Trumps Geheimwaffe

Trotz der kleinen Delle bei den Midterms  – es scheint, als würden wir den Mann, vor dem die Deutschen mehr Angst haben als vor irgendjemand sonst, sobald nicht los. Kürzlich bei „Hart aber fair“ saß auch die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling von der kalifornischen Berkeley-Universität als einzige Frau und wurde quasi als Expertin für ihr Geschlecht gefragt, wie das paradoxe Phänomen der Trump-Wählerin zu erklären sei. Weil es „weiblichen Sexismus“ gebe, war die Antwort. Dieser sei aber keiner, der sich sozusagen als vergeltende Antwort in Männerhaß ergehe, sondern er sei männlicher Sexismus in weiblicher Gestalt. „Sexismus“, so Wehling habe nichts mit dem Geschlecht zu tun. Sondern, könnte man hinzufügen, mit dem traditionellen Weltbild, das ja auch Katholikinnen nicht davon abhält, die treuesten Kirchgängerinnen und Dienerinnen einer Institution, der katholischen Kirche, zu sein, die seit ihren Anfängen Angst vor dem weiblichen Geschlecht mit Frauenverachtung amalgamiert hat und die weibliche Minderwertigkeit (qua menstruierende Unreinheit) zur Grundlage ihres Dogmas von der Unfähigkeit des Weibes zur Verkündigung des Evangeliums machte. Der männliche Priester sei dazu aber berufen, weil er Hoden, einen Penis, Testosteron im Übermaß, keine Regelblutungen und keine Brüste hat – wie Jesus.

Dies ist also das Vorbild und Muster für den weiblichen Sexismus. der überall in den christlichen Gesellschaften (und natürlich auch bei Juden und Muslimen, ja in allen Religionen) diverse absurde Blüten getrieben hat und von keiner Aufklärung bzw. Wissenschaft eingedämmt werden konnte. Dabei ist es nicht das Privileg ungebildeter und systematisch unterdrückter Frauen, die herrschende Ordnung nicht zu hinterfragen. Die ihren Sexismus pflegenden Frauen, auch solche mit Hochschulabschluß, sagt Wehling, seinen implizit und explizit davon überzeugt , daß Männer mehr wert seien als Frauen. Männer hätten bessere Positionen und würden besser bezahlt, weil sie es verdient hätten. Diesem Denken liegt – wäre zu ergänzen – eine Vorstellung von einer „natürlichen“ hierarchischen Ordnung zugrunde, wie sie im Vatikan ihre exemplarische Gestalt gefunden hat. Das hat nun nicht nur nichts mit dem Stifter Jesus zu tun, es konterkariert und verhöhnt dessen Botschaft von der Gleichheit aller und der armen Kirche nachgerade. Die Evangelikalen Amerikas sind andererseits die zuverlässigsten Unterstützer der Trump-Kirche, und wer jemals den Prediger-Ton in den Präsidenten-Reden bemerkt hat, der den Billy Grahams jener Welt abgehorcht ist, wird begreifen. daß bezüglich seiner Wähler, männlichen wie weiblichen, nur eine genau so irrationale und lügengespickte Gegenpredigt eine Wende herbeiführen könnte. Die Demokratie, die den mündigen, denkfähigen Bürger voraussetzen muß, kommt somit an ihr Ende. Nicht nur in den USA.

Bliebe für alle, die nicht resignieren wollen, die Frage, ob Bewegungen wie #MeToo zumindest ein winziges Hoffnungsfeuerchen aufflackern lassen könnten. Andere schauen verzückt auf den sogenannten „Reformpapst“ Franziskus und erwarten von ihm, daß er den Drachen Klerikalismus samt seinen Mißbrauchs-Untaten beseitigt und zugleich die „arme Kirche“ etabliert. Haben seine BewunderInnen schon vergessen, daß für diesen Papst die Gender-Theorie Teufelszeug ist – weil nämlich jene gottgewollte hierarchische Ordnung, in der auch den Geschlechtern ein je eigener Ort (oben oder unten) zugewiesen ist, von der Genderitits bedroht sei? Bliebe, um bei Frau Wehling zu bleiben, eine allerletzte Hoffnung – die auf die Geschlechter-Solidarität. Auf eine Art beide Geschlechter zusammenbindende Freundschaft, in der der feministische Mann nicht mehr eine so unglaubwürdige wie lächerliche Figur ist. Deshalb plädiert Wehling für eine unverzichtbare Beteiligung der Männer am feministischen Projekt: „Jeder männliche Feminist ist wichtig und besonders wertvoll.“

Aber mehr als ein vorletzter Stoßseufzer scheint dieses Statement nicht zu sein. Eine Bewegung, in der sich männliche Feministen zu wirksamer politischer Aktion zusammentäten, wird es wohl nicht geben. Wie der Sündenfallgeschichte zu entnehmen ist („Du hast Verlangen nach deinem Mann, aber er wird über dich herrschen“), wurde der Sexismus zum innersten Kern der Erbsünde. Und was diese betrifft, sind wir alle auf Gnade angewiesen.

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3 Antworten zu Trumps Geheimwaffe

  1. Trumpkenner schreibt:

    Bin ich anderer Meinung.
    Die Prioritäten sind anders gesetzt.
    Trump spaltet undzwar schamlos.
    Die GOP herrscht seit 30 Jahren ohne Mehrheit durch Wählerunterdrückung, Gerrymandering und den vollkommen undemokratischen Senat. Die Dems sind Lämmer und hoffen durch (überwiegende) apeachment Politik gegen die GOP was zu erreichen. Trump und die GOP sind längst zu einer faschistischen „Ordnung“ übergegangen, die gleichzeitig die „alten“ Ordnungen propagiert. Von daher wird der Frauenhass immanent. Das ist aber nur ein Symptom des Faschismus.

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  2. neptun16 schreibt:

    Das aus den Fugen geratene und ursprünglich ganz anders intendierte Wahlmännersystem wie auch die Manipulationen à la Gerrymandering erklären nicht die Trump-Erfolge, wenn man eine halbwegs rational entscheidende Wählerschaft voraussetzt. Frauen bilden überall die Mehrheit des Wahlvolks. Wer sie beleidigt und demütigt wie Trump dürfte nirgendwo eine Wahl gewinnen – wenn denn Beleidigung und Demütigung Argumente wären. Sind es aber nicht. Millionen Frauen halten nicht nur den USA ihre Unterdrückung für gerechtfertigt. Und dies war die ganze Geschichte des Patriarchats hindurch so. Auch dafür hat Elisabeth Wehling eine Erklärung: Wenn man eine noch so widersinnige These wie die von der Minderwertigkeit der Frau über Jahrhunderte wiederholt, wie es das Christentum tat, wird die zur geglaubten Wahrheit wie die Vorstellung eines penisbewehrten und bärtigen einzigen Gottes. Wie soll man dagegen argumentieren?

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