Kann man den Koran „erklären“? (1)

Das versucht wenigstens seit geraumer Zeit der DEUTSCHLANDFUNK in seiner allwöchentlichen Freitagssendung „Koran erklärt“. Sie ist wohl als Beitrag zum interreligiösen Dialog gemeint, damit zum Verständnis der bei uns „friedlich und gesetzestreu“ lebenden Muslime – kurz: zum Abbau „islamophober Vorurteile“. Der Kampf gegen AfD, Pegida und die Sarrazins der Republik könnte im Hinterkopf der Redakteure wohl auch eine nicht geringe strategische Sonderrolle spielen.

Behandelt werden Verse etwa zur Himmelsreise des Propheten, zur Legende von den Siebenschläfern, zur Kamelstute Gottes und andere unterhaltsame Legenden. Für den interpretationsfähigen Hörer wird aber auch deutlich, daß Mohammed immer wieder Verse nachgerade bestellte, den Boten Gabriel herbeizitierte, um seine Taten und Absichten, auch ganz private bzw. intime, von höchster Stelle legitimieren zu lassen. Etwa um sein natürliches und für alle Männer nachvollziehbares sinnliches Begehren zu rechtfertigen, überbrachte der Engel die erfreuliche Botschaft: „O Prophet, wir erlauben dir deine Gattinnen, denen du ihre Mitgift gabst und die Sklavinnen und die Töchter deines Oheims väterlicherseits sowie die Tanten und Töchter deines Oheims mütterlicherseits, die  mit dir auswanderten, und jedes gläubige Weib, das sich dem Propheten schenkt, so der Prophet sie zu heiraten begehrt: ein besonderes Privileg für dich vor den Gläubigen“ (Sure 53,50). Was soll man da „erklären“ ? Was auf der Hand liegt, liegt auf der Hand. Polygynie (Vielweiberei) war nun mal Sitte in Arabien vor und nach dem 7. Jahrhundert und Mohammed auch nur ein vielleicht besonders potenter Mann. Und den Koran verstehen kann man sowieso nur aus seinem historischen und geographischen Kontext heraus.

Einen großen Bogen machte man bisher um den Lieblings-Vers des DREYZACK, Vers 4 der Sure 34. Jetzt entschloß sich die Redaktion, dieses heiße Eisen anzupacken mit der festen Absicht, ihm die versengende und das Menschenbild des Islam verderbende frauenfeindliche Tendenz zu nehmen. „Vormoderne männliche Kommentatoren“ hätten – so die Islamwissenschaftlerin Asma Afsaruddin – aus dem Vers die generelle Vormundschaft der Männer über die Frauen abgeleitet. In der Neuzeit werde diese Deutung aber in Frage gestellt. Wie das? Die gläubige gegenwärtige Praxis stellt mitnichten infrage, was einigen Feministinnen muslimischen Glaubens Kopfzerbrechen macht. Richtiggehend rührend-spielerisch wird es mit Bezug auf den Satz: „Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, warnt sie, verbannt sie in ihre Schlafgemächer und schlagt sie.“ Ja, schlagen dürfe der zornige Ehemann sein widerspenstiges Weib, wird eingeräumt, aber „nur symbolisch, etwa mit einem Zahnhölzchen“. Was für ein neckisches Spiel! Du, du Böse! Du verweigerst dich mir? Siehst du hier das Zahnhölzchen? – Kann solch kindischer Schwachsinn dem aufklärungswilligen Hörer wirklich zugemutet werden? Oder die Behauptung, die Gehorsamspflicht der Frauen gegenüber den Männern bezöge sich nicht auf diese, sondern auf Allah. Kann es nicht vielmehr sein, daß jede Ehefrau in ihrem Gatten das Ebenbild Allahs zu erkennen hat? Die Mehrheit der muslimischen Männer wenigstens will nichts von seiner Vorherrschaft abgeben.

Hemmungsloses Wunschdenken, anscheinend einer verzweifelten Ausweglosigkeit hinsichtlich der Frauenrolle im Islam geschuldet, spiegelt sich mit Blick auf den Prügel-Vers auch in der Frage feministischer Exegetinnen wie Asma Afsaruddin an ihre Glaubensbrüder: „Seid ihr sicher? Ein immens gerechter und grenzenlos gütiger Gott soll eine Tat sanktionieren, selbst wenn sie körperliche Gewalt gegen Frauen auch nur andeutet?“ Leider läßt sich die „immense Gerechtigkeit“ wie die „grenzenlose Güte“ Allahs so wenig aus dem Koran ableiten wie entsprechende Eigenschaften Jahwes aus dem Alten Testament. Sogar Jesus, von den beiden Altgöttern weit entfernt, mutete den ihm Nachfolgenden die Vorstellung zu, daß Gott sie in Versuchung führen könnte. Es scheint, daß, feministischen Utopien zum Trotz, das Gottesbild aller Monotheismen zu patriarchalisch einbetoniert ist für einen Transport in eine frauengerechte Gesellschaft. Wenn sie nicht mehr geschlagen werden, wenn sie frei werden wollen von unwürdiger Bevormundung, müssen sie sich schon von Ihm trennen.

 

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