Trieb-Not und Prügelstrafe

„Myne Fru de Isebill will nich so as ik wol will“, klagt der Fischer dem Butt. Dem Mann könnte geholfen werden, konvertierte er zum Islam. Dann würde aus dem Fischer ein Ackerbauer – alles metaphorisch, versteht sich – und aus Isebill, die dann Suleika oder ähnlich hieße, ein Acker. Über den läse der Bauer im Koran (Sure 2, 223): „Eure Weiber sind euch ein Acker. Gehet zu eurem Acker, von wannen ihr wollt.“ Also bitte, Isebill! Und bist du nicht willig …

Nein, Allah zitiert nicht Goethe, sondern kümmert sich aus eigener Machtvollkommenheit um die männliche Trieb-Not und läßt den Propheten ein Machtwort sprechen: „Wenn ein Mann nach einer Frau schickt, um sein Bedürfnis zu stillen, sollte sie zu ihm gehen, sogar wenn sie mit Brotbacken beschäftigt ist.“ Lebenswichtiges wird getoppt von noch Lebenswichtigerem. Allah richtet sein Wort über den Zwischenhändler Mohammed übrigens stets nur an Männer, denen er sein Erziehungsprogramm für ihre Frauen nicht selten in starken Bildern mitteilt. Und weil damals niemand daran dachte, die Prügelstrafe für wen auch immer abzuschaffen, erlebte diese in der Koran-Sure 4, 34, also im Grundgesetz des Islam, ihre Heiligsprechung. Dort steht sie nun sinngemäß an der Stelle, wo bei uns „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht. Sie lautet: „Die Männer stehen über den Frauen. Die rechtmäßigen Frauen sind gehorsam. Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnet sie, verbannet sie in ihre Schlafgemächer und schlagt sie.“ Abmahnung, Hausarrest, Prügel. So geht die fromme schwarze Pädagogik à la Islam.

Zwei ZEIT-Journalisten wollten nun wissen, ob die Prügel-Sure im täglichen Leben der Muslime bei uns einen Niederschlag findet. Bei ihrer Erkundungsreise stießen sie auf den Leipziger Hauptkommissar Loepki, der überzeugt ist, Wahrheiten müsse man aussprechen, auch die, daß die Legitimation für prügelnde Ehemänner im Islam eine religiöse ist. Ein Shitstorm war die Folge. Die übliche Argumentation: Man dürfe der AfD keine Argumente liefern. In Wahrheit liefern diese Argumente die konservativen Vertreter des Islam selbst reichlich. Die Bedeutung der Prügelsure wird in der Regel heruntergespielt, verharmlost. Gemeint seien keine harten, verletzenden Schläge, sondern eher so was wie Klapse auf den Po. Daß hier vor allem eine Erniedrigung der Frau zum  unmündigen und unartigen Kind die Folie für das Verständnis der Sure abgibt, kommt den Befragten gar nicht in den Sinn.

Mit einigem Recht bestreitet also die AfD dem Islam die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz. Gehörte er zu Deutschland, so die Konsequenz, müßte man dieses ändern, was derzeit noch die Mehrheitsverhältnisse verhindern. Denn der Koran ist Gottes Wort und unveränderlich. Mehrheitsverhältnisse aber können sich ändern. Wer jetzt eine historisch-kritische Lesart des heiligen Buches fordert wie einige Reform-Muslime und christliche Befürworter einer Versöhnung mit dem Islam, wie die Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth, stößt ehe er sich’s versieht auf eine Trumpsche Mauer der Abwehr bei den konservativen Muslimen. Und die sind (noch) in der Mehrheit.

Wir müssen begreifen: eine moderne, humanistisch aufgeklärte, die Gleichheit und Würde aller Menschen respektierende Gesellschaft geht nicht mit dem gegenwärtigen Mainstream-Islam, wenn man ihn denn erst nimmt.  Man müßte hoffen auf eine allmähliche Säkularisierung der Muslime, wie sie bei den Christen wenigstens in Europa seit längerem zu beobachten ist. Die Tendenz des gegenwärtigen Islam ist, das belegen die zitierten Suren und viele andere, so menschenfeindlich wie es die der katholischen Kirche lange war und in Teilen heute noch ist. Man denke an das Vertuschen und Leugnen der massenhaften Mißbräuche. Nein, man kann das Kirchen-Christentum nicht gegen die Islam ausspielen. Dafür sind sich beide zu ähnlich. Nicht Konversion, sondern Säkularisierung muß das Ziel sein. Noch sind die bei uns lebenden Muslime Geiseln ihrer Religion. Aus dieser Geiselhaft müssen sie sich selbst mir Hilfe ihrer progressiven Genossen befreien, vor allem die Frauen, die eigentlichen Opfer aller Religionen im Patriarchat.

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