Haare und Hände

Die Dress-Codes und die Körper-Codes in der islamischen Welt scheinen noch ausgeprägter, sowohl vieldeutiger als auch eindeutiger zu sein als anderswo. Jetzt verursachten in den Medien die frei flatternden Mähnen der Trump-Frauen Melania und Ivanka in Riad viel Rätselraten darüber, was sich der Trump-Clan dabei wohl gedacht habe. Und was die Gastgeber wohl empfanden, für die als Anhänger der wahhabitischen Richtung des Islam sichtbares Frauenhaar absolut haram ist. Die Welt dieser Islam-Variante ist mehr noch als benachbarte Welten (ultraorthodoxe Juden etc.) durch und durch sexualisiert. Der phallische Blick tastet den weiblichen Körper, sofern er in der Öffentlichkeit meist tiefverschleiert erscheint, gleichsam permanent ab; der dahinter wirkende anscheinend uneindämmbare Trieb sendet starke Hunger-Signale, und die Geschlechter-Apartheid im öffentlichen Raum bewirkt das Gegenteil des Erstrebten – der Befriedung der Geschlechterspannung: „Tabarrush jiinsi – sexuelle Belästigung, die von Angaffen und anzüglichen Bemerkungen bis hin zu Exhibition, öffentlicher Masturbation und körperlichen Übergriffen reichen kann – spielt sich auf den Straßen der ganzen arabischen Welt ab,“ schreib Shereen El Feki in ihrer Studie über das „Liebesleben in der arabischen Welt“ („Sex und die Zitadelle“).

In fast rührender Weise gab ein saudischer Mann, dem der Anblick Ivanka Trumps vergönnt war, indirekt das ganze Elend seines Geschlechts in seiner Kultur preis, das mit dem Elend der Frauen korrespondiert,  indem er twitterte: „Zum ersten Mal sehe ich eine richtige Frau.“ Dahinter setzte er zwei Herzen. Ein anderer äußerte twitternd den Wunsch: „Wir sollten unsere Beziehungen mit Trump verbessern und seiner Tochter viele Investitionen garantieren, damit sie unser Land häufiger besucht.“ Wenn sie wenigstens das Bild hätten vom Ewig-Weiblichen Goethes, um hinangezogen zu werden, hinaus aus dem Käfig ihrer religiösen Kultur! Aber sie haben nur wandelnde schwarze Säcke vor Augen in ihren Straßen. Und der Trieb wird immer hungriger und wütender und verwandelt sich auch für die Frauen in einen Wolf.

Bei uns, berichtete eine Afghanin, ist das Kopfhaar schambesetzter als das Schamhaar, das wie alle Körperhaare zu rasieren Pflicht ist. Und die Berührung, wie sie sich König Salman erlaubte, indem er Melania die Hand schüttelte, war in den Augen saudischer Fernsehzuschauer im Zweifel eine Aufforderung zum Beischlaf. Aber bekanntlich gilt überall:  Quod licet jovi non licet bovi. Das Volk Arabiens ist an jede Form von Doppelmoral und Heuchelei gewöhnt. Und die an sich begehrenswerten weiblichen Körper werden als quälende und damit hassenswerte wahrgenommen. Auch Ivanka würde daran bei eventuellen nächsten Besuchen nichts ändern, sogar selbst Haßobjekt werden. Zu den Attacken junger Männer, halber Kinder noch, auf Frauen in den Straßen bemerkt die Muslima Shereen El Feki, die einen ägyptischen Vater und eine walisische Mutter hat: „Sie machen diesen ganzen Mist aus Furcht. Sie haben Angst. Sie sind verängstigte kleine Jungs. Das beginnt mit 13 und dauert bis sie 30 sind. Alles macht ihnen Angst. Sie haben Angst, verurteilt zu werden. Angst, abgewiesen zu werden. Angst, das Falsche zu sagen oder zu tun. Angst davor, verlassen zu werden. Angst, daß sie betrogen werden. Sie sind unglaublich unsicher.“ El Feki verkneift sich die Schlußfolgerung, daß solche Männer für Frauen und nicht nur für sie die gefährlichsten sind.

Die Gefahr zeigt sich vor allem in einem Überschuß von Aggressivität. Auch wenn in den Straßen Europas der Terror tobt, ist es nicht unangebracht, dahinter letztlich jene Demütigungen zu vermuten, die El Feki beschreibt. Die aber stammen aus der Kultur, aus dem Islam selbst, dürfen, wie es nicht selten geschieht, den bösen Kreuzfahrern nicht auf die Rechnung geschrieben werden. Und das wissen auch manche klugen Köpfe in der arabischen Welt wie der ägyptische Starmoderator Amr Adeeb („Kairo heute“), der wütend zu den Anschlägen in Paris und Brüssel Stellung nahm: „Die Täter waren ganz klar Muslime. Alle schreien, diese Terroristen sind keine Muslime. Nein, ihr lügt! Diese schlimmen Dinge kommen aus unserer Religion. Unsere Religion ist voll von diesen menschenverachtenden Lehren. Wir wachsen mit diesen Lehren auf. Das ist Teil unserer kranken Psyche. Sagt mir nicht, der IS, das seien keine Muslime. Niemand kann dich mißbrauchen, wenn du gesund bist.“

Unserer Religion macht uns krank, erklärt also dieser Muslim. Sigmund Freud behauptete dies von allen Religionen. Sie seien Ausdruck einer kollektiven Neurose. Wir haben, sofern wir uns der christlichen „Leitkultur“ zurechnen, keinen Grund uns überlegen zu fühlen. Stolz sein können wir einzig auf die Aufklärung als eine genuin europäische Leistung. Die Theologen der Al Azhar-Universität wissen das. Für sie ist Aufklärung, wie die Europäer sie verstehen, Teufelszeug.

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2 Antworten zu Haare und Hände

  1. Rapunzel schreibt:

    Melania und Ivanka haben alles richtig gemacht!
    Alles!
    Ich denke, dass dieses eine sehr bewusstes Statement war. Bravo!
    Ansonsten kommt aus dieser ganzen Administration nur ein Haufen Scheiße

    Gefällt mir

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