Beate Zschäpe gehört zu Deutschland

Und ob! Man wird sie als „Nazi Hure“ in den Knast stecken, aber das macht sie nicht weniger „deutsch“. Im Gegenteil. Wenn es schon um Traditionen geht, so ist sie mit ihren Uwes in der deutschen Tradition durchaus verankert, und sicher haben sie immer wieder an das Testament des Führers der Deutschen gedacht, wenn sie mordeten. In diesem Vermächtnis wurde dem deutschen Volk mit führerhafter Nachdrücklichkeit nämlich als oberstes Gebot befohlen, sich rein zu halten von rassischer Vermischung. Diese Reinheit wollte nicht nur der NSU, Türken eliminierend, erhalten, nicht nur all jene in den Behörden und im Polizeiapparat, die alles dafür taten, daß das Trio nicht aufflog, sondern, wenn man sich Björn Höcke und andere ihm huldigenden Genossen in der AfD ansieht, kommt man nicht umhin, das Nazi-Gen als sehr deutsches auch bei ihnen zu vermuten. Ob das jetzt unentwegt beschworene „christlich-jüdische Erbe“ je in der Geschichte ebenso nachhaltig gewirkt hat und wirkt wie das „arische“, mag mit Fug bezweifelt werden. Es erscheint eher als nachträglich eingepflanzt, draufgepoppt als zum germanisch-„völkischen“ Urbestand zu rechnen. Bis vor kurzem waren die Juden nach christlich-theologischem Verständnis noch verstockte Gottesmörder, und die Mehrheit der  deutschen Christen kümmerte sich einen feuchten Kehricht um ihr Schicksal in jenen 12 bzw. 1000 Jahren. Und jetzt berufen sich die Seehofers auf die „jüdische Tradition“ und die Söders hängen Kreuze auf dort, wo ihre Väter einst wenig Einwände gegen Hakenkreuze hatten.

Man könnte nun schlußfolgern, daß, wenn das deutsche Erbe von seinen Fragwürdigkeiten nur geschichtsklitternd zu befreien wäre, also mit Hilfe einer großen Gesamtlüge, dann gäbe es in diesem Erbe und seiner Zukunftsdimension auch Platz für Dschihadisten, Salafisten, Talibans, Unterstützer des IS, denen man unter Inanspruchnahme der Religionsfreiheit und des Zu-Deutschland-Gehörens das, was man dem NSU lange nachgesehen hat, auch zubilligen müßte, sofern es religiös zu legitimieren wäre. Und zu legitimieren ist es. All diese radikalen Erscheinungsformen sind genuin muslimisch. Ungläubige sind demnach in ihrem eigenen Interesse umzudrehen oder zu töten, denn blieben sie ungläubig, kämen sie in die Hölle. Wenn Hamed Abdel-Samad den Islam in seiner heutigen Gestalt für eine Variation des Faschismus hält (die Belege für diese These sind erdrückend und im DREYZACK immer wieder angesprochen worden) dann zeigt sich, daß, ganz gegen die Seehofer’sche Intention, der Islam sehr wohl zu einem autoritären, patriarchalischen, misogynen Deutschland gehört, wie es einmal war und wie viele es wieder herbeisehnen, auch durchaus außerhalb der AfD . Etwa in der CSU. Autoren wie der Büchnerpreisträger Mosebach mahnten schon vor einiger Zeit die allzu laschen deutschen Christen, sich am konsequenten muslimischen Religionsverständnis ein Beispiel zu nehmen. Und die Muslime selbst denken mit guten Gründen nicht daran, sich einer Aufklärung zu unterziehen, die, wie sie mit Recht vermuten, ihren Glauben ähnlich zerfasern würde, wie es mit dem christlichen geschah. Der ahnungslose Seehofer will nicht verstehen, daß der Islam eine Schwesterreligion ist, ein in Teilen allerdings ziemlich mißglückter Klon jenes Juden- und Christentums, die er so gern für eine Leitkultur in Anspruch nähme. Eine nachhaltigere Koran-Lektüre wäre empfehlenswert. Und plötzlich bekommen paradoxerweise nicht nur die Uwes und die Höckes gegen ihre den Islam ablehnende Intention recht (wir wissen nur nicht, daß der Islam so reaktionär ist wie wir), sondern auch die Merkels und Wulffs (er paßt zu Deutschland, weil die Muslime so radikal fromm sind, wie es eigentlich sein sollte)

Ja, der Islam gehört wie Beate Zschäpe zu Deutschland, wie es einmal war. Wer dorthin zurück will, müßte ihn willkommen heißen. Das hat die AfD, verstockt wie die Juden, noch nicht verstanden. Ihre Informationsdefizite scheinen beträchtlich. Sie hat Abgrenzungsprobleme mit dem Allzunahen. Wer allerdings eine „Leitkultur“ auch heute noch religiös verankern (Söder) und den Islam dabei ausschließen (Seehofer) will, verheddert sich in unlösbare Widersprüche. Insofern sind Wulff  und Merkel konsequent. Wenn Religion – dann alle. Heraus aus dem Dilemma käme man nur durch Aufklärung, will sagen: Beschränkung des genuinen Felds des Religiösen auf die Innerlichkeit. Ganz konsequent hieße das: Laizismus à la francaise.

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