Lebenslügen mit Todesfolge

Greta kann nicht lügen. Sie hat einen Defekt. Er heißt „Asperger“. Der Rest der Menschheit bis auf wenige Ausnahmen (Jesus vielleicht, Franziskus von Assisi, nicht der Papst, etc.) kann nicht nur gut lügen, sondern braucht die tägliche Lüge fürs Überleben. Oder um US-Präsident zu werden und zu bleiben. Wir erlügen uns einen Gott, der uns alle retten wird, eine Ehe, die nur der Tod scheidet, eine Liebe, die ewig währt, eine Demokratie als die beste aller schlechten Gesellschaftsformen. Die Liste kann endlos fortgesetzt werden.

Bisher war das Lügen, wie gesagt, quasi überlebensnotwendig. Gretas Gesetz heißt aber: Wenn wir weiter lügen, sind wir verloren. Sie sagte das bei verschiedenen Veranstaltungen mit dem größtmöglichen Ernst – und immer mehr Menschen glauben ihr. Ausnahmen wie Christian Lindner und Paul Ziemiak mögen hier für das Phänomen der eisenharten Selbstbelügung im Dienste einer Partei stehen. Also um einer höheren Sache willen. Auch ihnen gilt unser Verständnis.

Lebenslügen sind eigentlich schützende Selbstbelügungen, die einem Individuum, einer Gruppe, einem Volk zugesprochen werden können.  Individuelle Selbstbelügungen finden sich häufig bei der Entscheidung für einen Partner. Kollektive Selbstbelügungen sind die, die einem starken Mann zutrauen, daß er als „Führer“ alle unsere Feinde besiegt oder daß die Welt nach dem Untergang des Sozialismus für alle Zeit ein friedlicher Ort sein wird, in dem etwa die Deutschen nur von Freunden umgeben sein werden. Ausnahmsweise war der real existierende Sozialismus ein System, dessen Profiteure ihre eigenen Lügen nicht mehr glaubten. Also kein System der naiven Selbstbelügung, sondern eins der zynischen Unterdrückung..

Nach dem Erfolg der Grünen bei der Europa-Wahl ging dem NRW-Ministerpräsidenten und auch anderen Politikern der geprügelten ehemaligen Volks-Parteien ein Licht auf: Wir müssen den Leuten sagen, daß auch wir gegen die Klimawandel sind. Wir waren nämlich der Meinung, das interessiere unsere potentiellen Wähler nicht. Der grüne Erfolg zwingt uns nun zu einer ökologischen Rhetorik, deren Blaupause die Grünen liefern und die uns vielleicht die Wähler, die uns über Jahrzehnte die Treue gehalten hatten, wieder zurückbringt. Das geht aber nur, wenn wir uns in einem Punkt von den Grünen unterscheiden. Wir müssen den Leuten sagen, daß Klimawandel möglich ist, ohne daß ihr irgendetwas in eurem Leben ändert oder ohne daß Dinge, die euch lieb und teuer sind ((Flugreisen, SUVs, Sprit, Steak) demnächst mehr kosten oder gar verboten werden. Wir haben dafür ein Zauberwort erfunden: „Innovation“. Wir müssen nur Techniken erfinden, die uns all die Einschränkungen und Verzichte aus der grünen Folterkammer ersparen.

Kürzlich war in einigen Zeitungen eine Karikatur zu bewundern, die die Klima-Politik der Groko so auf den Punkt brachte, daß einem das Lachen im Halse steckenblieb. Vor einer riesigen schwarzen Tafel mit komplizierten mathematischen Gleichungen stand AKK und erklärte einem deutschen Michel die Klimapolitik der Koalition, indem sie auf die Gleichungen wies und auf die vorletzte Stelle. Dort ist zu lesen: „Hier geschieht ein Wunder“. Das führt dann zur endgültigen Lösung: „Deutschland erreicht Pariser Klimaziele“. Dazu AKK in der Sprechblase: „Über DIESE Stelle machen wir uns in den Sommerferien Gedanken und präzisieren sie im September.“

