Komplizenschaft mit dem Bösen …

lateinisch „cooperatio ad malum“ . So verurteilte einst die katholische Kirche etwa die Ausgabe der Antibaby-Pille, weil damit dem „Kindesmord“ Beihilfe geleistet würde. Schuldig macht sich demzufolge nicht nur der unmittelbare Täter, sondern auch der, der die Tat ermöglicht oder ihre Durchführung erleichtert.

Jetzt fällt dieser kirchenrechtliche Begriff auf die Kirche zurück. Schuldig macht sich, wer angesichts der offenkundig gewordenen vieltausendfachen Verbrechen ihrer Mitarbeiter der Kirche weiterhin die Treue hält, etwa indem er sie mit Steuermitteln unterstützt. Das Kirchenmitglied wird, nach der Logik der Kirche, schuldig an den Untaten der Priester. Es hat die Opfer mit zu verantworten.

Systeme wie das der Nazis, des Stalinismus, des Trumpismus und des Katholizismus erzeugen vor allem riesige blinde Flecken. Die von ihnen unterdrückten bzw. indoktrinierten Massen verlernen das klare Sehen, das kritische Beobachten der sie umgebenden realen Welt, Hingegen lernen sie das systematische Wegsehen und Verleugnen. Sie leben in einer abgeblendeten Welt alternativer Fakten, für die sich gerade der Begriff „Blase“ etabliert. Sie begreifen nicht mehr, daß es etwas geben könnte, gegen das sie sich mit gesundem Menschenverstand gewehrt hätten, ehe sie in die Blase eintraten. Zu sehr hängen sie jetzt an den jeweiligen Heilsversprechen der Blasen , von denen die kirchlichen die ehrwürdigsten und elementarsten sind.

Eigentlich gilt das für alle geschlossenen Systeme bis hinunter zu den selbstmörderischen Sekten, die ganz in der Tradition des frühen Christentums das Weltende als unmittelbar bevorstehend erkannt haben. Auch der Offenbarungsglaube, dem sich die meisten Christen verpflichtet fühlen, ist ein solches System. Es gibt, sagt die Kirche, den Weg zum Heil nur durch sie. Keinen Ausweg.

Die Nazis machten machten 1938, den äußersten Zynismus aufbietend, die Juden für die Schäden der „Kristallnacht“ verantwortlich wie die Kleriker aller Instanzen seit je die Opfer ihrer Untaten dafür verantwortlich machten, daß die Repräsentanten Christi zu Sündern wurden, denen Schutz zu bieten die Kirche gezwungen war. Diese Schema galt vor allem, wenn Weiblichkeit im Spiel war. Frauen (aber nicht nur sie), die ihre Vergewaltiger unter der Soutane anklagten, hatten, wie jetzt sehr deutlich geworden ist, wenig Chancen, daß ihnen Gerechtigkeit widerfuhr.

Daß solch ein System funktioniert, ist der stärkste Beweis für jenes Opfer der Intelligenz (sacrificium intellectus), das Homo sapiens seit seinem Erscheinen auf dem Planeten, „sapiens“ zum Trotz, als unabdingbares mit sich herumträgt. Weil er seine Sterblichkeit begriffen hat, glaubt er jenes Opfer bringen und Religionen hervorzubringen zu müssen . Diesem Dilemma entkäme er nur, wenn er das schlichte Faktum des Todes ohne Wenn und Aber akzeptieren könnte. Die Geschichtsforschung, und das zeigt uns die Archäologie, weist aber nach, daß der Gedanke eines Lebens nach dem Tode vielleicht der wirkungsmächtigste in der Entwicklung des „weisen“ Menschen war. Ihm entsprangen alle Religionen und mit ihnen der Zwang, diese in jedem Fall vor Angriffen zu schützen.

Das System, in dem sich die Kirche zu einem Verbrecher-Schutzverein entwickeln konnte, ist also so alt wie der Mensch selbst. Viele werden jetzt wieder austreten, aber die große Masse wird, das Gute wollend, verdrängen und verleugnen wie bisher immer und den Pakt mit dem Bösen eingehen, ohne sich dessen bewußt zu sein.

 

 

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