Politische Theologie

Der Kirchentag ist vorbei. Wichtige Politiker waren da und bekannten sich. Vor allem zu Toleranz und Frieden. Auch suchten sie das Gespräch mit dem Islam. Dafür war der oberste Theologe der Sunniten, Großscheich al-Tayyeb, aus Kairo angereist. Unterdessen überfielen einige seiner Glaubensgenossen in seiner Heimat einen Bus und töteten viele Ungläubige – koptische Christen. Daraufhin sprach der Großscheich, der sich nach Manchester gerade mit dem deutschen Innenminister auf das Mantra „Das hat mit dem Islam nichts zu tun“ einigen wollte, die unwahren Worte: „Kein Ägypter, kein Christ, kein Muslim sympathisiert mit solchen Taten.“ Al-Tayyeb bat auch darum, gegen diejenigen vorzugehen, die durch ihre Taten den Eindruck erweckten, der Islam sei brutal und blutrünstig. Er verstehe nicht, daß der Islam als Religion des Terrors gelte, wo doch die meisten Terroropfer Muslime seien. Die Unterstellung, die Täter ihrerseits seien keine Muslime, ist so bizarr kontrafaktisch wie sie den gesunden Menschenverstand beleidigt. Aber keiner weist den heiligen Mann ob solcher Zumutungen an die realitätsorientierte Vernunft zurück.. Es ist eben Kirchentag.

Einer ähnlichen Rabulistik bediente sich Wolfgang Schäuble in einem DLF-Interview, indem er sich einem ehemaligen Bundespräsidenten und der Kanzlerin mit der irritierenden Aussage anschloß: „Ich habe gesagt, der Islam ist ein Teil Deutschlands. Und das ist eine Tatsachenbeschreibung, die kann man schlecht bestreiten.“ Diese Tatsachenbeschreibung will den Millionen Ahnungslosen im Land sagen 1.) daß es „den Islam“ gibt,  und gleichzeitig wohlweislich verschweigen,  daß 2.) dieser in einigen seiner wirkungsmächtigsten Varianten die Tötung von Ungläubigen und Beleidigern, die Todesstrafe bei Apostasie, die Steinigung wegen Unzucht, das Zu-Tode-Prügeln bei unbotmäßigem  Bloggen (Beleidigung des Propheten etc,) vorschreibt. Erwartbar ist die Einführung dieser Scharia-Vorschriften überall, wo der Islam die Mehrheitsreligion wird. Also im Zweifel auch bei uns und in Schäubles Schwabenland. Wer immer diese Wahrheit ausspricht wird ohne Gegenargumente mit dem Schimpfwort „islamophob“ bedacht und damit einer mentalen Erkrankung bezichtigt.

Daß islamistische Führer und Fatwa-Verkünder die Muslime ermahnen, in der Diaspora, wo sie die Minderheit sind, sich zurückzuhalten, um auf den großen Tag zu warten, wo sie die Mehrheit sein werden, ist den Toleranz-Fundamentalisten im Lande nicht klar. Sie sind so ahnungslos wie sie volksbelehrend auftreten. Die Beispiel Indonesien und demnächst vielleicht Philippinen sollten entsprechend gedeutet werden. Der Mehrheits-Islam ist auf der Basis seiner Heiligen Schrift und der Sunna ein Islamismus. Die Masse der bei uns lebenden Türken hängt diesem natürlich nicht an, aber in den nachwachsenden Generationen sieht es schon anders aus. Wer seit den ersten Gastarbeitern die Szene beobachtet, hat verstanden, daß eine früher unübliche Identifizierung mit der Religion statt mit dem Staat und seinen Gesetzen um sich greift. Ich bin jetzt nicht mehr in erster Linie Türke oder gar Deutscher, sondern zuerst einmal Muslim. Hilfreich bei der Bewertung des Wandels ist die Beobachtung der weiblichen Bekleidung, die die sog. „Burka-Frage“ hat aufkommen lassen.

Hierzu sprach nun die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann den ebenfalls irrlichternden Satz: „Es ist doch absurd, die geschätzt 300 Burkaträgerinnen in Deutschland zur zentralen Frage einer Leitkultur zu machen.“ Auch hier macht sich Geschichtsvergessenheit bemerkbar. Vor wenigen Jahrzehnten sah man Verschleierte und Burkaträgerinnen weder auf den Straßen Kairos noch Teherans oder Kabuls. Daß Käßmann (eine Frau!) den die Frauen erniedrigenden Aspekt der Verschleierung auf eine Frage der Quantität (die man dann auch auf die Genitalverstümmelung anwenden könnte) reduziert, verweist auf das zugrunde liegende Beschwichtigungsbedürfnis, seit Chamberlain auch als Appeasement-Politik bekannt. Nebenbei wäre zu bemerken, daß auch bei uns die Verschleierungsquote zunimmt. Es ist einem weitsichtig (nachhaltig) denkenden Menschen zuzumuten, seine Urteile nicht nur vom Standpunkt der Gegenwart zu fällen.. Die dem politischen Islam innewohnende Dynamik ist, so scheint es, noch nicht durchschaut.

 

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