Wie ein geprügelter Hund…

… saß Bischof Ackermann und mit ihm seine Kirche nach dem römischen Mißbrauchs-Spektakel in der Talkshow „Anne Will“ (24.2.) und wich den Steinen, die auf ihn geworfen wurden, eher hilflos mit dem Hinweis etwa auf Diskussionsverbote von Johannes-Paul II aus, die das Priesteramt von Frauen in der katholischen Kirche betrafen. Jener Papst habe nun ein für allemal nicht erlaubt, dieses Thema weiter zu diskutieren. Die Kirche, die keine nachvollziehbaren Argumente hat, ist einerseits froh, der Peinlichkeit dieses Problems mit Berufung auf den polnischen heiliggesprochenen Reaktionär zu entgehen, andererseits müßte sie, wäre sie aufrichtig, das klägliche Versagen anläßlich der Vatikan-Tagung genau darauf zurückführen, daß sie in der Geschlechterfrage und der Debatte über Sexualmoral jede Öffnung verweigert. Sie weiß, so sind ihre Verlautbarungen zu verstehen, anscheinend noch nicht einmal, warum das nötig wäre und will es auch nicht wissen.

Es gibt zur Verweigerung des Frauen-Priestertums kein logisches Argument, nur ein erstes, das historisch-dogmatisch und zugleich mißbrauchsbezogen verräterisch daherkommt (Es war immer so, daß ein Priester Hoden und einen Penis braucht!) und ein zweites: Frauen (die nur eine Vagina haben, die blutet) sind sowohl unrein wie Werkzeuge des Teufels, die als solche die durch Stimulation ihrer heilsnotwendigen Genitalien natürlicherweise verführbaren und ergo beklagenswerten Priester verdorben haben. Die Frau ist entsprechend das Feindbild, der Paria der patriarchalischen Hierarchie. Jungen, lebensunerfahrenen Männern, die nicht die Frauen und sich selbst nicht kennen und gleichwohl für den Priesterberuf entscheiden, wird zugemutet, daß sie die Tragweite solcher Entscheidung zur psychischen Selbstkastration einschätzen können. Die ungeheure Zahl der Mißbräuche zeigt, daß es zu vielen nicht gelingt. Die Zahl derer, denen es auch nicht gelingt, die aber den Schritt zum Verbrechen nicht tun, vielleicht weil ihnen Knabenhintern nicht zusagen, mag viel größer sein. Auch in ihrer Schuld steht die Kirche. Auch sie sind Verstümmelte wie die beschnittenen Mädchen Afrikas, Opfer, derer nicht gedacht wird. Die „heidnischen“ Kinderopfer, von denen Franziskus dunkel raunte, sind eben nicht nur „heidnisch“. Sie sind heute fast ein Alleinstellungsmarkmal der katholischen Kirche. Die Kirche opfert ihre Kinder, um sich selbst zu bewahren.

Eines der männlichen Opfer, Matthias Katsch von der Opfer-Vereinigung „Eckiger Tisch“, brachte am Ende der römischen Tagung seine Enttäuschung, seine Wut auf den Punkt: „Die Rede des Papstes ist der schamlose Versuch, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, ohne sich der Schuld und dem Versagen zu stellen und wirkliche Veränderung anzugehen.“ Andere Beobachter des Treffens äußerten die Ansicht, der Papst habe seine historische Rolle bzw. Möglichkeit als Reformpapst verspielt. Ihnen muß entgegengehalten werden, daß es nicht in eines Mannes Rolle sein kann, den Reformpapst zu geben, wenn Reform als reale und radikale nur Selbstzerstörung bedeuten würde. Daß die Kirche, wie es ein Tübinger Theologe und Jurist ausdrückte, zum „Hotspot der Kriminalität“ werden konnte, hat nur wenig mit ihrer jüngeren Vergangenheit zu tun. Das Verbrechen wurzelt tief im Genom dieser Organisation seit ihren Anfängen wie in dem ihres Geschwister, dem Islam. Beide wie auch Altes Testament und Koran gegeneinander auszuspielen, wie es oft geschieht, ist sinnlos. Das Isaak-Kinder-Opfer z.B. preisen beide. Sie decken sich weitgehend in ihrem patriarchalen Gottes- und Menschenbild.

