„Greta ist das Böse“

Vor einem Jahr stellte Greta zum ersten Mal ihr Pappschild auf. Während sie 12 Monate später auf New York  zusegelt, sammeln einige in Trump-Country das Holz für den Scheiterhaufen. „Greta=Evil“ twitterte Patrick Moore, der Vorsitzende der „CO2 Coalition“, eine den Klimawandel leugnende Organisation. Ihre Hintermänner seien, schrieb Moore im SCIENTIFIC AMERICAN, „mit Hitler vergleichbar“.  Steve Milloy, einst mit Umweltfragen in Trumps Team beauftragt, meinte: „Sie ist ignorant, manisch und wird gnadenlos von erwachsenen Klima-Bettnässern ausgebeutet, die von Putin finanziert werden“. BREITBART wünscht ihr einen Walangriff und – immerhin! – die Rettung durch einen Öltanker. Viel fehlt nicht mehr, und der schon häufig gezogene Vergleich mit Jeanne d’Arc ist perfekt, sowohl auf der Seite der Heiligenverehrer wie derer, die den Prozeß mit dem Scheiterhaufen in ihrem gottgefälligen Sinne beendeten.

Natürlich ist es nicht Greta als Person, das „zopfgesichtige Mondgesicht-Mädchen“, wie der brandenburgische AfD-Kandidat Kaubitz sie zu verspotten versuchte, die die Inquisitoren auf den Plan ruft, sondern der diese verstörende Erfolg der „Fridays for Future“-Bewegung. Aber wer glaubt, dieser Bewegung gehörten die Sympathien der Mehrheit, könnte sich getäuscht haben. Nicht nur die AfD hat Greta als Feindbild im Visier (Gauland: „Wir hatten schon mal einen Kinderkreuzug“). In den  sozialen Medien läßt sich auch ein Gegentrend beobachten, der sich zusammenfassen ließe mit einem Post auf der digitalen FAZ-Kommentarseite: „Die Irrationalität gewisser Oberschichten ist für einen rational denkenden Menschen kaum auszuhalten.“ Dieser seine Rationalität leidenschaftlich bekennende User bezog sich auf Statistiken, die die jungen Freitags-Demonstranten vor allem in der gebildeten Mittelschicht, in den Gymnasien ausmachte. Die hätten, so der User, ein Luxusproblem und koppelten sich von der rauen Wirklichkeit arbeitender Menschen ab. Mit ähnlichen Argumenten wehrte sich lange die Arbeiterpartei SPD seit den Kanzlertagen Helmut Schmidts, sich ernsthaft mit dem Umweltproblem zu beschäftigen. Auch deshalb wuchsen damals die Grünen wie Tumore im Fleisch der alten Tante Sozialdemokratie.

Wenn selbsternannte Rationalisten systematisch und notorisch nicht wahrnehmen wollen, was ihnen die Wissenschaft täglich unter die Nase reibt, dann ist die psychologische Analyse gefragt. Schon Kant wußte, daß es unter formal durchaus intelligenten Menschen ausgesprochene Dummköpfe gibt, wenn es um die persönliche bzw. gesellschaftliche Umwelt geht. Dieses Sich-dumm-Machen etwa unter Berufung auf eine höhere Intelligenz kann religiöse Ursachen haben (Nur Gott kann eine Klimawandel herbeiführen) oder – und das ist wohl überwiegend der Fall – A n g s t. Sie wehrt etwas Unerträgliches ab nach dem Morgenstern’schen Palmström-Prinzip, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Dann ist es im Zweifel die gesamte wissenschaftliche Community, die die „Klimarettung als Ersatzreligion“ (Gauland) vor sich herträgt. Und jene, die „Wir sind das Volk“ schreien, haben die Angst eben dieses Volkes vor Veränderungen tiefgreifender Art auf ihrer Seite. Dafür müssen die Migranten wie die Klimahysteriker verschwinden, ja im Wahlkampf lassen sich die einen durch die anderen ersetzen, wie man gerade in Sachsen und Brandenburg beobachtet. Reaktionäre wie Gauland und Konsorten wollen ja, daß alles wieder so wird wie es nie war. Und damals gab es keinen Klimawandel, nur ab und zu heiße Sommer und Überflutungen. Damit können wir leben. Das Mantra heißt dann: Klimawandel hat es immer gegeben. Was aber den gegenwärtigen von dem, den es immer gab, unterscheidet, davon wollen wir lieber nichts wissen. Es könnte uns sprachlos machen und die Angst unerträglich.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s