zuweilen heftig, wenn nicht gewalttätig aus. Man macht sich gegenseitig den Anspruch auf Herrschaft über eine als knetbar verstandene Volksmasse streitig. In allen drei Gruppierungen würden sich, kämen sie an die Macht, totalitäre Herrschaftsformen durchsetzen. Wäre dies die Übergangszeit bis zum Klimakollaps?

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