Allah, Adenauer und Donald Trump

Ein Kalauer vorweg: Von Adenauer ist der Spruch überliefert: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!“ Allah offenbart in Sure 2,106: „Wenn wir einen Vers (aus dem Wortlaut der Offenbarung) tilgen oder in Vergessenheit geraten lassen, bringen wir (dafür) einen besseren oder einen, der ihm gleich ist. Weißt du denn nicht, daß Allah zu allem die Macht hat?“

Sowohl der Rhöndorfer Patriarch wie der ewige und allmächtige Gott nehmen für sich in Anspruch, alle, die an sie glauben, in die Irre führen zu dürfen, um ihnen danach den Einstein (Zunge herausstrecken) zu machen. Die Macht, von der Allah spricht, ist die, Fake-News (bzw. Befehle) in die Welt zu setzen, um sie bei Bedarf durch neue Fakes (bzw. gegensätzliche Befehle) zu ersetzen, von den Gläubigen aber zu verlangen, sie in jedem Fall für Non-Fakes zu halten. Wir ahnen, daß es Donald Trump ist, der sich zu den beiden gesellt, indem er mit seinen Fans verfährt, wie diese mit ihren Anhängern.

Die Islamwissenschaftler sprechen mit Blick auf die sonderbare Einsicht, Gott könne sich irren und seinen Irrtum widerrufen, von „Abrogation“ (arabisch: nasih), auch wenn die Vermutung nicht sehr entlegen ist, Mohammed könne sich verhört oder die späteren Verschriftlicher des Koran sich verschrieben haben. Interessant wird der Aspekt der Abrogation aber, wenn es unter den Auslegern zum grundsätzlichen Streit kommt. Wird vorausgesetzt, neuere Verse seien immer maßgeblich gegenüber älteren der gleichen Thematik, wird also Gott ganz gegen seine substantiellen Eigenschaften verzeitlicht, dann könnte es Folgen haben für ganz elementare Fragestellungen. Etwa: Ist der Islam eine friedliche, tolerante Religion, oder ist er aggressiv, kämpferisch, auf Welteroberung eingestellt? Sure 9 beginnt mit der Aufforderung, im Kampf gegen die Ungläubigen vertragsgemäß einen Aufschub bekanntzugeben. Nach Ablauf der Frist aber sollen die Ungläubigen erschlagen werden, „wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf“. Gegebenenfalls auf einem Berliner Weihnachtsmarkt oder in den Konzertsälen von Paris und Manchester.

Korankommentatoren, zu deren Anhängern Anis Amri und Genossen offenbar gehören, vertraten die Ansicht, nach Ablauf des Aufschubs seien alle existierenden Verträge mit den Ungläubigen annulliert, mithin alle früheren Verse abrogiert, die von Versöhnung mit den Ungläubigen sprechen. Wer für Islamophobie anfällig ist wie der DREYZACK könnte auch mit Blick auf gewisse Hadithe, die den Muslimen in der Diaspora, also in der Minderheit , Zurückhaltung und Toleranz empfehlen, für den Mehrheitsfall aber Aufgabe der Toleranz, einen zu Deutschland gehörenden Islam als Keimzelle einer Gefahr zunächst vor allem für Frauen deuten. Er muß dazu nicht auf Pegida-Märschen inspiriert worden sein.

Die Diskussionen um die Bewertung der Abrogationen dauern innerhalb der muslimischen Theologenschaft bis heute an, wie der Arabist Cornelius H.M. Versteegh im DLF erläuterte. Ob die Liberalen, die eine friedliche Koexistenz mit anderen Religionen befürworten, oder die Dschihadisten, die unbedingt den Kampf gegen die Ungläubigen führen wollen, schließlich sich durchsetzen, sei, so Versteegh, noch nicht ausgemacht.

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