Herz der Finsternis – reloaded

Katja Kipping, die Linken-Vorsitzende, hat die Lösung für Afrika und gegen die Fluchtursachen: Diese müßten in Afrika selbst bekämpft werden, etwa indem man den Afrikanern einen fairen Handel anbietet. Der jüngste Afrika-Gipfel habe nicht dazu gedient, reale Lösungen für bessere Lebensverhältnisse im Maghreb oder Subsahara-Afrika herbeizuführen. Kipping hat recht. Bis heute ist, vergröbert ausgedrückt, Afrika für den industriellen Westen, speziell für Europa ein Lieferant billiger Rohstoffe und Markt für europäische Agrarüberschüsse. – Angela Merkels Plan ließe sich etwa so zusammenfassen: Afrika soll Teil der Globalisierung werden. Deutschland und die G-20-Staaten sollen helfen, daß Afrika für Firmen der industrialisierten Welt ein lukrativer Standort wird. Afrika soll also Asien und seine „Erfolgsgeschichte“ kopieren.

Sowohl Kipping wie Merkel gehen davon aus, daß der Westen Afrika helfen muß, weil es sich selbst nicht helfen kann bzw. durch postkoloniale Strukturen (Ökonomie) daran gehindert wird, sich selbst zu helfen, und weil es unsere moralische Pflicht sei als ehemalige Kolonialherren. Unendlich viele Pläne, die nicht zuletzt angesichts der auf dem Mittelmeer treibenden Schlauchboote und der potentiellen Leichen auf ihnen entwickelt wurden, sehen die Ursache der Misere, direkt oder indirekt eingeräumt, in der kolonialen Vergangenheit des Kontinents. Der sich unvoreingenommen stellende Beobachter, der etwa in den Kongo, in den Südsudan, nach Gambia oder Eritrea blickt, glaubt dort und woanders Elemente zu erkennen, die als genuine der afrikanischen „Kultur“, wenn es so etwas gibt, zu charakterisieren wären. Eine Gesellschaft, die sich aus Familien, Clans und Stämmen zusammensetzte und von den ehemaligen Kolonialherren in Staaten zusammengepfercht wurde, deren Gemeinsames außer in neuen Flaggen und Hymnen, die man bei Sportereignissen zu sehen kriegt, in jahrhundertelanger Gegnerschaft besteht, wird zu einem friedlichen Zusammenleben im schlimmsten Fall so lange brauchen wie die Völker Europas nach dem Zerfall des Römischen Imperiums.

Am Beispiel Südsudan läßt sich das exemplarisch studieren. Zuerst erstrebte die schwarzafrikanische Bevölkerung im Süden des Sudan die Unabhängigkeit vom arabisch dominierten Norden und erhielt sie 2011. 2013 kam es zu Konflikten zwischen den Ethnien der Dinka und der Nuer, personalisiert in den Personen des Präsidenten und des Vizepräsideten. Seitdem herrscht Bürgerkrieg. Das Land gilt als „gescheiterter Staat“. Der Konflikt ist nur einer in einer langen Reihe ähnlicher, aus denen der Genozid in Ruanda als besonders grausam hervorsticht. Hinzu kommt als vielleicht noch bedeutsamerer Faktor, daß Kleptokraten, die ihre Völker häufig in Kooperation mit westlichen Firmen ausbeuten und vor allem dafür sorgen, daß es ihren eigenen Familien gut geht, der afrikanische Standard-Regierungstyp sind. Das Merkel-Modell der Afrika-Hilfe würde mit hoher Wahrscheinlichkeit diesen Räubern wieder zugute kommen wie bisher. Für jene Massen, die durch die Wüste zum Mittelmeer streben, häufig nicht wissend, daß sie dort sterben könnten, gäbe es nicht weniger Gründe, das Paradies nicht in Europa zu suchen.

Der langfristig aber wichtigste Faktor für die Beurteilung der Zukunftschancen ist das Bevölkerungswachstum. Die Zahl der Afrikaner wird sich bis 2050 verdoppeln, während das Wachstum überall sonst stagniert, sagen die Statistiker. Der Machismo der afrikanischen Männer (ein „Kultur“-Merkmal), die ihr Mann-Sein zeugend und auch systematisch vergewaltigend zur Schau stellen, ist dabei kein geringer Faktor ebenso wie der Einfluß der christlichen Kirchen, die katholische voran, die Verhütung verbieten, selbst wenn AIDS droht. Aberglaube, wozu fast alle Varianten der sog. „Hochreligionen“, auch der Islam, gehören, ist in Afrika heute so verbreitet wie im mittelalterlichen Europa. Wie damals fast alle Europäer glauben sehr viele Afrikaner heute an Zauberei und Hexerei.

Der Weg aus dem Elend führt wohl nicht über die Zusammenarbeit westlicher Firmen mit afrikanischen Staaten bzw. deren Chefs, sondern über Bildung vor allem der Frauen. Was als Allerweltweisheit heute verbreitet ist, scheint in politischen Beratergremien noch nicht angekommen: daß nur die Bildung der Frauen das Bevölkerungswachstum bremsen kann. Nichts sonst. Aber genau dies scheint, vor allem in den islamisch geprägten Gebieten des Kontinents, sich gegen die tradierte Kultur zu richten, in der die Frau eher als Arbeitstier, Sklavin und Gebärmaschine denn als vollwertiger, gleichberechtigter Mensch angesehen wird. Und schon raunen die Verwalter des Rechts der Völker: „Kolonialismus“. Jede Form der Aufklärung ist ihnen Verwestlichung, so daß entsprechend gepolte feministische Gruppen sogar die Genitalverstümmelung von Mädchen in Kauf nehmen, um nicht auch nur in Riechweite eines wie auch immer gearteten „Rassismus“ zu geraten.

Der Schlüssel zum Wandel in Afrika liegt, wie übrigens auch in Indien, bei den Frauen. An ihrer Befreiung und Bildung liegt es, ob, wie gesagt die Geburtenrate gesenkt und damit die Armut bekämpft werden kann. Aber die Unterdrückung der Frauen ist zentraler Teil jener Kultur, die anzutasten jedem, der es etwa als Westler versucht, den Ruf, „Rassist“ zu sein, einbringen kann. So gesehen ist Afrika das größte Opfer eines anhaltenden, von Kulturen und Religionen gestützten Patriarchats, dessen Opfer nun zu Tausenden ertrunken im Mittelmeer treiben.

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