Sprechverbote im Echoraum

Bei Beobachtung der Medien, auch der seriösen, läßt sich eine neue Grenze zwischen dem ausmachen, was gesagt oder auch gedacht werden darf, und dem, was zu sagen oder zu denken nicht erlaubt ist. Im WDR gab der aus Dänemark stammende buddhistische Lama Ole Nydahl ein Interview. Angesprochen auf das Verhältnis zwischen Buddhismus und Islam sagte er geradeheraus: „Wir mögen die Muslime nicht.“ Als einen der Gründe nennt er u.a. die Frauen-Unterdrückung. Die Replik des Moderators ist bemerkenswert und aufschlußreich: „Wenn Sie sagen, wir mögen die Muslime nicht und Sie würden das twittern, dann hätten Sie gleich Streß. Das könnte auch von der AfD kommen.“

Ist das eine Drohung? Eine Warnung? Eine Mahnung mit Blick auf einzuhaltende Political Correctness? Oder vielmehr ein versteckter Hinweis auf eine neue Form von Manipulation der Diskurse? Man denke an den jüngsten Ärger der AfD-Politikerin v. Storch und der TITANIC mit Facebook und Twitter. Storch hatte muslimische Jungmänner mit Anspielung auf „Köln“ des Hanges zur Massenvergewaltigung verdächtigt, das Satireblatt hatte das ironisch aufgegriffen. Beide Tweets wurden gesperrt. Das Argument: Volksverhetzung. Dahinter verstecken neuerdings Twitter und Facebook ihre staatlich gewünschten Zensurmaßnahmen aus Angst vor Strafgeldern.

Hinreichend bekannt ist die an Sucht grenzende Beleidigungsbereitschaft der Muslime und ihr völliges Unverständnis für Ironie, auf das der Lama auch hinwies, wohl auch im Rückblick auf den Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen. Auch das Charlie-Hebdo-Massaker  ist uns allen in frischer Erinnerung. Es scheint, als sei in Teilen von Medien und Politik die Einschüchterung durch die Dschihadisten gelungen, von denen immer wieder allerdings vergeblich behauptet wird, sie seien keine „richtigen“ Muslime.  Mit Verlaub: Sie sind durchaus „Richtige“, sogar „Richtigere“. Also sollten wir uns hüten und lose Reden wie die des Lamas besser überhören. Wieder mal könnten sie ernst machen, und dagegen kann man sich nicht wirklich wehren, wie der Fall Amri zeigte. Ein prophylaktisches Sich-Wehren verstieße im Zweifel gegen die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit, zu der ebenfalls im Zweifel auch die Rache für den beleidigten Gott bzw. Propheten gehört.  Daß sowohl Allah wie der christliche Gottvater vielleicht doch ein und derselbe sind, erhellt übrigens daraus, daß ihre Anhänger sie beide für im hohen Maße beleidigbar halten.

Wer bringt nun die offene Gesellschaft, deren Freiheit vor allem die des Denkens und der Rede ist, in solche Bredouille?  Es scheint sich um eine Zangenbewegung zu handeln. Die wütenden Muslime auf der einen Seite sind allzeit gewaltbereit; die AfD, mit großer Anhängerschaft in Dunkeldeutschland im Hintergrund, provoziert wiederum die Muslime, um die Alt-Parteien zu provozieren, an denen für alle Zeiten der aberwitzige Spruch kleben wird, der Islam gehöre zu Deutschland. Jeder Salafist qua Muslim in Deutschland kann sich auf ihn berufen. Aus dieser Gemengelage ergab sich offensichtlich die Diskursregel, daß alles, was von der AfD gesagt werde mit Blick auf den Islam, zurückzuweisen sei, ob es nun plausibel sei oder nicht. Und ganz nebenbei, fast unbemerkt stellte sich CSU-Spitzenmann Dobrindt, allen Verteufelungen zum Trotz, in die Reihen der AfD und hinter die Grundsätze ihrer Programmatik, indem er eine „konservative Revolution der Bürger“ in Aussicht stellte, um die Folgen der 68er Revolution zu beseitigen. Alle Gaulands dieser Welt würden in einer Reihe mit den Dobrindts marschieren, wenn es zum Showdown käme, denn beider Erzfeind ist die linke Bewegung, die sich vor 50 Jahren daran machte, die Republik umzukrempeln und aus dem Adenauer-Mief das halbwegs gelüftete Land zu machen, in dem auch Angela Merkel gern lebt.

Dobrindts inhaltliche Anbiederung an die AfD, sofern nicht der Islam Thema ist, läßt sich als verzweifelter Versuch verstehen, dem Zugriff der der muslimisch-rechtsnationalen Zange irgendwie zu entkommen, indem sie signalisiert, wir Rechten, ob christlich oder muslimisch, seien doch alle Brüder und Schwestern und müßten uns gemeinsam gegen das so vaterlands- wie gottlose Gesellentum stellen. Fragt sich nur, wie eine erneuerungsbedürftige SPD, die dem Schröder-Schatten entkommen will, mit den reaktionären Dobrindts, die ihr dunkeldeutsches Gedankengut mit der AfD teilen, eine gemeinsame Plattform finden will.

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