Kirchenstreik der Frauen – aber warum „Maria“?

Vielleicht haben die aufmüpfigen Katholikinnen aus Münster, die sich die Aktion „Maria 2.0“ ausgedacht haben, diesen „Streik“ von Greta und ihren Mitstreiter*innen abgekuckt. Jetzt wird er beendet. Es gab Zustimmung, Verständnis, aber auch Ablehnung bzw. verbohrtes Schweigen: Woelki aus Köln, der Ratzinger-Klon.

Die Waffe „Austritt“ wird von den Streikenden und ihren Sympathisanten abgelehnt. Man wolle die Kirche nicht den Männern überlassen, sagte etwa Doris Wagner im TV-Interview. Seltsames Argument. Die Männer und sie allein herrschen seit fast zwei Jahrtausenden von Frauen nie in Frage gestellt in der katholischen Kirche. Die Frauen putzen und schmücken und dienen. Letzteres vor allem. Wie sagte Maria zum Erzengel: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt“ (Luk. 1,38). So ist es geblieben. Die Männer werden geweiht und agieren als Stellvertreter Christi, also Gottes; die Frauen bleiben Mägde. Jedem Kenner des Neuen Testaments ist klar, daß Jesus das so nicht gewollt haben kann. Nur weil einer einen Penis und Hoden besitzt, kann ihn das nicht zur Stellvertreterschaft prädestinieren, auch wenn patriarchalische Gesellschaften den Mann per se für den „eigentlichen Menschen“ (christlich: Gottes Ebenbild, Genesis 2) halten. Wer die Penislosigkeit und die Regelblutung als Kriterium für die Unfähigkeit, das Wort Gottes verbindlich zu verkünden, im Hinterkopf hat, soll das laut sagen und mit roten schamgefärbten Ohren.

Daß der Kampf der Frauen wohl vergeblich bleiben wird, kann man aus dem Idol der Streikenden, ihrer Leitfigur „Maria“, schließen. Während Männer sich den Stuhl Petri und die Stellvertretung Christi anmaßen, während sie über weite Strecken der Geschichte ein furchteinflößendes auch todbringendes Regiment errichteten und es bis heute als absolutistische klerikale Hierarchie bewahren, sind es die Massen der Frauen, die das Alltagsleben der Kirche wesentlich bestimmen und erhalten. Sie identifizieren sich aber fatalerweise mit der „Magd“, der geschlechtslosen, asexuellen, kastrierten Konstruktion der Kirchen v ä t e r als mit einem Vorbild, das, nähmen sie es wörtlich, ihre Menschenrolle radikal auf Unmündigkeit und Gehorsam schrumpfen lassen würde. Das scheinen sie ansatzweise verstanden zu haben. Daher der feministisch angehauchte Protest.

Aber warum „Maria“? Warum nicht z.B. die angebliche „Sünderin“ Maria aus Magdala, die engste Vertraute ihres Rabbi, die ihn verstand, dessen Mutter ihn aber wie seine ganze Familie für verrückt hielt (Mark. 3,21). Maria aus Nazareth, Jesu Mutter, ist angeblich die erneuerte Eva, jene Eva der Genesis, die den Menschen den Tod brachte mit ihrer Apfel-Erbsünde.  Diese Eva, theologisch gesprochen die Mutter aller Menschen, wäre als ganze, als vollständige d.h. sexuelle Frau ein sinnfälligeres Idol für die Frau des 21. Jahrhunderts, überzeugender als das Ergebnis der männlichen Konstruktionsarbeit, das 431 in Ephesus, wo schon die heidnische jungfräuliche Artemis verehrt worden war, ihre Vollendung fand: als ewig jungfräuliche Gottesgebärerin.

Katholikinnen verehren und lieben die Jungfräuliche, weil in der ersten Reihe des Personals von den Aposteln bis zu den Päpsten und Bischöfen nur Männer in Sicht sind. Maria, wie sie vor 1600 Jahren ausgedacht wurde, gehört wenigstens nach ihrer Auffahrt zur himmlischen Mannschaft. Sie kann man zumal als Frau bitten, sich zu verwenden beim Vater oder beim Sohn, wenn es ums Sündenvergeben geht.  Sie ist als Mittlerin eine volksreligiöse Instanz, der ein Luther den Titel „Himmelkönigin“ mit guten Gründen nicht gönnen wollte. Sie steht aber auch für die Sexualmoral einer Kirche, die von der Angst vor weiblicher Sexualität beherrscht wird. Die sexuelle Frau befeuert vor allem die Angst der Kleriker vor dem eigenen Sexus, dem viele von ihnen dennoch immer wieder zum Schaden Unschuldiger unterliegen. Die jungfräuliche Maria und der Zölibat sind zwei Einfallstore für ein Lebensgefühl, das diese Angst immer wieder belebt. Reinheit und Keuschheit allein bewahren mich vor der Hölle. Das hat Folgen. In jedem Bericht über einen Mißbrauch, also meist eine Vergewaltigung, treten sie zutage.

 

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Eine Antwort zu Kirchenstreik der Frauen – aber warum „Maria“?

  1. Ewasack schreibt:

    Bravo! Ich hätte es nicht besser formulieren können!
    Danke

    Jedoch, es wird nichts nützen.

    Gefällt mir

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