Zana Ramadani spricht

Weil in Sachen Religions- bzw. Islamkritik zwischen der Position des DREYZACK und der Autorin Zana Ramadani kein Blatt Papier paßt, schmückt sich der DREYZACK  ausnahmsweise mit den Federn der als albanische Muslimin geborenen Verfasserin des Buches „Die verschleierte Gefahr“. Wir geben gekürzt ein Gespräch mit dem DLF wider:

Frage: In Ihrem Buch haben Sie die beiden Worte „islamisch“ und „islamistisch“ denkbar eng miteinander verklebt. Sie schreiben „islami(sti)sch. Das klingt, als wäre das Extremistische und Fundamentalistische im Islam grundsätzlich und immer schon enthalten. Ist das so?

ZR: Ja. Es ist so. Man kann durch die Suren, durch die Hadithen und durch die Sunna Mohammeds sehr vieles belegen, was Politik ist und was das Radikale bedeutet. Und das ist ja das, was die Terroristen oder radikale Menschen heutzutage ja auch mit begründen. Die Texte gibt es, die sie zu Hilfe nehmen. Und deswegen ist das natürlich ein Teil dieses Gesamtkonstrukts Islam. Dieser Teil muß bekämpft werden, und der hat einfach mit spirituellem Glauben nichts zu tun. Dieser undefinierbare Islam, der momentan weltweit herrscht und auch zum größten Teil gelebt wird, ist ein Teil leider davon

Frage: Ist dieser Islam, den sie gerade angesprochen haben, eine Religion der Gewalt?

ZR: Alle monotheistischen Religionen sind sehr gewalttätig und gewaltbereit. Natürlich haben sich andere Religionen schon größtenteils davon emanzipiert. Leider fehlt es in der islamischen und muslimischen Community ganz stark, das erst mal klar zu benennen. Und sobald man das klar benennt, kann man das erst wirklich bekämpfen. Deswegen ist dieses Islam-Mantra „Das hat mit dem Islam nichts zu tun“ so extrem gefährlich.

Frage: Warum?

ZR: Weil man diese Sachen, die in den Texten vorliegen und die bis heute noch gelebt werden, damit relativiert und außerhalb so tut, als gäbe es sie gar nicht. Ich kann nur etwas bekämpfen, was ich klar benenne. … In der ganzen islamischen Welt, auch in Deutschland, ist die Mehrheit wirklich zwiegespalten  zwischen ihren Werten und Moral und der westlichen Welt. Manche sind stark genug, sich da herauszuarbeiten, zu kämpfen. … Um so wichtiger ist es, daß man die Kinder erreicht und den Kindern ein offenes Leben außerhalb der Familien ermöglicht, damit die nächsten Generationen eine Identität entwickeln, wie ich sie entwickelt habe.

Frage: Sie beschreiben, wie sehr sich Muslime in Deutschland radikalisieren, insbesondere diejenigen, die hier geboren sind, wie wenig sie sich z.B. an die liberalen Werte unserer Gesellschaft halten, auch damit gebunden fühlen, daß sie z.B. ihre Religion über die Demokratie stellen. Warum ist das so?

ZR: Sie haben eine sehr romantisierte Form des Islams im Kopf. Abgesehen davon haben die Islamverbände in den letzten 10, 15 Jahren großartige Arbeit geleistet. Für mich sind das nicht Islamverbände, sondern islamistische Verbände.

Frage: „Großartige Arbeit“ meinen sie ironisch?

ZR: Das meine ich sehr ironisch. Sie haben Integration geleistet, indem sie immer wieder die Ausländer, die Migranten daran erinnert haben, daß sie erstens Muslime sind und zweitens Türken, Albaner, Araber oder sonst etwas und drittens vielleicht irgendwann mal Deutsche. Aber sie werden nie wirklich Deutsche werden, und sie dürfen keine deutsche Identität entwickeln. Das ist das, was die Verbände in den letzten 10, 15 Jahren getan haben. Und unsere Politik hat diese Islamisten noch hofiert. Dadurch haben Menschen – zweite, dritte Generation – mittlerweile eine neue Identität entwickelt, und zwar das Moslem-Sein. Das ist die neue Identität, nicht die Identität „Ich bin Albaner“, „ich bin Araber“, „ich bin Türke“ , sondern „ich bin zuerst Moslem“.

Frage: Andere Experten sagen: Es fehlt den jungen Muslimen in Deutschland an einer eigenen Identität. Sie fühlen sich hierzulande nicht richtig angenommen, auch im Heimatland ihrer Eltern fühlen sie sich vielleicht nicht mehr richtig zu Hause und sind deshalb auf der Suche nach einer Identität. Und die deutsche Mehrheitsgesellschaft verweigert ihnen eine Identität als vollwertige deutsche Muslime. Können Sie diese Argumentation nachvollziehen?

ZR: Nein. Die deutsche Gesellschaft ist nicht daran schuld. Das sind nicht alles Rassisten, sondern ganz im Gegenteil. Ich wurde immer sehr offenherzig und sehr warmherzig empfangen. Ich war immer ein Teil dieser Gesellschaft, weil ich immer ein Teil dieser Gesellschaft sein wollte. Ich habe mich nicht abgegrenzt. … Es ist ja auch einfach, sich in der Opferrolle auszuruhen und zu sagen: „Ihr laßt mich ja nicht ankommen.“ Man muß sich auch selber bemühen, wirklich anzukommen und nicht immer anecken zu wollen. … Die Mehrheitsgesellschaft ist nicht rassistisch. Sie ist in Deutschland humanistisch und bereit zu helfen. Aber sie ist nicht bereit, sich auf der Nase herumtanzen zu lassen oder sich ständig als Nazi beschimpfen zu lassen. Die Bringschuld wird von Deutschland, von der Mehrheitsgesellschaft (ich zähle mich dazu) erbracht. Wir helfen. Aber wir können Menschen nicht helfen, die nicht unter Asylrecht fallen oder niemals hier ankommen wollen.