Die Karikatur ist von abgründigem Realismus. Hier holt eine christliche Partei aus der Lügenkiste der Religionen ein Mittel, das „Wunder“, um ihrer Klientel die Hoffnung zu machen, von der Greta mit weit überzeugenderem Realismus sagt, daß wir sie fahren lassen sollten, wenn wir uns nicht JETZT zum einer grundlegenden Änderung unserer Lebensgewohnheiten entschließen. Wir wissen aber, daß gerade das nicht geschehen wird. Noch Radikaleres als Verzicht auf Billigflüge ist gefordert. Die Chinesen machen es gerade vor. In keinem Land macht der Umweltschutz so schnelle Fortschritte wie in China. China ist eine Diktatur, die jede von der Parteilinie abweichende Meinung unnachgiebig verfolgt. Debatten finden in der Öffentlichkeit nicht statt. Auf diese Weise erzielte eine ausgemachte Anti-Demokratie neben ökologischen auch enorme ökonomische Fortschritte, die sich in eine Art Griff nach der Weltmacht umzuwandeln scheinen, auf Kosten von Autonomie und Freiheit der Individuen.

Davor fürchten wir uns mit einigem Recht, aber nach der Greta-Logik befinden wir uns zwischen Szylla und Charybdis. Entweder errichten wir im Westen eine Öko-Diktatur mit Rest-Freiheiten, die die Chinesen nicht dulden würden, oder wir verglühen und ertrinken in einer um über 3 bis 4 Grad erhitzten Erde. Uns diese „Wahrheit“ vorzuenthalten, darin besteht die mörderische Lebenslüge der Politik, wobei vorauszusetzen ist, daß der Glaube an Wunder bei Politikern christlicher Couleur unterstellt werden darf. Sie wollen es selbst nicht glauben, was ihnen die Wissenschaft prognostiziert, und dem „Volk“ solche Apokalyptik zuzumuten, wäre politischer Selbstmord. Kann sein. Mit der davon profitierenden AfD aber, die von der „Klimalüge“ spricht und damit das Volk, das sie zu vertreten vorgibt, entlastet, ginge alles noch schneller.

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2 Antworten zu Lebenslügen mit Todesfolge

  1. Kassandra schreibt:

    Stimmt! Nur, was ist Wahrheit?
    Wer schafft es aus den Milliarden von Meinungen etwas „Wahres“ herauszufiltern? Ich merke immer mehr, dass das selbst sehr klugen Menschen schwer fällt (Impfungen sind ein Beispiel) für alles und jedes gibt es hunderte YouTube Blogs für ja-nein-egal. Jeder sucht sich das was passt, das was sich besser „anfühlt“! M.E. ist die Menschheit gefickt! Vielleicht machen es die Chinesen tatsächlich vor. Das wäre gut.

    https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/jun/24/deepfakes-facebook-silicon-valley-responsibility?CMP=Share_iOSApp_Other

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    • Anonymous schreibt:

      Natürlich ist die chinesische Antwort auf die Krise die denkbar schlechteste, die alle seit der Französischen Revolution erreichten Fortschritte dem schieren Überleben opfert. Es gab einmal einen Slogan von Radikal-Pazifisten: „Lieber Rot als Tot“. Lieber sich einem autoritären System unterwerfen als in einem möglichen Atomkrieg die Lebensgrundlagen selbst zerstören. Immerhin könnte eine weiterlebende Spezies die Demokratie wiederherstellen. Eine nicht mehr existierende nicht. Sind wir aber an solch einer Wende? Geht es wirklich um Sein oder Nichtsein? Wir wollen dies um keinen Preis wahrhaben, wehren uns mi Begriffen wie „Apokalyptik“ (also Mythos), aber die Wissenschaft, an die wir nach dem Untergang der Religionen doch so gern glauben, sagt: Ja. Wir können und werden die Lebensgrundlagen des Planeten zerstören. Und einen anderen gibt es nicht, nur in den Hirnen von Science-Fiction-Autoren. Es ist heute so wie bei den Zeitgenossen Hitlers, die „Mein Kampf“ nicht lesen wollten oder für Unfug hielten. So gehen große Teile der gerade jetzt real existierenden Menschen mit der Wissenschaft um, deren Expertisen sie als „Ersatzreligion“ diffamieren. Und wählen Trump, Bolsonaro und die AfD.

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