„Weltweiter islamischer Widerstand“

Dazu hatte 2005 der Mastermind des Gegenwarts-Dschihadismus aufgerufen, der Syrer Abu Musab als-Suri. Heute scheint dieser Aufruf aktueller denn je, unterscheidet er sich doch von den Großangriffen à la 9/11 und zeigt sich in den globalen, scheinbar isolierten Attacken einzelner Attentäter, die die Größe ihres Gottes rühmend mit Messern, Gewehren oder Lastwagen Ungläubige töten, auch solche, die sich selbst als Muslime verstehen, liberale, Angehöriger einer „feindlichen“ Richtung, aber vor allem muslimische Apostaten..

Der französische Politologe und Terror-Experte Gilles Kepel hat jüngst Studien über den Dschihadismus in Frankreich und seine Auswirkungen auf die französische Gesellschaft vorgelegt, nicht zuletzt angesichts der bevorstehenden Wahlen. Für Kepel ist Abu Musab al-Suris Manifest die wichtigste Anleitung für die neuen islam(ist)ischen Terroristen. Das Ziel ist die Zerstörung des gesellschaftlichen Zusammenhalts vor allem in Frankreich sowie ein sich anschließender Bürgerkrieg, aus dem die Muslime siegreich hervorgingen (eine Variante von Houellebeqs „Soumission“). Aber beileibe nicht nur in Frankreich sollen die unterdrückten und gedemütigten Muslime aufstehen, meint al-Suri. Neben den „muslimischen Verrätern“ wie Ayaan Hirsi Ali, Abdelwahab Meddeb, Ihn Warraq , Hamed Abdel-Samad u.a. sind die Juden oder westlichen Islam-Verächter wie Charlie Hebdo im Visier des neuen Dschihadismus. „Wenn ihr einen amerikanischen oder europäischen Ungläubigen töten könnt, speziell aber einen bösen und dreckigen Franzosen, dann könnt ihr auf Allah zählen. Tötet sie wie immer es geht“, erklärte im November 2016 der IS ganz im Geiste al-Suris. Der ganze Entwurf weist eher auf ein System als auf eine Organisation à la Al-Kaida. Rhizome nannten die Philosophen Deleuze und Guattari einmal solche sich wie Flechtwerke von Pilzen ausbreitenden Gebilde geistiger Natur.

Glaubt man Gilles Kepel und anderen Experten, ist der Islam gerade dabei, diese Art Guerillakrieg in die Städte und Staaten der Ungläubigen zu treiben. Ereignisse wie die Flüchtlingskrise 2015 bieten sich als hervorragende Transportvehikel für den neuen Dschihadismus an. Der neue Kriminalitätsbericht des Innenministers enthält durchaus Hinweise auf solche Terror- und Gewaltimporte. ZEIT-online faßte zusammen: „Die Gewaltkriminalität nimmt wieder zu. Und das liegt vor allem an den Taten von Zuwanderern. Ohne die Straftaten von tatverdächtigen Zuwanderern wäre die Gewaltkriminalität entweder weiter gesunken oder zumindest nicht gestiegen.“ Politisch korrekt klingt solch ein Fazit nicht. Aber wie hängt Gewaltbereitschaft mit Terrorismus zusammen?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht, dem Alter der Gewalttäter und der statistischen Auffälligkeit. Wie überall auf der Welt sind junge Männer, die „gefährlichsten Raubtiere“ des Planeten, zuständig für die meiste Gewalt. Je patriarchalischer und je mehr vom Motiv der „Ehre“ besessen, um so eher werden rote Linien, die unterdessen in Europa gelten, überschritten. Keine Ideologie oder Glaubensgemeinschaft (außer den Hindus) teilt die Männlichkeits- und Familienideale des Patriarchats so hemmungslos, ja wahnhaft wie der Islam. Unterschiede zwischen Sunna und Schia sind nicht festzustellen. Alles, was eine Zivilisation im Verhältnis zu anderen ausmacht und sie bewerten läßt, wird exemplarisch an der Stellung der Frau deutlich. Wer sie in Säcke hüllt, unsichtbar macht und lebenslang in Unmündigkeit hält wie der traditionelle Islam, hat damit auch sein Urteil über sich als Zivilisation gesprochen. Jede derart vermummte weibliche Person auf den Straßen und Plätzen auch der westlichen Städte fordert nicht die Toleranz gegenüber anderen Religionen heraus, sondern Solidarität mit den muslimischen Frauen und Empathie für ihr Schicksal. Letztlich – eine äußerste Utopie – müßte man sie von ihrer Religion „befreien“.

Die Fortschritte, die auf diesem Feld seit dem Beginn der Aufklärung mühsam erkämpft wurden (Emanzipation, Menschenwürde, Atheismus)  und die die „Ungläubigen“ in den Augen der Muslime vor allem von ihnen unterscheiden, würden überall dort  rückgängig gemacht, wo der politische Islam mächtig wird. Das Beispiel Türkei mag das verdeutlichen. Hier wird nicht nur eine Diktatur in Gestalt eines Sultanats errichtet, sondern letztlich ein Gottesstaat. Er ist und muß sein das Ziel aller frommen Muslime, wie die Erwartung des zur Weltherrschaft greifenden Messias im Zentrum des Denkens und Hoffens aller ultraorthodoxen Juden steht. Deren Messias „soll die ganze Menschheit dazu bringen, den einen und einzigen Gott anzuerkennen und ihm zu dienen“ (Zitat aus „Basiswissen Judentum“). So deckungsgleich können die Dogmen der Abrahamiten sein, wenn man sie genauer unter die Lupe nimmt. Die christliche Kreuzzugsmentalität, anscheinend überwunden aber in Gestalt des Imperialismus wiederbelebt, paßt durchaus ins Konzept.

Es kann also nicht um Religionsfreiheit für die gehen, denen letztlich jedes Gewaltmittel recht ist, um mit ihrem Glauben die ganze Spezies zu beglücken (Missionsbefehl).  Die Amalgamierung von Religion und Massenvernichtsungswaffen könnte am Ende der Geschichte des Homo sapiens stehen. Solche Waffen in den Händen des IS oder anderer Fanatiker, daran kann kein Zweifel bestehen, würden zu Vernichtung der Ungläubigen eingesetzt und die Selbstvernichtung einschließen. Die Menschheit als globaler Suizid-Bomber. Dahinter wartet nur noch das Paradies für die, die geglaubt haben.

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