Der andere Antisemitismus

Medien haben die Macht, die Gesellschaften klüger zu machen, aber auch dümmer. Gegenwärtig wird inflationär der „Antisemitismus“ verantwortlich gemacht für Angriffe auf Juden, vor allem auf jüdische Kinder, vor allem in Berlin. Eine unüberhörbare Hemmung besteht darin, in den Nachrichten die aus der Neonazi-Szene kommenden Angriffe von denen aus muslimischen Milieus stammenden zu unterscheiden. Für weitere Unklarheit sorgt die gelegentliche „Information“, bei den Angreifern habe es sich um „Deutsche“ gehandelt. Nun sind sowohl Neonazis wie Muslime im Zweifel Deutsche, gehören doch beide, wie man weiß, zu Deutschland, und ihre Weltsichten lassen sich nicht einfach per Dekret verbieten. Zur Rechenschaft ziehen allerdings ließen sich sowohl die einen wie die anderen Übeltäter. Aber auch dabei scheint es Hemmungen zu geben. Und selten wird die Frage gestellt, welche Motivationen den Untaten zugrunde liegen. Es sind radikal verschiedene.

Im Sinn des rassischen Antisemitismus, wie ihn die Nazis dem deutschen Volk einimpfen wollten und durchaus erfolgreich dabei waren, weil sie sich auch auf lange Traditionen stützten konnten, hat der islamische Judenhaß nichts mit „Rasse“ zu tun. Im Gegenteil. Semiten sind sowohl Juden wie Araber. Beide stammen, erzählt der Mythos lt. dem Buch Genesis, von Sem, dem Sohn Noahs ab. Als das ganz frühe Christentum, angetrieben vom grandiosen Plan des Paulus, die Enge der jüdischen Welt verließ, bezog es sich auf Abraham als Stammvater, aber nicht mehr auf Sem. Und die Christen wollten gar nicht so sehr auf den semitischen Juden Joshua Ben Joseph sich beziehen. Vielmehr erklärten sie dessen Volksgenossen zu Erzfeinden und schufen den Anti-Judaismus, der jahrhundertelang das christliche Abendland mit Material für regelmäßig sich wiederholende Pogrome belieferte, um im Holocaust seinen äußersten Exzess zu erleben. Die Juden waren nun für Jahrhunderte die „Gottesmörder“ und die „Verstockten“, die ihren Landsmann aus Nazareth um keinen Peis als den ihnen vorhergesagten Messias anerkennen wollten. Dafür gehörten sie bestraft. „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“, singt der Chor in der Matthäus-Passion.

Diesen wahrlich unchristlichen Geist träufelten die christlichen Kirchen ihren Schafherden lange ein, mit Erfolg. Die heutigen Rechten hierzulande und sonst auf der Welt leben noch von diesem frommen ursprünglich kirchlichen Menu aus Dummheit, Blindheit, Wahn und Minderwertigkeitskomplexen. Andere Speise, etwa aus der Küche der Aufklärung bzw. der Toleranz, bekommt ihnen anscheinend nicht.

Durchaus anders, wenn auch in Teilen verwandt, begründet sich der Judenhaß der heute lebenden Muslime. Schon Mohammed, der beträchtliche Teile seiner Verkündigung von den Juden seiner Zeit aufgeschnappt und für seine Araber zurechtgezimmert hatte, war besessen vom Minderwertigkeitskomplex diesen Leuten gegenüber, die ein „Buch“, die Tora, besaßen. Dies zu bewundern und etwas Ähnliches hervorbringen zu wollen, war seine eigentliche Besessenheit und Leidenschaft. Und er bediente sich bei der Geschichte, die die Juden als ungemein kreatives Volk zu ihrer Selbstverständigung erfunden und aufgeschrieben hatten, von Adam und Eva bis zu Moses, David und Salomo. Später packte er noch dazu, was er vom Evangelium der Christen gehört hatte. So gerieten Maria und Jesus in den Koran, wenn auch in merkwürdig verstümmelter Form.

In den heutigen Koranschulen und Moscheegemeinden, so muß man vermuten, lernen die Kinder noch nicht einmal, daß Ibrahim eigentlich Abraham, ursprünglich Abram hieß. Sie lernen nichts von ihrer Religion in ihrer Abhängigkeit von den Vorgänger-Monotheismen, sondern lernen heute, deren Anhänger seien „Ungläubige“ und ihr Allah sei ein ganz anderer als der Gott der Juden und Christen. Deswegen werden jüdische Kinder bedroht, weil sie nicht an „Allah“ glauben. Natürlich sind gebildete Muslime in der Lage, die Zusammenhänge und auch ihren Gott anderes zu verstehen, aber für den muslimischen Volksglauben ist das alles zu kompliziert. Das Volk wird wie auch bei anderen Religionen mit Legenden und Mythen abgespeist und, weil man Feinde qua „Ungläubige“ immer gut gebrauchen kann, im Zweifel fanatisiert. Katholiken würden das zugeben müssen, wären sie denn ehrlich ihren Überlieferungen gegenüber.

Der gegenwärtige Israel-Haß geht auf das Jahr 1948 zurück, als der Staat Israel dort gegründet wurde, wo bis dahin ein britisches Mandatsgebiet existiert hatte, in dem Araber lebten, die vorher Untertanen der türkischen Osmanen gewesen waren. Die neuen arabischen Staaten führten einige Kriege gegen den neuen jüdischen Staat, die sie sämtlich verloren. Als kaum aufzuarbeitendes Trauma wurde die Niederlage im Sechstagekrieg 1967 erlebt. Sie ist eine der Quellen des Islamismus. Ein gewaltiger Minderwertigkeitskomplex breitete sich über die islamische Welt, und den Juden schlug fortan ein mit Bewunderung vermischter Haß entgegen.  Sie schienen, obwohl zahlenmäßig grotesk unterlegen, unbesiegbar. Solche Vorstellungen erzeugen Ressentiments, gegen die alles Argumentieren vergeblich ist. Die Legende entstand, man habe sich zu sehr vom rechten Glauben entfernt und müsse zurück zum „wahren Islam“. Dann würde man wieder siegen können und den Islam sogar zur Weltherrschaft führen.

Dies sind die Ingredienzien des Hirnwäschepulvers, das muslimischen Kindern verabreicht wird, zumal der jüdische Staat ihnen jenseits seiner berechtigten Daseinsansprüche mit seiner Siedlungspolitik auch nachzuvollziehende Argumente an die Hand gibt. Der Judenhaß der Berliner und anderer muslimischen Kinder ist kein Antisemitismus. Er ist Israel-Haß, gespeist von den Traumata des Jahrhunderts des Imperialismus und der nachfolgenden Einsichten in eigene Rückständigkeit, die immer wieder zu verheerenden Katastrophen geführt hat. Nur ist die Reform des Islam, die allererste Voraussetzung eines Anschlusses an die moderne Welt wäre, natürlich ausgeschlossen, wenn der Islam zur vollkommenen Religion erklärt wird, die nicht reformiert werden könne. Die wenigen Reformwilligen, die es gibt, stehen auf verlorenem Posten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Der andere Antisemitismus

  1. Anonymous schreibt:

    Es gibt kluge Stimmen die behaupten, dass mit dem Sturz Mosaddeghs, all das Elend begann. Der sechs Tage Krieg war sicher ein weiterer Aspekt in dem Minderwertigkeitskomplex der Araber und Perser (bzw. Muslime).

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s