Maria M., ein Film, der Papst und der Feminismus

Gerade ist ein sehenswerter Film in die Kinos gekommen: „Maria Magdalena“. Es geht um jene Mirjam aus dem Dorf Magdala am See Genessaret, die als Opfer einer jahrhundertelangen Verleumdungskampagne der Papstkirche erst kürzlich von Papst Franziskus rehabilitiert und in den Stand einer Apostolin der Apostel erhoben wurde: apostola apostolorum. Die Christenheit kennt sie latinisiert als Maria Magdalena, und viele glauben seit Papst Gregor dem Großen (um 600), sie sei eine Hure gewesen. Die Geistlichkeit spürte offenbar ein dringendes Bedürfnis und spürt es noch heute, das weibliche Geschlecht grundsätzlich mit Unreinheit (Blut) und Sünde (Eva) zu konnotieren, um eine Rechtfertigung dafür zu haben, Frauen (bis auf eine) aus den oberen Etagen ihrer Hierarchie zu entfernen bzw. sie daran zu hindern, das „Wort Gottes“ als Priesterinnen zu verkünden. Die Kirche ist nun mal aus (welchem?) Prinzip gynophob. Die Gottesmutter als einzige in den oberen Etagen geduldete weibliche Person ist eine kastrierte Frau, ewige Jungfrau, ein spätes Konstrukt, um Weiblichkeit nicht ganz auszuschließen, wo doch in den Evangelien viel von Frauen, die Jesus nachfolgen, die Rede ist – besonders hervorgehoben: Maria M.

Der Film zeigt nun ein junge Frau, die nach Meinung ihrer Familie und der Dorfbewohner von Dämonen besessen ist, weil sie sich nicht an die Regeln für Frauen in ihrer Religion hält. Sie wird einem Exorzismus ausgesetzt. Vergeblich. Ein als Heiler berühmter Wanderprediger, auch bekannt als Jeshua Ben Josef aus Nazareth, wird gerufen. Er betritt das Zimmer, in dem Mirjam mit ihren Dämonen kämpft, und sagt, seine Hand auf ihrer Stirn: „Es gibt keine Dämonen.“ Die junge Frau ist geheilt. Sie verläßt ihre Familie gegen deren Widerstand und schließt sich der Jesus-Gruppe an. Zwischen ihr und dem „Rabbi“, wie sie ihn nennen, entwickelt sich ein inniges Vertrauensverhältnis. Sie scheint die einzige zu sein, die seine sanfte Revolution versteht, während die Männer den Aufstand gegen die Römer proben. Besonders Petrus ist erfüllt von Mißtrauen und Eifersucht gegen den weiblichen Störenfried. Als die Römer Jesus als Aufrührer ans Kreuz nageln, weicht Maria nicht von seiner Seite, während die Männer angstschlotternd das Weite suchen.

Was folgt, ist als Mythos von leerem Grab und Auferstehung bekannt. Mythen nehmen für sich das Recht in Anspruch, nie abgeschlossene, immer wieder neu und auch anders erzählte Berichte über Unüberprüfbares zu sein, und mit diesem Recht erzählt nun der Film seine Version, die sich schlicht als „feministisch“ bezeichnen läßt. Der Zuschauer erlebt dass Grauen des Kreuzestodes, sieht den geschundenen Leichnam auf dem Schoß der Mutter, den vielen Pietà-Bildern nachempfunden, sieht die Jünger in ihrer Angst und völligen Orientierungslosigkeit und, abseits von ihnen, die trauernde Maria, auf  einem steinigen Feld liegend. Schließlich hebt sie den tränenverschleierten Blick. In einiger Entfernung sitzt ein Mann, als meditiere er. Sie geht zu ihm. Er ist es. Er lebt. Wie seine Botschaft. Sie geht zu den Männern, die nichts zu verstehen scheinen, und sagt, sie werde jetzt gehen und die frohe Botschaft, d.h. das Evangelium, verkünden

Hauptinspirationsquelle für den Regisseur sind apokryphe Schriften vor allem aus dem zweiten Jahrhundert, in denen Maria aus Magdala als Lieblingsjüngerin erscheint, auf die Petrus eifersüchtig ist und von dem sie sagt, daß er ihr Geschlecht haßt. Petrus ist der Urvater aller Päpste. Auf seinem Stuhl in Rom geben sie vor zu sitzen. Seinen Frauenhaß trugen sie durch die Jahrtausende. Mit großem Erfolg aber doch nicht restlos ist es der Kirche gelungen, weibliche Spuren aus der Geschichte des Christentums zu tilgen. Mirjam aus Magdala war zu präsent in den Evangelien. Die Huren-Zuschreibung durch die Patriarchen der Kirche ist eine Klitterung, eine unentschuldbare historische Infamie, die die gläubigen Christinnen ihnen nie nachsehen dürfen. Vielleicht ist mit Franziskus eine Wende eingetreten, die aber nach seinem Pontifikat durchaus wieder rückgängig gemacht werden kann. Trump hat als Nachfolger Obamas gezeigt, wie so etwas geht.

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