Frage: Sie werfen der deutschen Gesellschaft „Toleranzwahn“ vor. Was meinen Sie damit? Andere nennen das „Willkommenskultur“

ZR: Es entwickelt sich momentan so, daß man alles, was westlich ist, kritisieren darf, aber alles, was eine andere Kultur innehat, nicht kritisiert werden darf, gerade auch, was die muslimische Kultur, was den Glauben angeht. Was den muslimischen Glauben angeht, den darf man nicht hinterfragen, den darf man nicht kritisieren, sonst ist man sofort ein Rassist.

Frage: Das ist das, was manche dann als zu viel politische Korrektheit bezeichnen.

ZR: Politische Korrektheit, die momentan so ausartet, daß es sich zu einem Wahn entwickelt hat. Ich merke, daß ein Teil der linken Szene, gerade alle, die jünger sind als ich (33), völlig durchdrehen.

Frage: Sie arbeiten sich in ihrem Buch am Kopftuch ab, das Sie sehr stark kritisieren als „Symbol der Unterdrückung“, als „Instrument der Geschlechterapartheid“. Was ist mit den muslimischen Frauen, die sagen, sie tragen es aus Überzeugung, freiwillig, sie wollen das so. Glauben Sie denen nicht?

ZR: Wir haben hier einige Kopftuchlobbyistinnen, die hervorragend argumentieren. Etwa: „Ich trage das freiwillig, mein Hidschab ist mein Schutz, ich trage meinen Hidschab, um mich vor dem Benehmen anderer zu schützen, um als Mensch wahrgenommen zu werden, und ich trage meinen Hidschab, weil es meine Sittlichkeit zeigt.“ Die religiösen Texte und die Aussagen vieler Imame sagen: Sie zeigt damit ihre Religiosität und daß sie nicht belästigt werden will. Was sagt mir das als Frau, die keinen Hidschab trägt? … Als Feministin kann ich keinen Hidschab tolerieren, der nur Frauen auferlegt wird. Dieses Symbol steht ganz klar für Geschlechterapartheid und Geschlechtertrennung. Wir haben uns da herausgekämpft und dafür sind wir der Frauenbewegung so dankbar. Wie kann ich als Frau tolerieren, daß Frauen fordern – und das tun sie ja dann auch, sie zeigen auch der nächsten Generation, daß es das Richtige ist, in ihren Communities so herumzulaufen – daß man sich entweiblichen muß und daß Geschlechter wieder getrennt werden müssen, damit das System wieder funktioniert. Das sind klare Rollenmuster, die wir heute noch bekämpfen.

Frage; Ist der Islam eine frauenverachtende Religion?

ZR: Jede monotheistische Religion ist frauenverachtend. Bei den anderen hat sich vieles getan, vieles hat sich da entwickelt. Die evangelische Kirche ist weiter als die katholische. Bei den Katholiken ist auch sehr viel im Umbruch. Aber der Islam hinkt auf  der ganzen Welt hinterher und in Deutschland auch.

*    *    *

Über die weitgehenden Parallelen zwischen den Ansichten Zana Ramadanis und denen des DREYZACK sollte man sich nicht wundern. Auch mit Ayaan Hirsi Ali teilen wir Religions- und Islamkritik weitgehend. Wir teilen sie eigentlich – sollte man denken – mit allen in der aufgeklärten Moderne angekommenen Frauen und Männern. Aber es ist de facto eine Minderheit, die seit 250 Jahren gegen die Windmühlen der religiösen Mythen kämpft, sofern deren Mythen-Charakter nicht durchschaut wird. Es kann einem durchaus passieren, daß im Gespräch ein deutscher hochgeachteter Professor die Wortwörtlichkeit der neutestamentlichen Auferstehungserzählung wütend gegen Skeptiker behauptet und gleichzeitig alle anderen Religionen der Unwahrheit, ihre Dogmen betreffend, bezichtigt. Der Fundamentalismus ist kein muslimisches Alleinstellungsmerkmal. Aber auch das ist keine Neuigkeit.  Inzwischen gehören Kreationisten sogar zur Washingtoner Regierungsmannschaft.

Vielleicht  kommen bei Zana Ramadani die nicht-muslimischen Religionen zu gut weg. Immerhin haben die Katholiken ein teufelsgläubiges Oberhaupt, schulen und beschäftigen sie Exorzisten und ihre Kleriker betätigen sich weitgehend ungestraft als Kinderschänder. Richtig ist aber auch, daß sie heute keine Märtyrer (Suizid-Bomber) heranzüchten und Apostaten nicht mehr verbrennen. Da hat der auspeitschende, steinigende und köpfende Islam Nachholbedarf. Das zuletzt geborene Ururenkelchen Abrahams ist wohl auch sonst etwas zurückgeblieben, wenn man etwa seine Vorstellungen vom Paradies in Augenschein nimmt. Auf die Idee eines paradiesischen Bordells muß man erst mal kommen. Aber letztlich ist es eine Frage der historischen Rückständigkeit. Den Flegeljahren einer Religion kann durchaus ein vernünftiges Mannesalter folgen. Hoffen wir.

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