Wenn Muslimas schwimmen

Bonn ist eine tolerante Stadt. Um das zu bekräftigen, entschloß sich die Mehrheit des Stadtrats, in einem transparent und  „lichtdurchflutet“ geplanten neuen Hallenbad Vorrichtungen für Vorhänge anzubringen, die separat badende muslimische Frauen vor den Blicken männlicher Besucher schützen könnten. Ein FDP-Politiker leistete seinen Beitrag zum Thema „Der Islam gehört zu Deutschland“ mit der Bemerkung: „Wir wollen keine Gruppe von der Schwimmbadnutzung ausschließen und uns damit auch den gesellschaftlichen Anforderungen stellen.“ Gemeint ist wohl die „Integration“. „Mulimisches Schwimmen“ soll ein Angebot zu „Teilhabe und Emanzipation“ sein. Wie das? Die Soziologin Necla Kelec hat immerhin begründete Zweifel. Die Geschlechtertrennung im Schwimmbad sei „eine Idee konservativer Islamverbände, die die Herrschaft der Männer über die Frauen wahren“.

Ein paar Tage nach der Veröffentlichung entsprechender Pläne druckte der BONNER GENERALANZEIGER eine ungewöhnlich große Zahl von Leserinnen-Briefen (Männer meldeten sich anscheinend nicht zu Wort), die in einheitlichem Zorn ohne Ausnahme auf die Zumutung der selbsternannten Bonner Integrationsbeauftragten im Stadtrat reagierten.  Hier eine kleine charakteristische Auswahl:

Wie trägt ein derartiges Parallelangebot zur Integration konservativer Muslime bei? Es bewirkt das Gegenteil: Warum sollten streng praktizierende muslimische Gemeinden sich öffnen und am ‚Normalangebot‘ der Mehrheitsgesellschaft teilnehmen, wenn vermeintlich tolerante KommunalpolitikerInnen ihnen immer wieder ‚klosterähnliche‘ Nischen schaffen, wo aus der Zeit gefallene religiöse Verhaltensweisen gelebt werden können?“ –  „Wie weit soll der Toleranzwahnsinn eigentlich noch gehen? Merkt eigentlich niemand, wie so Stück für Stück unsere Kultur, unsere Werte und unsere Traditionen erst aufgeweicht werden und dann verschwinden?“ – „Daß muslimischen Frauen gewissermaßen ein eigenes Recht zur Nutzung nach konservativ islamischem Weltbild und entgegen unserer westlichen Vorstellung eingeräumt werden soll, womit die traditionelle Frauenrolle nur noch fester zementiert wird, finde ich unerträglich.“ – „Muslimische Frauen sollten sich das Recht erkämpfen, in nicht abgetrennten öffentlichen Bereichen schwimmen zu können, statt irgendwo weggesperrt zu werden.“ – „Damit muß in einer freien und offenen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts endlich Schluß sein.“ – „Ein Einknicken vor den konservativen, patriarchalischen Verbänden des politischen Islam ist vorauseilender Gehorsam und falsch verstandene Toleranz. Und zudem Wasser auf die Mühlen der AfD.“ –  „Bitte später nicht fragen, warum Wähler sich für gewisse Lager entscheiden.“ – „Liebe Politiker, stimmt für die Verhängung des Bades, damit Frauen unbeobachtet von den lüsternen Blicken der Männerwelt schwimmen können. Vielleicht besteht ja ein kleiner Funke Hoffnung, daß auch eure Frauen, Töchter und Schwestern zurückfinden zu Keuschheit, Demut und Unterwerfung.“

Der letzte Beitrag trifft ins Innerste der angeblich integrationsfördernden politischen Toleranz gegenüber dem Islam. Gleichzeitig macht er sensibel für die Wahrnehmung einer äußerst paradoxen Allianz. Mit den Gaulands, den Dobrindts, sogar den Grünen und Linken ist man sich anscheinend einig, daß der Islam ein alternatives Modell für eine Gesellschaft anbietet, die mit ihrer überbordenden Permissivität vor allem im Bereich des Sexuellen bedauernswerte Formen des gesellschaftlichen Verfalls, der „Versiffung“ hervorgebracht hat. Stichwort „Achtundsechzig“. Die Diskussion über die „Genderitits“ und das Frauen- und Geschlechterbild legen diese Vermutung nahe. Aber auch Linke und Grüne haben nicht auf dem Schirm, was der Zustrom von Muslimen langfristig für einen schleichenden Umbau der Gesellschaft vor allem für Frauen bedeutet. Das Schwimmbad gibt einen Hinweis. Die AfD teilt im wesentlichen die reaktionäre islamische Vorstellung von Gesellschaft, allerdings unter dem Vorzeichen einer „weißen Dominanz“. Sie berührt sich mit dem Islam so, wie sich Nazismus und Stalinismus berührt haben – als Umarmung von Todfeinden. Gemeinsames Motto: „Zurück in die Zukunft!“

Ausgeblieben ist bislang die Analyse des großen Erfolgs der AfD im September. Es waren nicht die „Flüchtlinge“ qua Flüchtlinge. Es war nicht der „Fremdenhaß“. Es waren die Flüchtlinge qua Muslime. Einige Briefschreiberinnen weisen deutlich darauf hin. „Religionsfreiheit“ kann keine Begründung sein, einer rückwärtsgewandten Parallelgesellschaft mit ihrer Geschlechter-Apartheid und ihren Vorstellungen von der Minderwertigkeit der Frau, von der „wahren Religion“ etc. Ausbreitungsmöglichkeiten zu geben. Es waren Christen aus ihrer christlichen Überzeugung heraus, die den unsäglichen Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ prägten. Weil sie den Islam inklusive Salafismus für eine Religion wie alle anderen Religionen hielten, die Muslime für Verwandte zweiten Grades. Auf jeden Fall für verwandter, näher als jene Ungläubigen, die unterdessen zur zahlenmäßig stärksten Gruppe in unserer säkularisierten Gesellschaft geworden sind. Diesen Cousinen eine Schwimmbad-Nische zu gönnen, wo sie nach den vermeintlichen Geboten ihres Gottes mit der Demonstration religiöser Scham im Burkini diesem Gott auch gefallen könnten, wenn sie schwimmen gehen, war den Kommunalpolitikern offenbar ein Anliegen. Daß Frauen dagegen energisch protestieren, gibt Hoffnung.

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Eine Antwort zu Wenn Muslimas schwimmen

  1. Kopftuchmädchen Kritiker schreibt:

    Wenn meine Tochter in Riad oder Teheran in ihrem Bikini 👙 baden kann OHNE spätestens 5 min später vergewaltigt und gesteinigt (wegen unehelichem GV !!!) worden zu sein, sondern unbehelligt bleibt DANN und nur dann kann man über Vorhänge in anfangen nachzudenken.
    Diese Einbahnstraße ist zuende.

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