„Heitere Hoffnungslosigkeit“

Diese zunächst paradox erscheinende Einstellung zu ihrer Existenz legt der Essayist Gregory Fuller den heute lebenden Erdlingen ans Herz. Sein Essay hat den Titel: „Das Ende“ und bezieht sich vor allem auf das globale ökologische Desaster.

Wir kennen Endzeitvorstellungen von jeher. Auch Jesus trug sie seinen Anhängern vor. Die biblische Apokalypse beschreibt sie. Aber immer enthielt die Endzeit-Vision die Gegen-Vision einer neuen, gänzlich anderen, einer vollkommenen Welt. Jesus nannte sie „Reich Gottes“. Man durfte also hoffen. Die Religionen bestätigten dieses Bedürfnis, die Hoffnung auf Hoffnung. Zuallerletzt würde sie sterben, will eine populäre Redensart uns weismachen. Folgt man Fuller, werden die letzten Weisen, als Einsichtige, zwar keine Hoffnung mehr haben, es könnte sich nach dem Willen einer allmächtigen transzendenten Instanz noch einmal alles zum Guten wenden, aber sie würden heiter zugrunde gehen, denn dies sei das unabwendbare und zu akzeptierende Ziel des Erdenweges jener Spezies mit dem übergroßen Hirn, die sich für weise hält und „homo sapiens“ nennt. „Heiterer Fatalismus“ wäre also eine alternative Bezeichnung für die Einsicht in das Unabwendbare. Den aber können sich nur Leute diesseits ihrer 50er Jahre leisten. Für deren Kinder sieht es so aus, daß man ihnen wünschen möchte, sie sollten besser nicht gezeugt werden – eine Weisheit, die schon die Antike kannte.

Die ums Jahr 2000 Geborenen könnten, verlängerte man die gegenwärtigen Statistiken, im Schnitt über hundert Jahre alt werden – aber vorher wird der Planet umkippen. Der tipping point, der Point of no return liegt nämlich schon hinter uns. Hätte es dafür einer Bestätigung bedurft, die Wahl Donald Trumps hätte sie dem letzten Optimisten geliefert. Der geballte Irrsinn in dieser Figur deutet auf kein Aus-den-Fugen-geraten-Sein, sondern auf den Durchschnitt der Spezies. Ihren Fugen folgend geht sie konsequent ihren Weg. Sie hat diverse Optionen für die Selbstvernichtung (die Bombe ist nur eine, aber die am schnellsten wirkende). Der „weise Mensch“ scheint gerade so intelligent zu sein, daß es zu Selbstauslöschung reicht.

Der DREYZACK leugnet nicht seine Nähe zu Fullers Grundeinsicht: „In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts werden wir uns bereits am Anfang der Endphase befinden.“ Der Blick auf das jüngst erarbeitete Groko-Programm, das hinsichtlich der Klimakrise nur eine schlecht kaschierte Resignation enthält, bestätigt und verstärkt den Kassandra-Gesang, den ja nicht nur Fuller anstimmt. Die Spezies, von der die Rede ist, sei prädestiniert für die Bedeutungslosigkeit, sagt Fuller und fragt: „Gäbe es unsere Art nicht mehr, was wäre daran schlimm?“ Wer immer noch an den Schöpfungsbericht glaubt, wird aufschreien angesichts eines solchen zynischen Nihilismus. Dabei haben Philosophen wie Hans Blumenberg schon lange gezweifelt, ob das, was man „Schöpfung“ zu nennen sich angewöhnt hat, wirklich gemäß dem Genesis-Bericht als „gelungen“ bezeichnet werden kann. Der Mensch als das vorgebliche opus summum Gottes, das vollkommenste seiner Kunstwerke, sein Ebenbild, könnte auch die Ursache des abschließenden GAUs sein. Der große Kaputtmacher. Gelänge es ihm aber, sein physisches Ende vorerst zu verhindern, bliebe dennoch kein Grund für Hoffnung, denn, so Blumenberg in seinem Buch über die Matthäuspassion: „Die Menschheit könnte zerbrechen nicht erst an ihrem Vermögen, sich selbst auszulöschen, sondern an dem, sich unbegrenzt zu erhalten.“

Hinweis: Der Essay von Gregory Fuller: Das Ende. Von der heiteren Hoffnungslosigkeit im Angesicht der ökologischen Katastrophe, erschien 2017. – Hans Blumenbergs Buch „Matthäuspassion“ erschien 1988 bei Suhrkamp.

 

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