Alternativer Jäger

Alexander Gauland gab am Wahlabend den Steve Bannon. Nicht nur versprach er, auf all die etablierten und saturierten Parteien und Abgeordneten im Bundestag eine Treibjagd zu veranstalten. Mit der Drohung „Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen“ brüllte er zudem eine Phrase nach, die der böse Geist des Donald Trump, eben Steve Bannon, einst viel leiser und gefährlicher klingend in den Anfangstagen des Trump-Regimes den Journalisten, die ihm schreckensbleich zuhörten, zugeraunt hatte. Wer aber ist „Wir“? Und um welches „Land“ oder „Volk“ geht es?

Die Sprache, um die sich Gauland bemühte, klingt an die biblische an. Assoziiert soll werden: Das Volk befindet sich in der babylonischen oder ägyptischen oder europäischen Gefangenschaft von Angela Merkel und ihren Paladinen. Die AfD, das „Wir“ des Volkes wahrhaft repräsentierend und behütend, werde es als deutscher Moses durch die Wüste herausführen in das gelobte Land: in das Deutschland, das ohne quälende Schuld-Erinnerung, ohne Scham und Scheu vor großen Worten die Heldentaten seiner Soldaten wieder rühmen darf. Offengelassen wird die Frage, die von der Neu-Sympathisantin Erika Steinbach stammen könnte, inwiefern dieses deutsche Volk vor über 70 Jahren seiner wertvollen Ost-Gaue unrechtmäßig beraubt wurde – auch eine Unrechts-Tat offenbar wie die Euro-Rettung und die Grenzöffnung.

Seit dieser Öffnung fallen Fremdvölker über Deutschland her, und Teile des Volkes, von der Willkommens-Propaganda der staatstragenden Medien aller natürlichen abwehrenden Kräfte beraubt, opfern schulterzuckend und hilflos ihre Frauen und Mädchen den sexuell ausgehungerten Jungmännerhorden aus Nahost. Rasseschande und Vermischung des Volksblutes, als Multi Kulti bagatellisiert, wird nicht nur geduldet, sondern als Beitrag zur Globalisierung begrüßt. Dies alles wird die über 90 Sitze starke Alternative Fraktion nicht nur anprangern, sondern über die Parteien hinaus dem Volks-Hirn einbleuen, auf daß der Volks-Zorn noch gewaltiger werde, als er schon ist.

So ähnlich wird wohl das „Jagen“ aussehen. Was in den USA gelang, sollte auch in Deutschland möglich sein. Groß war damals der Jubel der AfD-Prominenz, als Trump gewonnen hatte. Er ist ihr Vorbild, nicht die Nazis, es sei denn, man hält Trump etwas kurzschlüssig für einen „Nazi“. Mit den Nazis von damals ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen, und die Nazi-affinen Sprüche über Schande von Denkmälern und Ruhm der Wehrmacht gingen heute in allen reaktionären Zirkeln unbeanstandet durch. Deshalb ist auch die Nazi-Etikettierung für die neue Jagdgesellschaft im Parlament wenig zielführend, wenn es darum gehen wird, sie zu „entzaubern“. Das wird deshalb nicht ganz einfach sein, weil das Gesellschafts- und Familienbild der rechten Parlamentsneulinge dem der CSU fatal ähnelt. Und dann haben sie ja noch ihre Vorzeige-Lesbe Alice Weidel, eigentlich ein blondes Paradox auf zwei Beinen. So eine soll die Union erst mal an prominenter Stelle vorweisen!  Sie ist, nachdem die halbwegs „normale“ mehrfache Mutter Frauke Petry ihren Abschied eingeleitet hat, die neue Jeanne d’Arc der selbsterwählten Volks-Retter.

