Frommes Verbrecherkartell

Spätestens nach den jüngsten Studien und Veröffentlichungen über die massenhaften sexuellen Untaten der Stellvertreter Christi auf Erden müßte auch den treuesten der Treuen die Geduld abhanden kommen. Die immer noch auf Besserung hoffen und den konsequenten Austritt hinauszögern mit dem Argument, man könne in der Kirche eher Änderungen bewirken als außerhalb, müßte klar geworden sein, daß eine weitere Unterstützung dieser Schutzgemeinschaft für Kinderschänder indirekt zur Verhinderung der Verfolgung von schweren Straftaten beiträgt und die Opfer verrät. Nur ein konsequenter Laizismus könnte bewirken, daß die Verbrecher unter der Soutane konsequent der weltlichen Gerichtsbarkeit zugefügt werden. Wer der Kirche in dem Schutzraum, den sie in Deutschland genießt (von Polen, Rußland, Afrika, Südamerika ganz zu schweigen), die Treue hält, macht sich zum Mittäter wie vor 80 Jahren die Deutschen im Nazi-Reich Mittäter waren.

Der Jesuit Klaus Mertes, der einen wesentlichen Anstoß gegeben hat zur Aufklärung der Menschenverachtung unter dem Deckmantel der Menschenliebe, hat kürzlich im Radio-Interview eine ansatzweise Analyse der Struktur versucht, die all dem zugrunde liegt: „Das Verständnis des Priestertums, der Umgang mit autoritär-elitären Gruppen  in der katholischen Kirche, das Feld der Homosexualität, die Männerbündigkeit des Klerus und die Zwangsbedingungen zum Klerus [?], die Machtverteilung in der Kirche“ – all das müsse in Frage gestellt werden. Mertes warnt allerdings ohne recht nachvollziehbare Begründung vor einer „Fixierung auf den Zölibat“. Für viel problematischer hält er das „Nicht-Vorkommen von Frauen innerhalb des Klerus.“

Die Gründerin der „Initiative gewaltüberlebender Christinnen“, Erika Kerstner, hat sich vor allem mit weiblichen Opfern beschäftigt, deren unauflösbare innere Konflikte sie schildert: „Ein Priester ist der Stellvertreter Gottes auf Erden. Seine Aufgabe ist es, Not zu lindern, aber er zeigt sie (die Aufgabe) im sexuellen Mißbrauch. Seine Aufgabe ist es, Befreiung zu verkünden, aber er erzeugt Knechtschaft, Schuldgefühle, und die Opfer müssen sich dann fragen, was stimmt denn  nun?“ Die tatsächliche Erfahrung der Vergewaltigung sei eingegraben in Seele und Körper, die Traumatisierung unwiderruflich. Kein päpstliches Entschuldigungsgemurmel kann daran, wäre hinzuzufügen, etwas ändern.

Das Verbrechen in der Maske des Gottesmannes ist natürlich viel infamer als vergleichbare Taten in anderen Bereichen der Gesellschaft – eben wegen der existentiellen Konflikte, in die es die Opfer stürzt. Von einem gewöhnlichen Verbrecher kann ich mich unter Umständen distanzieren, vom priesterlichen Kinderficker nur, wenn ich dem die Treue aufkündige, den er vorgeblich vertritt. Das Ausmaß der angerichteten seelischen Katastrophen müßte eine Institution, die nach Maßgabe der Botschaft ihres Stifters, nämlich der Liebe, angetreten ist, zur Selbstauflösung, mindestens aber zu einer Revolution des Hauptes und der Glieder führen. Das wird nicht geschehen. Und daraus kann nur der Schluß gezogen werden, daß der Stifter Jesus weiterhin täglich von der Kirche verraten wird und alles Liebes-Bekenntnis widerliche Heuchelei ist. Vielleicht führt dies dann aber doch – so die letzte Hoffnung – irgendwann zum Absterben und Verschwinden des scheinbar Unvergänglichen.

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