Jeremia, Greta und die blaue Murmel

Weh, genommen und erobert / ist der Ruhm der ganzen Erde / Weh, Babel ist zu einem Bild des Entsetzens geworden / Das Meer überflutet Babel / Vom Schwall seiner Wogen wird es bedeckt / Seine Städte werden zur Wüste / Ein Land der Dürre und der Steppe / wo niemand wohnt und wo kein Mensch mehr hindurchzieht (Jeremia 51, 41-43)  

Die Grüne Katrin Göring-Eckardt nannte Greta Thunberg kürzlich eine Prophetin. Das war bewundernd gemeint. Für ihre Gegner und Hasser ist die Schülerin auch eine Prophetin, aber eine „Prophetin der Apokalypse“ oder ein „Guru des Niedergangs“. Das ist abwertend gemeint. Von der „Apokalypse“ reden nur, würden Christian Lindner und seine heimlichen Gesinnungsgenossen in der AfD  und woanders sagen, pseudoreligiöse Spinner, die mit der Wissenschaft der Experten fremdeln.

Gretas kurze aber wirkungsvolle Reden („Ich will, das ihr in Panik geratet!“) erinnern weniger an den Propheten Amos, wie Göring-Eckardt meint, sondern an Jeremia, der den Untergang vorhersagt und beklagt. Wenn wir Babel mit der globalisierten Menschheit auf ihrem einsamen Planeten gleichsetzen, wird der Vergleich plausibel: die wunderbare blaue Kugel, die uns jüngst anläßlich der Erinnerung an die Mondlandung wieder in ikonischen Bildern vor Augen geführt wurde, als Ort, „wo keine Mensch mehr hindurchzieht“. Noch sind es einzelne Landschaften und Orte, die von Menschen verlassen werden, weil sie dort klimabedingt nicht mehr leben können. Bald werden es ganz Afrika und andere Länder des globalen Südens sein, wo Menschen und auch Tiere nicht mehr wohnen können, etwa weil sie keinen bearbeitbaren Boden, kein Wasser mehr haben oder im Meer ertrinken.

Kürzlich wehrte sich Greta in der Französischen Nationalversammlung gegen die Anfeindungen von demokratisch gewählten Volksvertretern: „Müssen wir Kinder uns verhöhnen und lächerlich machen lassen von gewählten Volksvertretern? Wir sind die Kinder, aber vielleicht seid ihr nicht reif genug, um der Realität ins Auge zu sehen.“  Was sie hier als „Unreife“ vorführt, mag man auch auf die berühmte Schwarmintelligenz beziehen, die Herrschaft von meist politischen Menschenballungen (Republikaner etc.), die mit den Regeln der Demokratie als Rüstung, dem Mehrheitsprinzip, alles tun, um ihre eigenen Existenzbedingungen zu zerstören. Sie wählen die Trumps, die Bolsonaros, die Johnsons, und niemand kann ihnen vorwerfen, ihre Entscheidungen verletzten die Regeln, die sich eine aufgeklärte Menschheit nach langen Kämpfen. Kriegen und Revolutionen selbst gegeben hat. Alternativlos, wie es scheint.

Die Demokratie, verstanden als Herrschaft des Volkes, der Mehrheit, ist die heilige Kuh, die wohl geschlachtet werden müßte, um die Verbote durchzusetzen, die allein den Planeten retten könnten. Es geht um Verbote und viel Geld, d.h. Einbuße an Lebensqualität, um nur das Minimalziel physische Existenzbewahrung zu erreichen. Es geht um den schlimmen Begriff „Öko-Diktatur“. Die will auch Greta nicht, aber es wird keinen anderen Weg geben, wenn denn einer übrig bleiben soll. Solange Trump und Konsorten die Chance haben, gewählt zu werden und infolgedessen etwa der Regenwald verschwindet und klimaschützende Vereinbarungen geradezu zynisch mißachtet werden, muß das systematisch verblödete Volk, der Demos in seinen rasenden SUVs, wie ein Kind behandelt und ihm die Verantwortungsreife abgesprochen werden.

Wir sind, anders als die Putins und Orbans sich das vorstellen, quasi zwangsweise in ein postdemokratisches Zeitalter eingetreten und wissen es noch nicht. Einige mögen es ahnen. Es geht nicht um „gelenkte“ oder „illiberale“ Demokratie zur Erhaltung der Macht herrschender Cliquen, sondern um eine Art Reifezeugnis, das von jedem zu erwerben wäre und das seinen Informationsgrad hinsichtlich der globalen Gefahren und Möglichkeiten beschreibt.  Es gibt unter den Anhängern Trumps wahlfähige Bürger, die die Erde trotz aller Bilder für eine Scheibe halten. Jene Bilder seien nämlich gefakt. Dabei ist die  Trump-Welt eine alle Bereiche durchdringende Lüge, „deep fake“, und ein Element dieser Lüge besteht darin, daß die Klimakrise von den Chinesen erfunden wurde und ergo nicht existiert. Wenn wir dieser Lügenwelt noch genügend Zeit lassen bis zum Zusammenbruch, werden wir allesamt mit ihr untergehen.

Es sieht so aus, als könnten wir uns die vertrauten demokratischen, diese zeitraubenden Spielregeln nicht mehr leisten oder müßten, wie die antike Römische Republik in schweren Krisenzeiten, so etwas wie einen zeitlich befristeten Diktator einsetzen. Über die damit verbundenen Gefahren muß nicht gestritten werden, aber man kann heute damit rechnen, daß das untergehende Raumschiff Erde, die blaue Murmel, wahrscheinlich anders nicht zu retten ist. Weil aber die Idee einer globalen Öko-Diktatur völlig unrealistisch erscheint, sollte man alle Hoffnung fahren lassen und zuvor in Panik geraten.

 

 

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Eine Antwort zu Jeremia, Greta und die blaue Murmel

  1. KennethFonee schreibt:

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