Wenn Medien und Politiker gern, um die Partei in die Schmuddelecke zu drängen, ihr „Islamkritik“ (für viele gleichzusetzen mit „Islamophobie“) vorgehalten haben, dann beweist das, wie sehr das Denkschema, alles was von der AfD kommt, sei nur wegen seiner Herkunft schon abzuqualifizieren, Ausdruck von Denk- und Diskussions-Faulheit ist. Wer sich entschließt, wie einige Diskutanten im TV am Wahlabend empfahlen, die neuen Störenfriede einfach zu übersehen, nicht mit ihnen zu reden, macht den beklagenswerten Ist-Zustand unserer Demokratie überdeutlich. Wer hat da eigentlich Angst vor wem und warum? Und in Sachen Islam kann man von den Alternativen zwar nichts wirklich Neues lernen, aber ihre Kritik des politischen Islam trifft die Sache sehr genau. Über seine reale Gefahr jenseits des Terrorismus könnte man trefflich streiten oder über seinen Einfluß auf das Geschlechterverhältnis hierzulande. Der Islam in seiner salafistischen Variante, wie er hier auch gelebt wird und wie er neuerdings großen Zulauf erfährt, kann nicht als etwas verharmlost werden, was, weil nur eine Minderheit ihm anhängt, zu Deutschland durchaus „gehören“ könnte – weil Religionsfreiheit und so. Religionskritik gehört eben zu jenem aufklärerischen Erbe, auf das wir doch so stolz sind.

Von Karl Marx stammt der Satz, Religionskritik sei die Grundlage aller Kritik. Diese Sentenz kann nicht nur deswegen falsch sein, weil sie von Marx stammt. Und mit dem haben die neuen Rechten wahrhaftig wenig am Hut.

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2 Antworten zu Alternativer Jäger

  1. Karl Ranseier schreibt:

    Zu Trump:
    Der böse Geist von Donald Trump führt gerade im Zuge der Entobamaisierung die Rechtsstaatlichkeit an amerikanischen Universitäten wieder ein:
    https://www.wsj.com/articles/restoring-due-process-on-campus-1506290978?mod=e2tw
    http://www.nationalreview.com/corner/450003/martin-center-article-states-restoring-due-process
    Hintergrund zum Due Process:
    https://de.wikipedia.org/wiki/5._Zusatzartikel_zur_Verfassung_der_Vereinigten_Staaten#Due_process
    „Der fünfte Verfassungszusatz verbietet, dass jemand ohne due process of
    law (rechtsstaatliches Verfahren) verurteilt wird. Due Process of Law
    gewährt prozeduralen und inhaltlichen Schutz. Der sogenannte procedural
    due process (Deutsch: angemessener prozeduraler Rechtsprozess)
    garantiert den Anspruch auf faire und unparteiische Rechtsverfahren, die
    anhand etablierter Regeln und Prinzipien funktionieren.“

    Zu unseren etablierten „demokratischen“ Parteien:
    Die in der Hysterie des Falles der (rechtskräftig verurteilten Falschbeschuldigerin) Gina-Lisa Lohfink von Justizminister Maas angeregte und letztlich beschlossene Verschärfung wurde Ende letzten Jahres vom Bundestag ohne eine Gegenstimme mit stehendem Applaus beschlossen, obwohl jeder bloggende Richter, Strafanwalt bis hin zu Bundesrichtern im Netz detailliert vorher dargelegt hatte, wieso und weshalb diese Verschärfung falsch ist.
    Die Regierung wollte nicht einmal ein in Auftrag gegebenes Gutachten abwarten – so schlimm war es mit dem Herdentrieb. Die von Prof. Norbert Bolz in diesem Zusammenhang zitierte Nölle-Neumannsche Schweigespirale sorgte dafür, dass sich kein Abgeordneter im Bundestag traute, nicht der Gesetzesvorlage zuzustimmen.
    Das Gutachten des wiss. Dienstes des Bundestages erschien diesen Sommer. Es ist vernichtend.
    Wenn nicht ein Einziger sich traut, sich der Hysterie zu entziehen und aus guten, schon vorher im Netz ausführlich dargelegten Gründen die Verschärfung abzulehnen, dann löst das bei mir erhebliche Besorgnis aus. Bei Ihnen vermutlich nicht, weil die Herde der Richtigmeinenden sich ja auf Trump und AfD eingeschossen hat, und da ist man auf jedem anderen Auge blind. Frauenquote verstößt gegen Art. 3 GG? Interessiert uns nicht.
    Mit solchen gruppendynamischen Prozessen kann man noch ganz andere Sachen beschließen. Dies ist nur einer von vielen Fällen, die ich aufzählen könnte. Hauptsache immer schön weitermachen im Kampf gegen die „Demokratiefeinde AfD“.

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  2. Karl Ranseier schreibt:

    Zwei Typos: es war natürlich Mitte letzten Jahres, als das Sexualstrafrecht verschärft wurde.

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