Haben Männer „keine Zukunft“?

Im FAZ-Feuilleton kann man Spekulationen (des männlichen Autors Walter Hollstein) darüber lesen, daß Männer „keine Zukunft“ haben. Gemeint ist eigentlich nicht „der Mann“, obwohl nur wenige Exemplare für den Erhalt der Spezies genügten und man den Rest wie männliche Küken schreddern könnte, sondern gemeint ist das Männlichkeitsideal der zurückliegenden Jahrtausende. Männliche Werte wie Mut, Leistungswille und Autonomie hätten ihre Vorzeichen geändert und erschienen nun in linksfeministischen Diskursen als Aggressivität, Karrierismus und Bindungsunfähigkeit. „Male Bashing“ ist offenbar die Antwort auf den Slogan der Trumpianer „Don’t be a Pussy!“. In diesem Schlagworten zeigt sich so plastisch wie drastisch eine in der westlichen Welt seit langem als elementar wahrnehmbare Auseinandersetzung, genannt „Geschlechterkrieg“.

Immer wieder seit der französischen Revolution probten die „Pussies“ den Aufstand, gab es „Pussy Riots“ (Suffragetten), aber die Erfolge schienen im historischen Rückblick eher bescheiden. Der „Mensch“ der Menschenrechte war immer der Mann, weil ja der nach Gottes Ebenbild geschaffene Mensch auch der Mann ist. Die Gleichzeitigkeit revolutionärer dynamischer Prozesse und asymmetrischer unbeweglicher Geschlechterverhältnisse scheint eine historische Gesetzmäßigkeit zu sein. Das Frauenwahlrecht im Vaterland der Revolution wurde beispielsweise erst 1944 eingeführt. Global gesehen hat sich heute die Stellung der Frau auch im Zeichen eines wiedererstarkten Islam sogar verschlechtert. Die Lage der Frauen in Indien, Pakistan, Afghanistan etc. oder in ganz Afrika kann als umfassende physische Ausbeutung, Entrechtung  und Sex-Sklaverei nicht hineichend drastisch beschrieben werden; vielmehr sinken in diesen Weltgegenden Frauen auf die Stufe von Haustieren herab, die den sexuell attraktiven Nachteil einer menschlichen Gestalt besitzen. Dort gilt immer noch ohne jeden Zweifel „It’s a Man’s World“.

Die eherne Bastion dieser phallokratisch-religiösen Weltsicht mitten im „Abendland“, das immerhin die Aufklärung und das Ieal der Gleichheit erfunden hat, ist die katholische Kirche. Dort haben sogar Männer wie Tebartz van Elst  und viele klerikale Vergewaltiger durchaus „eine Zukunft“, wie sie eine unhinterfragte Vergangenheit hatten. Und die Millionen Katholikinnen, die ihrer Kirche als Menschen zweiter Klasse dienen, finden das sogar richtig, weil „naturgemäß“, wobei „Natur“ und „Tradition“ gleichgesetzt werden. Schon Simone de Beauvoir stellte 1949 nicht ohne Ironie fest: „“Ein aufrichtiger Glaube hilft dem Mädchen von jedem Minderwertigkeitskomplex: Sie ist nicht Mann und nicht Weib, sondern ein Geschöpf Gottes.“ Auch deshalb wählten sie, quasi geschlechtlich neutral, weil ein Papst in den USA nicht zur Wahl stand, Donald Trump, der den gottgewollten Kerl im Haus so authentisch repräsentierte, daß sein Hang zur sexuellen Übergriffigkeit ihm nur als männliche Tugend („toller Hecht“) ausgelegt werden konnte.

Das auch in der FAZ unüberlesbare Bedauern darüber, daß Männer sowohl auf dem Arbeitsmarkt wie schon in den Schulen, wo Qualifikation hergestellt wird, heute die Verlierer seien, entbehrt nicht der Krokodistränen. Dabei ist nicht nur an die immer wieder ergebnislos beklagten Einkommensunterschiede zu denken. All die Mädchen und Frauen mit ihren tollen Abi- und Examensnoten sitzen nämlich nicht auf den Herrschaftsthronen des DAX-Managements, wo  die Musik spielt – noch immer nach den zackigen Marsch-Partituren, die einst den soldatischen Mann beflügelten und heute weiterhin seine Aggressivität und Rücksichtslosigkeit herausfordern. An der Wallstreet oder im VW-Management geht es nun mal nicht ohne. Wer da nicht mitmachen will oder kann, kann sich seine guten Noten hinter den Spiegel stecken und resigniert anfangen, Kinder zu kriegen.

Die Rede von der „männlichen Zukunftslosigkeit“ paßt in jenen Baukasten, aus dem sich auch die bedienen, die Abwehr von Fremden, Schwulen, Feministen, Achtundsechzigern zum Fundament von  Weltanschauungen und Parteien erklären. Ihnen stinkt gewaltig die Theorie von einer sich stetig verändernden Welt, von einer Evolution der Gesellschaft, auch der Rollen gesellschaftlicher Akteure. Sie wollen an eine ein-für-allemalige Schöpfung glauben, wo Gott alles, auch den Mann, an seinen Platz gestellt hat. Für immer. Diese Schöpfungs-Fundamentalisten fletschen die Zähne, wenn sie etwa bei Judith Butler lesen: „Die grundlegenden Kategorien des Geschlechts, die Geschlechtsidentität und des Begehrens sind als Effekt einer spezifischen Machtformation zu enthüllen.“ Die da „Genderwahn“ schreien“, wählen nicht nur die AfD. Auch der Papst hat bekanntlich der Gendertheorie die Macht zugemutet, den ganzen Globus ins Verderben zu stürzen. Der Mann als Opfer dieser Theorie muß mitsamt der ganzen Menschheit gerettet werden, und zwar so, wie wir ihn als Heros und Krieger kennen, als Erzengel Michael, der den bösen Drachen, den altbösen Feind der Aufklärung und des Darwinismus, endlich besiegt..

 

 

 

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