Die CDU, die SPD und die Schöpfung

Drei streiten um die Führung. Alles Christen in einer christlichen Partei. Es geht um Sexualmoral,  christliche Soziallehre, Aktien für Rentner, natürlich um Asyl, Abgrenzung vom Gottseibeiuns AfD und ähnlich Bedeutsames. Alle drei  Bewerber, letztlich um das Kanzleramt, sind Katholiken. Für Katholiken ist es wichtig, daß die Menschen den Regeln folgen, die von den alten Männern an der Spitze der römischen Hierarchie mit Berufung auf den Heiligen Geist aufgestellt werden. Um so merkwürdiger mutet an, daß das Thema „Schöpfung“ und ihre Bewahrung so gut wie gar nicht vorkommt. Das überlassen die volksparteilichen Generalisten den Experten: den Grünen. Quasi als Randthema.

Die Sozen auf der anderen Seite halten seit Helmut Schmidt selig das Thema Ökologie für ein Luxusthema. Gerne, wie jetzt im Fall Braunkohle, wollen sie mehr soziale Gerechtigkeit durch weniger Ökologie erreichen. Die feindlichen Vettern der Linken halten es ähnlich. Wer in die Wagenknecht-Bewegung „Aufstehen“ hineingehorcht hat, vermißte den Blick auf die zukunftsentscheidende Menschheitsfrage ebenso.

Was ist los mit uns? Erleben wir gerade, anläßlich des Umweltgipfels im smogverhangenen Kattowitz, auch mit Blick auf die USA (Trump) und Brasilien (Bolsonaro), den Einstieg in das Finale dessen, was der Klimaforscher Schellnhuber einen „kollektiven Selbstmordversuch“ nennt? Das Experiment globaler Suizid hat schon vor vielen Jahrzehnten angefangen, ohne daß es bemerkt wurde, und auch heute noch, stellt Schellnhuber fest, macht erschrecken, „daß viele Menschen das Ausmaß des Problems und vor allem die Geschwindigkeit, in der es auf uns zurast, noch nicht erfassen und die Botschaft vom menschengemachten Klimawandel viel zu langsam das große Rauschen an weitgehend nutzlosen Informationen (etwa bei den CDU-Regionalkonferenzen) durchbricht“. Der Soziologe Niklas Luhmann würde sagen, weil es dem Menschen an Sehkraft für die Zukunft fehlt, kann er nicht sehen, was er nicht sehen kann. Es fehlt ihm konstitutiv an „Prophylaxefähigkeit“, formuliert der Physiker Harald Lesch. Seiner Meinung nach können wir im Stand der gegenwärtigen evolutionären Entwicklung der Spezies nur aus Katastrophen lernen, und letztlich, wie jetzt beim Klima, kommen wir immer zu spät. Konkret bedeutet das: eine zerstörte Erde fällt als Wohnort für die Spezies Homo sapiens demnächst aus, ehe die Spezies reif wurde, eine angemessene Überlebensstrategie zu entwickeln. Eine andere Erde, fänden wir sie denn, wäre zu weit weg. Das Bild vom kollektiven Suizid hat also einen hohen Realitätsgehalt.

Es fehlt aber nicht nur an Vorstellungskraft, was die Klima-Zukunft des Planten und der Menschheit betrifft. In Afrika, sagen einige, die die Prognose fast verschämt wagen, werden die Menschen, die sich gerade, um mit dem Papst zu sprechen, karnickelmäßig vermehren, nicht mehr leben können. Sie werden nach Norden strömen in unvorstellbaren Massen, und kein Mittelmeer wird verhindern, daß Abermillionen an dessen Nordküste ankommen. Aber auch die Iberische Halbinsel, Griechenland, Italien werden den Hitzekollaps erleiden. Also weiter Richtung Nordpol! Der Rest ist blutiges Chaos, vor allem wenn man auch nach Asien blickt.

Daß man mit solchen Prognosen weder Wahlen gewinnen noch etwas verändern kann, leuchtet ein. Also schließen wir mit Christian Morgenstern messerscharf, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Wir – das sind auch die Politiker, die christlichen und die anderen. Seien wir ehrlich: Wir haben uns schon aufgegeben und zeugen dennoch weiter Kinder und Enkel. Das steigert die Schuld. Das rührende Bild von dem Bäumchen, das man pflanzen sollte, auch wenn für morgen der Weltuntergang angesagt ist, entstammt dem frommen Glauben an einen Gott, der am Ende doch alles zum Guten wenden wird. Bekanntlich ist aber auch dessen Lebens- und Wirkungszeit abgelaufen. Wir haben ihn, das wußte schon Nietzsche, getötet, ohne an die Folgen zu denken.

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Eine Antwort zu Die CDU, die SPD und die Schöpfung

  1. Said schreibt:

    Zu ergänzen wäre hier vielleicht noch die Lust, die dem dionysischen Akt inne liegt. Aber auch das ist nur ein Teil der Geschichte. Fest steht auch, Dass das Individuum gegenüber der Gemeinschaft machtlos ist. Dies gilt auch für FührungsPersönlichkeiten wie AKK, Merz oder Spahn. Um das System zu lenken, muss man Teil des Systems sein. Siehe auch Obama und Guantanamo. Die Veränderung muss also vom Volk ausgehen. Wir haben die Wahl und der Trend der Grünen zeigt eine BewusstseinsSensibilisierung für das Thema Umwelt. An den FührungsPersönlichkeiten der Grünen jedenfalls liegt deren Derzeitiger Aufstieg sicher nicht.

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