Syrien, der Weltkrieg und das Patriarchat

Jetzt reden sie schon / wieder vom Weltkrieg Nr.3 und fügen beschwichtigend hinzu: „den es nicht geben wird.“ Beschwichtigungsformeln dieser Art, die es auch vor hundert Jahren vor dem Ersten gab, deuten auf tiefe Verunsicherung der politischen, militärischen und auch der intellektuellen Eliten. Ein Zyniker könnte meinen, sie hätten die Nase voll von diesem Planeten und wollten offenkundig einen anderen. Denn daß man diesen nicht mehr bewohnen könne „danach“, darüber sind sich die Experten einig. Dafür wird irgendwann im Verlauf des Krieges die H-Bombe sorgen. Von ihr sind noch genügend Exemplare einsatzbereit, um den meisten auf der Erde lebenden Wesen den Garaus zu machen. „Overkill“ heißt das. Wie sagte Trump: „Wir haben die Bombe. Warum setzen wir sie nicht ein?“ Vielleicht ist er in seiner grenzenlosen Vernunft-Verlassenheit davon überzeugt, daß sein Tower in Manhattan danach noch steht und er es sich wieder im obersten Stockwerk bequem machen kann, während Putin im verdampften Moskau nur noch als Asche friedlich vor sich hin strahlt.

Den Krieg auch nur in der Negation zu denken, wie es gegenwärtig in den Medien der Fall ist, beweist die totale Korrumpiertheit der menschlichen Vernunft. Immer noch leben und denken die Menschen nach den System-Vorgaben des Patriarchats, die älter sind als das Alte Testament, wenn sie auch dessen Welt- und Menschenbild wesentlich prägen: Dominanz, Gesichtsverlust, Vergeltung, Opferwille. Trumpismus und Putinismus verschmelzen zur zeitgenössischen Form des Cäsarismus: Weltreiche als höchstes Politik-Ziel auf dem Fundament von Leichenbergen. Atom-Raketen als überdimensionale Symbole des Phallozentrismus. Der nukleare Phallus nicht als fruchtbar schaffendes, sondern als vergewaltigendes, radikal-zerstörerischen Organ. Das ist keine futuristische Phantasie, sondern Realität. Erigiert stehen die Raketen ganz real in ihren Silos und erhoffen die Befreiung zur finalen Ejakulation. „Finismus“ heißt diese Phantasie oder „Ultimismus“. Der allerletzte, nicht zu überbietende männliche Orgasmus. Danach geht es, so hoffen wir, in anderen Galaxien weiter mit der Vernunftbegabtheit sterblicher Wesen und ihrer Götter.

Dies ist die innerste Dialektik der Männlichkeit, für die Trump und Putin exemplarisch stehen; auch die des männlichen Gottes, dessen Vernichtungswille, glaubt man dem Mythos, sich zuerst in der Sintflut kundtat. Auch sein Stellvertreter auf Erden, der Papst, selbst wenn er Franziskus heißt, stellt sich im Zweifel vor die männlichen Vergewaltiger im phallischen Geist (in Chile). Neu ist allerdings, daß er den heiligen Schwanz einzieht, wenn die Evidenz der Schändlichkeit priesterlicher Sorge um die Seelen junger Menschen erdrückend wird. Immerhin entschuldigte sich Franziskus, anders als Benedikt, bei den Opfern. Als Papst! Chapeau! Zum ersten Mal tat dies einer, der von seiner Unfehlbarkeit gar nicht überzeugt zu sein scheint. Aber auch er ist unrettbar im patriarchalischen System-Schema gefangen, und möglicherweise hat er das begriffen, nicht nur was seine Person, sondern die Kirche. für die er steht, insgesamt betrifft. Sie hat das, was in ihr am Anfang noch weiblich war, nach und nach ausgemerzt und der bewundernden christlichen Welt ersatzweise eine Jungfrau präsentiert, deren Status als kastriertes, geschlechtsloses Weib nur von Individuen (männlichen wie weiblichen) als anbetenswert begriffen wird, die die männliche Herrschaft um jeden Preis bewahren wollen.

Das Patriarchat aber ist die universelle – zeitliche wie räumliche – Krankheit des Planeten, die er, wenn die Menetekel nicht täuschen, nicht überleben wird..

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