Ist der Feminismus ein Rassismus?

In den Tagen nach „Köln“, als alle sich empörten und das Frauenbild des Islam verantwortlich machten (so auch der DREYZACK), gab es eine erstaunliche Abweichung vom bürgerlichen und feministischen Mainstream (Fraktion Alice Schwarzer), die man mit dem Terminus „Oktoberfest-Syndrom“ charakterisieren könnte. Jene Frauen nämlich standen für die Abweichung, die nicht den muslimischen Mann und sein Frauenbild ins Visier nahmen (wie es etwa auch die femen-Aktivistinnen tun), sondern den globalen Machismo, wie er sich schon immer vergewaltigenderweise etwa auf dem Oktoberfest ausgetobt habe. Den Islam bzw. die männlichen Muslime für die Attacken verantwortlich zu machen, sei schierer „Rassismus“.

Dieser Begriff, inzwischen ähnlich inflationär gebraucht wie „Islamophobie“ und meist in Zusammenhang mit letzterer, bezeichnet kritisch alles, das sich jeder Art von Fremdheit widersetzt. Also auch einer fremden Religion, selbst wenn sie „zu Deutschland gehört“ und dort ihr Fremdsein nicht abgelegt hat, auch gar nicht ablegen kann. Mit seiner Ursprungsbedeutung hat er nichts mehr zu tun. Rassistisch ist für diese feministische Linke (nennen wir sie die „Queer-Fraktion“) dasselbe, was für die Achtundsechziger „faschistoid“ war. Korrekterweise sollte man auch „rassistoid“ sagen, was nicht den manifesten Rassismus (etwa Hitlers) meinte, sondern den latenten.  Es hat den Anschein, als hätten heute für diesen Flügel Rassismus und Islamophobie ein größeres Bedrohungspotential als Homophobie und Sexismus.

In dem Sammelband „Beißreflexe“ (Herausgeberin  die „Polit-Tunte“ Patsy l’Amour laLove), worin die Gegenposition eines „Schwarzer-Feminismus“ vertreten wird, heißt es: „Unter Liberalen und Linken wird der politische Islam als Problem häufig verleugnet. Eine breite Aufklärung gegen Rassismus und Islam sucht man vergeblich.“ Zur in dem Band kritisierten Gruppe gehört der von der Philosophin Judith Butler inspirierte Zweig des sog. „Queer“-Feminismus, der sich jetzt von den „Beißreflexe“-Autoren zu unrecht angegriffen fühlt. Hinsichtlich des Begriffs „Rassismus“ gibt es, vor allem mit Blick auf den Islam, wie man sieht, offenbar eine große Verwirrung. Ist der Muslim, der Frauen verachtet (wie die meisten Muslime und Katholiken und ultraorthodoxen Juden) ein „Rassist“, obwohl Frauen keine „Rasse“ sind, sondern nur „fremd“? Ist der „Gynophobe“ gleichzusetzen mit dem Islamophoben –  wegen der Fremdheit des angstmachenden Objekts? Ist der, der jene Muslime kritisiert bzw, bekämpft, die Frauen verachten und unterdrücken, ein „Rassist“, weil er sich gegen „Rassisten“ als die „Anderen“, vielleicht sogar Frommen wendet? Ist der als „islamophob“ markierte Religionskritiker ein Rassist, weil sich im Zweifel die Religiösen als eine Art „Rasse“ von ihm beleidigt oder auch nur verunsichert fühlen?

Der DREYZACK hat sich von Anfang an zu „Rassismus“ und „Islamophobie“ bekannt wie auch zum Feminismus und zum Atheismus. Als Atheist bekämpft er allerdings den Rassismus der Religiösen, insofern der auch ein Anti-Feminismus ist. Als Feminist kritisiert er die scheinbar ewigen und gottgewollten Strukturen des „Patriarchats“, eine Kategorie, die in den gegenwärtigen Debatten kaum mehr auftaucht, wohl weil sie ihr kritisches Potential aufgebraucht hat. Wer sich, welchen Geschlechts auch immer, zu einer monotheistischen Religion bekennt, bekennt sich zum Patriarchat. Es zu bekämpfen bedeutet somit, den Patriarchen-Gott und seine Anhänger bekämpfen.

Wer, etwa als konventioneller Mann, den innerfeministischen Kämpfen nicht ohne Amüsement zusieht und sich vom Jargon der kämpfenden Parteien ausgeschlossen fühlt, mag immerhin zugeben, daß das Projekt einer „feministischen postkolonialen Theorie“, wie es Daniela Hrzán in diversen Texten mit entworfen hat, eine Lücke schließen könnte, um etwa zum Verständnis afrikanischer Kulturen vorzudringen, die die Mädchenbeschneidung (Female Genitale Mutilation – FGM) praktizieren. Vielleicht ist es gar nicht so schrecklich, sinniert die Expertin und versetzt sich in eine Somalierin hinein, von der sie gehört hat, „daß erfüllte Sexualität nicht zwingend mit Orgasmusfähigkeit in Zusammenhang gebracht werden“ müsse. Im Umkehrschluß heißt das, erfüllte Sexualitt auch für die Frau gibt es dann, wenn der Mann zu seiner Befriedigung kommt. Da hat die Autorin den Islam sehr gut verstanden. Wer in dieser Richtung unterwegs ist, wehrt sich für die Muslime gegen eine „Bevormundung durch den westlichen Freiheitsbegriff“. Die westlichen Diskurse über den Islam und Afrika seien „sexualisiert und rassisiert“. Die Frauen jener Gegenden möchten nicht auf ihr Genital reduziert werden, heißt es. Sie nähmen sich selbst gar nicht als „verstümmelt“ wahr. Entsprechend schlägt Hrzán vor, „Verstümmelung“ durch das neutrale „Schneiden“ zu ersetzen, FGM durch FGC: „Female Genitale Cutting“. Dann ist der Sprung nicht mehr weit zur Parallelisierung gewisser westlicher Schönheitskorrekturen an der Vulva und der Operation mit rostigen Rasierklingen und Scheren, die die Mädchen gegen ihren Willen ihres ganzen Genitales berauben.

Wenn also nicht „verstümmelt“ wird, sondern nur „geschnitten“, sieht die ganze Sache doch viel freundlicher aus. Wir privilegierten Westler sollten uns nicht die Robe oberster Moralrichter anziehen, wenn es um andere Kulturen geht. Dort seien die Menschenrechte nicht erfunden worden, und man sollte sich nicht wundern, wenn die Beschneiderinnen und die Eltern ihrer „rein“ zu erhaltenden Töchter keinen Zusammenhang zwischen der archaischen Operation und jenen Rechten sähen.  Wir Westler haben durch das Verbrechen des Kolonialismus – steht wohl im Hintergrund der Ideologie – das Recht verloren, Mädchen und Frauen jener Gegenden beschützen, gar retten zu wollen vor den blutigen Auswüchsen eines nie infrage gestellten Patriarchats. Auch als Vertreter_innen eines Feminismus nicht, der sich um Gerechtigkeit in einem viel weiteren Umgang kümmern müßte, als um Gerechtigkeit für Frauen.

Wie immer in diesem Zusammenhang verweist der DREYZACK jene, die nach authentischem Material für die obige Problematik suchen, auf die Schriften von Ayaan Hirsi Ali, vor allem auf ihre Autobiografie „Mein Leben, meine Freiheit“.     

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