Apokalyptische Rede

„Woher soll das Gefühl von Aufbruch kommen, wenn der Eindruck der Katastrophe nicht da ist?“ fragt Luisa Neubauer, die Klimaaktivistin, in der ZEIT und fährt ganz im Geist von Greta Thunberg fort: „Notwendig ist, daß die Leute panisch werden – aber in einer konstruktiven Art. Daß sie die Ärmel hochkrempeln.“ Die Stärke der Fridays-for-Future-Bewegung, deren deutsche Repräsentantin Neubauer ist, besteht darin, daß die Protestierenden nicht glauben, sondern wissen – sofern Wissenschaft vermittelt, was wir wissen können und was nicht. Antonio Guterres, der UNO-Generalsekretär, konnte lt. FAZ gerade vor der Eröffnung des New Yorker Gipfels die neueste Expertise zur Kenntnis nehmen. Der zufolge ist die angemahnte Wende in Sachen Emissionen nicht ansatzweise in  Sicht  – nicht 2030 geschweige denn im kommenden Jahr. Fazit der Forscher: Bleibt es  bei rein nationalen Klimaschutzplänen ohne völkerrechtlich bindende Kraft, dürfte die globale Durchschnittstemperatur im Jahr 2100 Stand jetzt 2,9 bis 3,4 Grad höher liegen als vor der Industrialisierung. Aber wer lebt denn da noch von den heutigen Entscheidungsträgern? Kinder und Enkel, ja. Aber die sollen sehen, mag in Hinterköpfen gedacht werden, daß sie einen anderen Planeten finden.

Wer an die Stelle wissenschaftlicher Abgesichertheit (die Unsicherheit bezieht sich nur auf Daten und den Zeitpunkt des endgültigen Kippens des Klimas) groteske Verschwörungstheorien setzt wie die AfD (jüngst Alice Weidel in der WELT), verläßt den rationalen Diskurs der aufgeklärten Moderne und darf sich nicht beklagen, wenn man jegliches Diskutieren mit ihm für sinnlos erklärt. Dies aber wird weitere Erfolge der alternativen Verschwörungstheoretiker nicht verhindern.

Das Paradox unserer Zeit besteht darin, wie die jüngsten GroKo-Beschlüsse zur Klimakrise nahelegen, daß die verantwortlichen Politiker durchaus das Wissen der Wissenschaft teilen, aber in frappierender Hilflosigkeit so handeln, als könne nur ein Wunder bzw. der liebe Gott uns retten. Die Reaktionen aus der Wissenschaft auf das „Klima-Paket“ machen deutlich, daß die Pläne etwa zur CO2-Bepreisung nicht die geringste Lenkungswirkung haben werden. Das weiß die Groko auch – und trotzdem lähmt sie die Angst vor dem Zorn des Wählers, den sie offenbar schon in Gelbwesten gewandet und von der AfD umsponnen vor sich sieht. Diese Angst vor dem „Volk“ ist der „schlechte Ratgeber“, von dem immer wieder die Rede ist, nicht die Angst vor der Unbewohnbarkeit der Erde. Gelernt haben die Menschen zwischen Japan und Europa im letzten Jahrhundert nur durch Katastrophen, die Atombombe eingeschlossen. Dumm nur, daß die finale Katastrophe, vor der die Klimawissenschaft warnt, wenn sie eingetreten ist, keinen Lernprozeß mehr generieren wird.  Für den kümmerlichen verbliebenen Rest der Homo-Spezies wird es wie vor hunderttausend Jahren während der Eiszeit nur noch ums reine Überleben –  diesmal in Pol-nahen Gegenden – gehen.

Nichts erscheint also angemessener als Gretas und Luisas apokalyptischer Sprachgebrauch: Geratet in Panik!    

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Eine Antwort zu Apokalyptische Rede

  1. Greta die Große schreibt:

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