Das Elend Afrikas ist das Elend der Afrikanerinnen

Wir haben immer noch nicht verstanden. Die Krise Afrikas, aus der heraus die Migrantenströme sich übers Mittelmeer ergießen, wird von der Politik vor allem als ökonomische verstanden. Dabei ist es eine kulturelle Krise. Fragt man gebildete Afrikaner oder noch besser Afrikanerinnen, bekommt man Antworten, aus denen sich die tiefe Verwurzelung des heutigen afrikanischen Patriarchats und damit der elementaren Frauenunterdrückung aus der Kultur bzw. den archaischen Traditionen des ganzen Kontinents ableiten läßt. Die Frauen-Unterdrückung und -Ausbeutung hat neben der verbreiteten kleptokratischen politischen Ordnung der Staaten und der Korruption jene Folgen, die wir als Wirtschafts-Migration gründlich mißverstehen. Afrika ist nicht „arm“, weil es arm ist. Pumpen wir Geld hinein, blähen sich lediglich die Konnten der Machthaber; liefern wir Nahrungsmittel, vergessen die Bauern, wie man Felder bewirtschaftet, wie man an Wasser kommt. Die jeweils nächste Hungerkatastrophe und die Kriege um Ressourcen und Macht sind  programmiert.

Die in Burkina Faso arbeitende senegalesische Ordensfrau Anne Béatrice Faye bringt in einem DLF-Interview das Problem Afrikas auf den Punkt: „Dort lastet auf den Frauen das Gewicht der Tradition. Der Dialog zwischen Mann und Frau ist nicht vorgesehen. Der Mann gilt als höherwertig. Frauen werden sehr unterdrückt. Dabei ist Bildung, die Frauen vorenthalten wird, fundamental. Mädchen, die zur Schule gehen, die Abschlüsse haben, können den Ballast der Tradition leichter abwerfen.“ Zum Kernbestand dieser Tradition gehört der Kinderreichtum, der im Verein mit Polygamie nicht nur eine öffentliche Demonstration männlicher Potenz und Macht auch der machtlosesten Männer ist. Vielmehr ist der Kinder-„Reichtum“ wesentlich verantwortlich für Armut und Entwicklungsrückständigkeit und für einen Bevölkerungsdruck, dessen Folgen Europa mit zunehmender Härte abzuwehren versucht. Männer können die Kinder, die sie zeugen, nicht ernähren; Mütter können außer Gebären und für Mindeststandards von Ernährung zu sorgen, keine Bildung erwerben, die sie in der Lage versetzen würde, sich dem Druck der patriarchalen Traditionen zu entziehen und damit auch dem gesellschaftlich auf ihnen lastenden Gebärzwang.

Die Ordensfrau Faye verweist auf die vielleicht tiefste Schicht , die den gesellschaftlichen Wandel, der im Untergrund brodeln mag, wie festgewordenes Sedimentgestein nicht durchbrechen läßt: „Die Vorstellung, gegenüber Männern minderwertig zu sein, ist tief im Kopf afrikanischer Frauen verankert. Das Gefährlichste spielt sich im Innern der Frauen ab. Sie sind in der Beibehaltung der Tradition oft härter als Männer.“ Zu ergänzen wäre, daß dies auch für die Tradition der Genitalverstümmelung gilt. Außerdem: ein Schelm, der nicht auch an gewisse Strukturen im Katholizismus denkt, wo die weibliche Unterdrückung etwas sublimer organisiert ist. Zudem ist der christlich-katholische Einfluß dort, wo er in Afrika groß ist, indem er Familienplanung behindert, zu verklagen wegen Beteiligung an der Erniedrigung eines ganze Kontinents,  indem er seine Frauen erniedrigen hilft. Der Ordensfrau Faye mag zugestanden werden, die Treue zu ihrer Kirche nicht allzusehr zu strapazieren, indem sie auf der Möglichkeit „natürlicher“ Verhütung verweist, als da sind Enthaltsamkeit und Coitus interruptus. Der ihr vielleicht verborgene Zynismus dieser Empfehlung liegt darin, daß wieder ausschließlich den Männer die Macht über den weiblichen Körper, über Schwangerschaft und Geburt zugestanden wird.  Keine Frau in Afrika kann ihren Mann, der nicht selten ihr täglicher Vergewaltiger ist, zur Enthaltsamkeit zwingen, und die Richtung des Samenergusses kann sie noch weniger steuern. So verfestigt sich die männliche Herrschaft,  bringt einen Kontinent zur Bevölkerungs- und Armutsexplosion und bürdet vor allem den westlichen Zivilisationen Verantwortungen auf, denen sie nicht gewachsen sind, obwohl sie einen gehörigen Teil Mitschuld tragen.

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