Wer hat Angst vor der Apokalypse?

Was wir nicht sehen können, können wir nicht sehen. Auch wenn es existiert. So einfach ist das. Was wir uns nicht vorstellen können, etwa die Unbewohnbarkeit der Erde (nach einem Atomkrieg oder als Ergebnis der Klimaerwärmung), können wir uns vielleicht phantasievoll ausmalen (im Kino oder in Büchern), aber wir können es einfach nicht glauben. Mitten im Leben hängen wir nämlich am Leben und verschwenden keine Zeit, an den Tod zu denken (wir sind ja nicht im Krieg!). Und letztlich gibt es einen, der uns „unendlich sanft in seinen Händen hält“, glaubt der Dichter Rilke. Um so etwas glauben zu können, haben wir die Religion, haben wir den lieben Gott. Keine schlechte Erfindung.

Wenn junge Menschen wie Greta Thunberg diesen Glauben verlieren, ist das schade. Dieser Verlust wird ihnen die Lebensfreude nehmen, vermuten die Gläubigen. Statt als apokalyptische Reiterin zu performen, sollte sie lieber auf einem Ponyhof die Tiere striegeln und ihre Mähnen kämmen. Andere Mädchen machen das und haben die Freude am Leben, die Greta nicht hat, weil sie sich einbildet, zu sehen, was man als Gesunder nicht sehen und sich auch nicht vorstellen kann und darf. Das Schicksal ihrer antiken Ahnfrau Kassandra sollte sie warnen.

Politiker wie Trump, Bolsonaro und Andreas Scheuer könnte Greta – vielleicht tut sie das auch – verschwörungstheoretisch für Agenten eines bösen Reiches halten, das daran arbeitet, die Menschheit auszulöschen, indem es den Planeten mit CO2 und Plastik versaut. So einfach darf sie sich das aber nicht machen. Die drei Genannten und alle ihre Gesinnungsgenossen gehören zu uns, sind unsere Brüder und Vettern (weniger Schwestern und Cousinen!), sie sind in der Regel demokratisch gewählt und üben ihre Macht legitimerweise aus. Andere wie der WELT-Chef und Epikureer Ulf  Porschardt raten uns, wie Porschardt jüngst in einer Talkshow als Sinnstiftung anbot, die Welt der schönen Dinge, also auch benzin- oder dieselgetriebene Autos, zu genießen, statt die wissenschaftlichen Erzählungen vom bösen SUV zu konsumieren, von denen einem nur blümerant wird. Autos mit herkömmlichem Antrieb haben nämlich im Gegensatz zu Elektroautos eine Seele, vielleicht – spinnt man Porschardts Faden weiter – auch Genitalien, sind gar selbst als solche zu gebrauchen (ganz gewiß Porschardts Porsche) und ergo kaum zu ersetzen. Gar nicht in Gretas Welt, die im besten Fall so sauber sein wird wie eine Intensivstation, wo für Seele, Liebe und Sex wenig Platz ist. Und Überleben als einzige Alternative kann doch nicht alles sein!

Das Dilemma sieht so aus: Entweder freuen wir uns des Lebens wie bisher und genießen die immer wärmeren Sommer sogar am Strand von Spitzbergen oder wir miesepetern uns vegan durch den trost- und autolosen Alltag, der nicht mehr von Mallorca oder Thailand unterbrochen wird, sondern von Ferien auf dem Bauernhof, wo es noch nicht einmal mehr Kühe gibt, die nämlich nur Sinn machen, wenn wir sie auch essen dürfen. Dafür gibt es Sauerampfersuppe und frisches Wasser garantiert nitratfrei aus dem Brunnen. Es schüttelt einen!

Gretas apokalyptische Visionen und die ihrer Mitstreiter sind das Gegenteil von dem, was sie behaupten zu sein: Sie sind einfach menschenfeindlich. Am sichersten entgehen wir ihnen, indem wir als Wähler dafür sorgen, daß bei uns CDU/CSU und AfD eine Koalition bilden und die Grünen zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen. Das wäre der demokratische Weg aus der Apokalypse heraus, wie ihn die USA und Brasilien vorangegangen sind. Die Gretas dieser Welt mögen weiter vor Parlamenten schwitzen und bibbern – wir übersehen und vergessen sie einfach. Dann werden sie irgendwann schon wieder zur Schule gehen und was Vernünftiges fürs Leben lernen.

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