Das Klima, AKK und die Grenzen des Verstehens

Auf der Jahrestagung des Ifo-Instituts präsentierte AKK einen Vergleich, der klarmacht, daß sie nichts verstanden hat. Damit ist sie keineswegs allein unter ihren Kollegen. Im Gegenteil. AKK verglich nämlich die Debatte über die Klimaschutzpolitik mit der über die Zuwanderung. Beide Debatten hätten das Potential, die Gesellschaft zu spalten. So wie der Brexit die Briten gespalten hat und Trump die Amerikaner, könnte man die CDU-Chefin verstehen. Die Flüchtlingsströme im Gefolge von 2015 haben immerhin Europa gespalten bzw. fragmentiert, und vielleicht erholt es sich davon nicht. Schlimm genug. Aber das Leben würde weitergehen, auch hinter wieder hochgezogenen Grenzen.

Daß das Klimaproblem eine grundsätzlich andere, eine existentielle Dimension hat, wollen Union und SPD (von der AfD zu schweigen) nicht verstehen, auch wenn die wissenschaftlichen Expertisen auf dem Tisch liegen. Es geht im Ernstfall nicht um irgendwelche Verschiebungen mediterraner oder afrikanischer Bedingungen nach Mittel- und Nordeuropa, um den Untergang einiger Pazifik-Atolle, auch nicht um die Gefährdung tiefliegender Gegenden wie Holland und Bangladesch, sondern um eine Überhitzung der Erde insgesamt, die ihren Abstand zur Sonne sozusagen temperaturmäßig verringert und sich aus der einmaligen Komfortzone, die Leben und Evolution erst möglich machten, entfernt. Sie wird bei Drei-Grad-Erhitzung der Venus ähnlicher weil sonnennäher und damit unbewohnbar, wenn der menschliche Faktor nicht reduziert wird. Und zwar beträchtlich.

Es geht den Politikern von Trump bis Gauland und AKK wie den meisten Menschen, die zwar theoretisch wissen, daß sie sterblich sind, aber so leben, als gäbe es ihren jeweils eigenen Tod gar nicht. Die Verdrängung des Endes bzw. Todes hilft beim fröhlichen Weitermachen. Sie ist so alt wie die Menschheit und wird flankiert von der je nach Religion anders ausgestalteten Vorstellung von einem Jenseits. So hilft man sich beim Überstehen des Unangenehmen weil Unvermeidlichen. Der Klimawandel ist demnach eine vorübergehende Episode, danach geht es  irgendwie weiter, und das Gefährliche an ihm ist die „Panik“ (Originalton Greta) der Jugend und der daraus erwachsende Schaden für die Parteien bzw. das politische System, wie wir sie kennen. Dieser Schaden, so denken AKK und ihre Berufsgenossen, muß abgewendet werden, möglichst mit kräftiger Symbolpolitik, auch um die überhand nehmende Apokalyptik der Youtuber-Sprache zu entschärfen. So etwas wie das Rezo-Video darf nicht mehr passieren, egal ob seine Inhalte zutreffen oder nicht. Auch dazu hat AKK ja schon Ideen geäußert.

Der entscheidende Selbst-Betrug besteht bei den symbolischen Klimaschützern darin, daß sie glauben und glauben machen wollen, die erforderlichen Maßnahmen könnten ohne Kosten und Einschränkungen im täglichen Leben vorgenommen werden. Flugreisen, Individualverkehr, Fleischverzehr, Konsumverhalten insgesamt würden sich nicht ändern müssen, alles bliebe so zugänglich und billig bis bisher, die Zahl der SUVs könnte weiter wachsen wie die Zahl der jährlichen Urlaubsflüge. Wenn nämlich nicht, würde das noch verheerendere Auswirkungen auf die Parteien und das politische System haben. Dann würde der Souverän, das Volk, bocken wie das Kind, das im Supermarkt seinen Lutscher nicht bekommt. Der westliche Hedonismus, die große Errungenschaft des Zeitalters, darf nicht angetastet werden, lautet das Mantra der sich selbst erhaltenden Politik.

So denkt die politische Klasse, wenn sie an das „Volk“ denkt, von dem sie als vom Wahlvolk nun einmal in Demokratien abhängig ist. Sie kann sich auch nicht vorstellen, daß dieses „Volk“, der „große Lümmel“ (Heinrich Heine), irgendwann mündig wird und ohne Lutscher auskommt, auch wenn Greta und ihre Gefolgschaft schon demonstrieren, daß sich da etwas zu bewegen scheint in den jungen Köpfen. Kann man dem trauen? War die Europawahl  etwa mehr als eine Eintagsfliege, weil der vorige Sommer so heiß war und Rezo den jugendgemäßen Ton getroffen hatte? Schon immer sind die Demonstranten irgendwann einmal müde und vernünftig geworden. Wenn die nächsten Sommer wieder halbwegs normal sind, dann wird das alles vergessen sein und das fröhliche Fliegen um die Welt bleibt uns als Spaß erhalten. Man gönnt sich ja sonst wenig genug und steht auch mit einem SUV immer wieder wütend im pfingstlichen Stau.

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3 Antworten zu Das Klima, AKK und die Grenzen des Verstehens

  1. Kassandra schreibt:

    Na ja, das Problem liegt komplexer. Die Erde wird durch eine höhere Temperatur ein deutlich besseres Habitat, daher ist ein Anstieg gut, das Problem liegt in der Geschwindigkeit. Die Menschheit kann sich schlicht nicht so schnell darauf einstellen. Und bevor große Teile der russischen Tundra besiedelt werden können, gehen riesige besiedelte Flächen verloren.
    Was weiterhin vergessen wird: bevor uns der Klimawandel umbringt bekommt die Menschheit ein Problem damit: sauberes Wasser, sauere Böden, saubere Luft. Wenn wir kein Wasser zum trinken, keine Luft zum atmen u d keine Böden zu Ackerbau haben, verhungern wir. Das Meer ist schon eine Müllkippe mit Zeitbomben aus Atommüll und Gift, direkt vor vielen Küsten. Vom Plastik ganz zu schweigen. Die Menschen sind einfach zu dumm und werden es nicht schaffen! Nationalismus und Kleingeist sind wichtiger. MAGA z.B. Lässt uns lieber in den Untergang tanzen und uns eine tolle Zeit haben, es ist ein Kampf gegen Windmühlen

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    • neptun16 schreibt:

      Die Meinung, daß die Erde durch Erwärmung ein „besseres Habitat“ werde, ist wohl originell, aber zumindest unter Wissenschaftlern nicht mehrheitsfähig. Sie entspringt anscheinend dem Wunsch, den Winter der nördlichen Hemisphäre abzuschaffen und aus den ostfriesischen Inseln so was wie die Kanaren zu machen, wenn auch ohne Vulkanismus. Dann könnte man auch auf schädliche Urlaubsflüge verzichten. Alle äquatornahen und subtropischen Zonen müßten verlassen werden beim 3/4 Grad Ziel und die eh schon zahlenmäßig explodierende Menschheit müßte sich um die Pole drängen, ehe sie, was eher unwahrscheinlich ist, den Massen-Exodus ins All startet. Liebe Kassandra, erinnere dich bitte an den Ruf, den du als Trägerin dieses Namens zu verlieren hast. Gruß Neptun.

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