Die Lügen des Teufels

Er ist es, der uns einflüstert, „die Kirche geradezu als etwas Mißratenes anzusehen“, nämlich anläßlich der Mißbräuche, die das heilige Gebäude ins Mark erschütterten. „Das sei ferne“, sagt Benedikt, der Papst außer Diensten. Es gebe nämlich einen Weg, auf dem die Kirche ihre Unschuld wiedererlangen könne. Und der führt zurück, heißt es implizit in einem Schreiben des Emeritus, das dieser mit Billigung seines Nachfolgers veröffentlichte. Wir müssen zurück in die Zeit vor dem „Zusammenbruch des moralischen Allgemeinzustands der Gesellschaft in den 60er Jahren“. Damals gefährdete nämlich nicht nur das Zweite Vatikanisch Konzil die Fundamente der Kirche, vor allem war es die Revolution der Achtundsechziger, die eine sexuelle Freiheit ohne Normen erkämpfen wollte und zu deren Physiognomie es „gehörte, daß nun auch Pädophilie als erlaubt und angemessen diagnostiziert wurde“. Damit einher ging, wie verursacht auch immer, „ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie, der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte“.

Welche plastisches Bild eines Virus, der, von Satan erfunden und von gottlosen Revoluzzern verbreitet, in den geschwächten Leib der Institution eindringen konnte, weil auch ihre moralische Lehrautorität, ihr Immunsystem, untergraben worden war. Damals schon hätten die Schwulen in der Kirche sich in Clubs zusammengerottet „und das Klima in den Seminaren deutlich verändert“ – ins sozusagen Blocksberghafte, könnte man ergänzen. Um die pädophilen oder schwulen Orgien ausleben zu können, mußten Türsteher Satans den lieben Gott aussperren, denn wir wissen ja, „daß die Abwesenheit Gottes in einer Gesellschaft zum Verlust des Maßes und der Menschlichkeit führt“. Da hilft heute nur, Gott, den Ausgesperrten, wieder rein zu lassen und mit seiner Hilfe die Sünde vielfältigster Unzucht damit auszutreiben.

Die ersten Kommentare zu diesem Trost und Hoffnung spendenden und die wahren Schuldigen deutlich benennenden Schreiben waren auch in durchaus kirchennahen intellektuellen Milieus beschämend negativ. So nennt die Journalistin Christiane Florin im DLF den Text „kleinlich, peinlich – und gefährlich“. Das Schreiben, heißt es mit triefender Ironie, sei „ein Klagelied für die wahren Opfer des Mißbrauchs: Joseph Ratzinger und die Heilige Katholische Kirche“. Kein Wort werde darüber verloren, „welche Wunden Kleriker geschlagen haben, was sie Kindern, Jugendlichen und Ordensfrauen angetan haben.“ Ja, kann man dazu nur sagen, ist darüber nicht hinreichend glaubensschädigend, voller kirchenfeindlicher Häme genug berichtet worden, ohne Rücksicht auf die Folgen für die Kirche und die treuen Gläubigen, die sich trotz allem nicht abbringen lassen vom Glauben?

Florin behauptet, mit dem Text Benedikts werde Kirchenpolitik gemacht. Er sei „ein Machtwort, vorgetragen im Ohnmachtsmodus, gut platziert in einem Deutungskampf, in dem die Opfer sexualisierter Gewalt nicht interessieren“. Ist aber nicht, muß im Ernst gefragt werden, das Überleben der Kirche zu unser aller Heil wichtiger? Man wird die „Opfer“, die ja auch in gewisser Weise Verführer waren, schon irgendwie entschädigen und zum Schweigen verpflichten, damit sie nicht noch weiteres Unheil anrichten. Franziskus scheint auf dem richtigen Weg. Er legt sich nicht auf irgendwelche „konkreten“ Maßnahmen (welche sollten es sein?) fest, sondern wird mit Gottes Hilfe und der graserzeugenden Zeit die Sache schon durchstehen. Benedikt, indem er die eigentlichen Schuldigen benennt, hat ihm einen großen Dienst erwiesen. So schreibt er voller Zuversicht: „Es gibt Sünden in der Kirche und Böses. Aber es gibt auch heute die heilige Kirche, die unzerstörbar ist.“

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Eine Antwort zu Die Lügen des Teufels

  1. Ratze Fatze Benedikt schreibt:

    Das ging ja schnell!
    Und implizit hat es vor den 60er natürlich 1.500 Jahre keinen Missbrauch gegeben. Klar!
    Ferner: das Böse kommt halt vom Menschen (Teufel) das Gute von Gott.
    So kann man sich alles schön reden.
    Ich empfehle die aktuelle „Die Zeit“ zu diesem Thema. Es geht in den überwiegend Fällen um handfeste Vergewaltigung. Lange vor den 68ern.
    Man kann nur vermuten, dass in autoritäreren Zeiten alles noch schlimmer zuging, weil niemand gewagt hat dieses Tabu zu denken.
    Jeder andere Verein wäre bei diesem Trackrecord schon längst geschlossen und die Verantwortlichen ständen vor Gericht oder wären in Haft.
    Diese heilige Kuh sollte bald geschlachtet werden. Sehr bald.

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