Vorbeben (2)

Der wahre Garten Eden – das ist die Öde.                                                                                     Ziel der Geschichte – das ist das verwitterte                                                                     Ruinenfeld. Der Sinn – das ist der durch die                                                                       Augenhöhlen unter das Schädeldach geblasene, rieselnde Sand.                         

Diese Zeilen schrieb 1983 der Philosoph Ulrich Horstmann in seinem Buch „Das Untier“. Das „Untier“ – das war der Mensch. Horstmann wurde von vielen seiner Kritiker als durchgeknallter Apokalyptiker lächerlich gemacht. Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, stellt sich die Frage, wieviel Apokalyptik wir uns leisen müssen bzw. dürfen, um einerseits zu überleben, andererseits um ernstgenommen zu werden in den Debatten über die Klimakatstrophe anläßlich der Nachrichten über gewaltige CO2-Anstiege in den letzten Dekaden.

Wagen wir eine radikale These unter Inanspruchnahme eines Filmtitels aus den 70ern: „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“ (Alexander Kluge). Der Mittelweg war immer der Weg der Weisen. Schon die alten Griechen (Aristoteles)  empfahlen ihn und warnten vor Exzessen sowohl auf der linken wie auf der rechten Seite des Denkspektrums. Der Mittelweg ist auch der Weg der Vernunft, der Demokratie. Er wird in Debatten ausgehandelt, führt zu Kompromissen und bewahrt die Menschen in der Regel vor noch mehr Unheil, als ohnehin schon geschieht. Die Menschheit scheint dazugelernt zu haben in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die nicht der Natur zugerechnet werden konnten wie noch das mehrfache Artensterben innerhalb der Erdgeschichte, sondern einzig der Spezies, die sich selbst „sapiens“, also „weise“ nennt. Der Mittelweg ist nie der kürzeste. Wer ihn gehen will, braucht Zeit und Geduld.  Beide wären, sollte man annehmen, Tugenden, die Politikern gut zu Gesicht stünden.

Haben wir Zeit? Hilft uns Geduld, um mit einem demokratisch, also auf dem Mittelweg,  gewählten Psychopathen Klimaziele auszuhandeln? Wer sich traut, diese Fragen „radikal“ zu Ende zu denken, wird sie verneinen. Die wissenschaftlich bestätigten Erkenntnisse über die Entwicklung des Weltklimas lassen, wiederum ganz und gar nicht ausgewogen formuliert, nur eine schaurige Konsequenz zu: Die Welt bräuchte eine brutale Öko-Diktatur. Und die wird es nicht geben. Daraus ergibt sich eine andere, nämlich jene apokalyptische Konsequenz. Der Ausgang ist nicht offen. Martin Heidegger, der sich zu keinem Gott bekannte, sagte einmal, nur ein Gott könne uns retten. Es war klar, daß er meinte, wir seien nicht zu retten. Wer heute an Rettung glaubt, durch ein Wunder oder den Eingriff einer wohlwollenden Transzendenz, hängt dem bekannten Palmström-Prinzip an, wonach nicht sein kann, was nicht sein darf. Auch geistig höchst zurechnungsfähige Zeitgenossen gehören heute zur riesigen Palmström-Sekte der Realitätsverleugner.

Als vor 2000 Jahren durch die römische Provinz Palästina ein charismatischer Wanderprediger namens Jeschua Ben Joseph zog, verkündigte er nicht nur das Ende der Welt, wie man sie kannte, sondern das Heraufkommen eines neuen Reiches, von dem er sagte, es sei das Reich seines Vaters. Die Römer richteten ihn hin, weil sie das mit dem neuen Reich ganz diesseitig als Aufforderung zum Umsturz interpretierten. Die Jünger des Predigers bewahrten aber die Botschaft vom kommenden Reich, das sie mit der Wiederkehr ihres Rabbi verbanden, und als er nicht zurückkehrte, blieben sie der Botschaft vom Reich Gottes treu. Bis heute. Sie vermischten sich teilweise mit den Palmströmianern und schalten die  Horstmänner, Adornos und Koestlers „Schwarzseher“ oder „Apokalyptiker“ – letzteres allerdings mit einem heute gängigen negativen Vorzeichen. Arthur Koestler etwa hatte, dem biblischen Schöpfungsbericht blasphemisch widersprechend, das Ebenbild Gottes als „Irrläufer der Evolution“ diskriminiert. Die Apokalypse im klassischen Sinn (Johannes-Offenbarung) enthielt aber das Versprechen von Neubeginn und Rettung. Weil diese Hoffnung fragwürdig geworden ist, hilft nur noch Leugnung und Verdrängung des Bevorstehenden. Dies beobachten wir derzeit überall in der Politik. Für die Politiker scheint es „alternativlos“ zu sein.

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