Die Kirche ist heute die größte Verbrecherschutz-Organisation weltweit. Wer immer ihr angehört und zugleich ihre Untaten beklagt, macht sich mitschuldig, wie der Jesuit Klaus Mertes, der zu den Initiatoren des bis heute weitgehend wirkungslosen Aufklärungsversuchs gehört. Die Rede des Papstes machte für ihn, wie er in einem Interview sagte, ein tiefes Kulturproblem deutlich. Sie erweckte den Eindruck, das Böse komme von außen und dagegen müsse gekämpft werden. An dieser Strategie, so Mertes, sei alles falsch. Die Rede des Papstes habe gezeigt, daß er noch immer die Wurzel des Übels nicht erkannt habe. Mertes glaubt hingegen, es erkannt zu haben, aber dennoch sieht er offenbar keinen anderen Weg zu seinem Gott als unter dem Dach dieses klerikalen Mißbrauch-Kartells. Verstehen kann das nur, wer Mertes und die, die ähnlich schizophren denken und argumentieren (wie etwa Doris Wagner), als Opfer früher Drogen-Verführung versteht. Die Sucht wird sie beherrschen vielleicht bis zu ihrem Tod. Mit „Gott“ oder Jesus, denen sie ja auch ganz persönlich begegnen könnten, hat das nichts zu tun, zumal Jesus von der Kirche schändlich verraten wurde. Wer Jesus „verstanden“ hat, muß die Kirche verlassen, sogar bekämpfen.

Zu den Desorientierten, Süchtigen gehört auch der Regisseur Werner Herzog, der eine Film-Eloge über Franziskus schuf („Ein Mann seines Wortes“). Franziskus ist aber in Wahrheit ein Dampfplauderer, Vielversprecher und Wortbrecher, und Herzog müßte einen neuen Film machen. Dieser Papst ist, entgegen der Wahrnehmung seiner Verehrer, nie in der modernen Wirklichkeit angekommen, sondern verharrt bei den Teufels-Gläubigen einer finsteren südamerikanischen Vergangenheit. Sein Glaube ist im wesentlichen Aberglaube. Satan, indem er Priester verführte, ist, so denkt der Papst, von außen aus dem Reich des Bösen in die Kirche eingedrungen. Mit ihrem eigentlichen Innern hätten die Verbrechen nichts zu tun, denn die Kirche ist heilig, „sakrosankt“. Werkzeuge des Bösen sind aber auch, so Franziskus, „ideologische Polemiken“ und „journalistische Kalküle“ einer gehässigen säkularen Umwelt – eine Argumentation, derer sich autoritäre Herrscher gern bedienen. Dort sind es „Volksfeinde“ und gehören ausgeschlossen, wenn nicht vernichtet. Nicht umsonst war der Katholizismus am stärksten in den iberischen Diktaturen Spaniens und Portugals des 20. Jahrhunderts.

Eine Kirche die sich die letzten drei rückwärtsgewandten Päpste leistete, wäre nur durch eine Revolution zu retten, wenn denn eine Rettung überhaupt wünschbar ist. Andernfalls wird sie immer wieder in die alten Denk- und Deutungsmuster fallen, dieselben Opfer, dieselben verzweifelten Hilflosigkeiten à la Ackermann produzieren. Man kann die klerikale Mafia, auch wenn sie vorgibt, „Gottes“ Gesetz und Botschaft als einzige legitim verkünden und durchsetzen zu können, nur als gewaltigen Bock im Garten der Menschheit einsetzen, wo sie dann abertausende, ja Millionen Seelen zerstört. Die weltlichen Staaten gewähren ihr dazu die Freiheit, die sie für sich fordert, u.a. eine Parallel-Justiz.

Die Opfer bebten vor Wut nach dieser vatikanischen Farce und ersticken weiterhin an ihrer Trauer über ihr beschädigtes Leben.  Aber es gibt, auch von Seiten des Staates, nur hilflose Gesten für sie. Die Scham darüber gebührt einer Zivilisation insgesamt, die sich als „christlich-jüdisch“ versteht, die aber nichts ist als eine frauenverachtende Patriarchen-Vergötterung und Patriarchats-Verlängerung auch in ihren säkularen Bereichen. Dafür steht die für Frauen furchteinflößende römische Zusammenrottung alter mitleidloser Männer in Kardinalsuniform, absolute Gegenbilder ihres Stifters, dessen Kreuz von ihren Hälsen baumelt. Dies ist ein wahres Zeichen für Blasphemie, die Pervertierung einer Botschaft der Liebe zu einer der Herrschaft um jeden Preis. Die Macht über die Menschen, die sie im Laufe der Jahrhunderte erworben haben, werden sie nie aufgeben wollen. Man müßte sie, „von außen“, wie der Teufel, dazu zwingen.

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3 Antworten zu Wie ein geprügelter Hund…

  1. Kassandra schreibt:

    Einfach mal ein Schild „Ciuso“ dranhängen.
    Kollektive Betroffenheit und es passiert wieder nichts.
    Zumindest der deutsche Staat sollte mal ganz schnell Geld und alle anderen Privilegien entziehen, aber der selbe Staat überweist noch lebenden Nazikollaborateuren Rente und knausert bei den KZ Insassen.
    Das ist ein Menschenbild was nicht zu vereinen ist mit einer säkularen und liberalen Gesellschaft. Wenn jetzt nicht der Scheideweg erreicht ist, wann dann?
    Müssen erst wieder die Schlote von Auschwitz 2.0 rauchen.
    Offenbar scheint die Schuldabwehr epigenetisch verankert in den Köpfen vieler Entscheidungsträger. Es ist kein Szenario für Optimisten.

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