Der andere Rassismus

Es gibt einen Rassismus der Anti-Rassisten. Einen Gute-Menschen-Rassismus. So sieht es wenigstens der Psychologe Ahmad Mansour. Mansour ist Deutscher,  aber auch Araber, Palästinenser, Israeli, Muslim. Von seinen Glaubensbrüdern wird er nicht gerade geschätzt, sehen viele ihn doch als einen Vogel, der sein Netz beschmutzt. Jetzt hat er ein Buch zum Thema „Integration“ veröffentlicht. Untertitel: „Gegen falsche Toleranz und Panikmache.“ Falsche Toleranz für ihn ist jene Haltung, die etwa muslimischen Zuwanderern nicht zumuten will, Normen ihrer Kultur hintanzustellen (etwa die patriarchalische Familie, die fehlenden Frauenrechte, die Religions(un)freiheit, die unislamische Demokratie etc.) und unsere  Verfassungs-Normen gelten zu lassen. „Wenn wir anfangen,“ sagt Mansour im Radio-Interview, „jeder Minderheit Rabatte zu geben beim Thema Gleichberechtigung, beim Thema Meinungsfreiheit, beim Thema ‚die historische Verantwortung Deutschlands aufgrund seiner Geschichte‘, dann haben wir keine Gemeinsamkeit mehr. Das Grundgesetz ist wichtiger als alles andere, was die Menschen mitgebracht haben an Werten, an Kulturen und auch an Religionsverständnissen“. In Gesprächen mit Politikern gewann Mansour den Eindruck, in ihrem Verständnis sei Integration Arbeit plus Sprache minus Kriminalität. Nach dieser Definition sei Mohammed Atta, der Attentäter vom 11. September, super integriert gewesen in Hamburg.

Wenn wir, auch die Kirchen, so Mansour weiter, die muslimischen Verbände damit betrauten, die Neuankommenden zu integrieren, dann leisteten wir einen Beitrag zur Entstehung von Parallelgesellschaften. Unterstützt, auch von den Kirchen, würden muslimische Religionsgemeinschaften und Verbände im Namen der Religionsfreiheit, im Namen von Toleranz. Dabei vermittelten diese Verbände und Vereine ganz andere Werte als das, was im Grundgesetz stehe. „Positiver Rassismus“ sei es, wenn „bestimmte Kreise mit uns (zugewanderten Muslimen) so umgehen, als ob wir so schwach sind, nicht in der Lage, irgendwie Verantwortung zu übernehmen, Kritik auszuhalten“.  Mansour, sich auf die Aufklärung berufend,  verlangt von den in Europa lebenden Muslimen, mündig mit ihrer Religion umzusehen. Wenn sie nicht hinterfragten, kritisch nachdächten, wenn sie die Texte so verstünden, wie sie von eineinhalb Jahrtausenden interpretiert wurden, könnten sie den europäischen Aufklärungsprozeß nicht verstehen.

So sympathisch uns das Ideal Mansours von einem aufgeklärten, europäisch denkenden Muslim erscheinen mag – nicht nur die weitaus überwiegende Mehrheit seiner Glaubensgenossen, auch die angeblich christlich-jüdisch geprägten Massen versagen angesichts der Forderung des obersten Aufklärers, Immanuel Kant, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Zuallererst die Kirchen tun alles, um diesem Ideal nicht zum Durchbruch zu verhelfen. Und Mansour belügt sich selbst, wenn er von seiner muslimischen Glaubensgemeinschaft ein kritisch-reflektiertes Religionsverständnis verlangt. So darf er sich nicht wundern, wenn er in den Medien als Kuffar (Ungläubiger) gerade von denen beschimpft wird, an die sich sein Appell richtet.

Konsequent scheint nur der Weg, den die ehemalige Muslima Ayaan Hirsi Ali oder auch Salman Rushdie gingen: in den Atheismus. Er ist der schwerste und, was die Ex-Muslime betrifft, auch der gefährlichste. Apostasie ist im Islam ein todwürdiges Verbrechen. Das war sie einmal auch in Europa, und wir müssen alles tun, um unsere zugewanderten Mitbürger daran zu hindern, ihrem Glauben allzu konsequent zu folgen. Das wäre dann im Zweifel jenes Element Glaubens-„Freiheit“ zuviel, das wir uns bei aller Toleranz nicht leisten können.

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Eine Antwort zu Der andere Rassismus

  1. Anonymous schreibt:

    neptun16, thanks a lot for the post.Really thank you! Much obliged.

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