Die Intoleranz der Toleranten

In einem relativ alten Text aus den mittvierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts finden sich diese politisch ziemlich inkorrekten Sätze über die Frauen: „Willig, ohne Gegenimpuls spiegeln sie die Herrschaft zurück und identifizieren sich mit ihr. Anstatt die Frauenfrage zu lösen, hat die männliche Gesellschaft ihr eigenes Prinzip so ausgedehnt, daß die Opfer die Frage gar nicht mehr zu fragen vermögen. Die Defekte, mit denen sie dafür zu zahlen haben, obenan die neurotische Dummheit, tragen zur Fortdauer des Zustands bei.“ Geschrieben hat diese Sätze einer der wichtigsten Stichwortgeber der 68er Bewegung, Theodor W. Adorno, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine der Konsequenzen, die die Achtundsechziger aus dem fortdauernden „Zustand“ zogen, war die Veränderung eben dieses Zustands, unter dem nicht nur die Frauen litten. An dieser Veränderung haben die Frauen jener Bewegung in den Siebzigern in nicht geringem Maße mitgewirkt. Ihre Töchter und Enkelinnen wissen kaum noch ewas von jenen archaischen Zuständen der Epoche, die man „Adenauerzeit“ nennt.

Jetzt sind die „Zustände“ unter ganz unvermuteten Vorzeichen zurückgekehrt. Eine in Mazedonien geborene junge Albanerin, 33 Jahre alt, beschreibt eben jene „neurotische Dummheit“ ihrer muslimischen Mutter, die eigentlich eine systemische Dummheit ist. Zana Ramadani, Feministin und CDU-Mitglied, macht die Mütter in ihrem Buch „Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen“ für das Weiterbestehen der geschlechtlichen Rollenbilder im Islam verantwortlich: „Ich sage nicht, „erklärte Ramadami im DLF-Interview, „daß die Mütter nur die Unterdrücker sind, sondern sie sind ja eben erstmal Unterdrückte. Aber ab einem gewissen Punkt werden sie zu Unterdrückern, indem sie diese Erziehungsaufgaben übernehmen.“ Dann werden aus den Mädchen dienstbare Geister, aus den Jungen zuerst kleine Prinzen, dann Paschas. Tendenziell haben diese aber in der westlichen Leistungsgesellschaft eher die Chance, zu Losern zu werden. Daraus wiederum entsteht der Frust, der sie in Parallelgesellschaften abdriften und vielleicht zu Hassern der westlichen Demokratien werden läßt.

Das Patriarchat, das als Islam in den westlichen Gesellschafen unter gutmenschlichem Schutz auf diese Weise überlebt, schadet natürlich beiden Geschlechtern. Die kulturelle Toleranz auch gegenüber nicht zu rechtfertigender Freiheitsberaubung des weiblichen Geschlechts, die sich zuweilen auch der Kinderehe nicht abgeneigt zeigt, entspringt dem abgründig schlechten Gewissen derer, die sich für die Untaten früherer Kolonialmächte immer noch glauben verantworten zu müssen.  Sie verdächtigen die Kritiker solcher Toleranz wiederum der Intoleranz gegenüber fremden Kulturen, welche nicht zu dulden sei. Diese „Toleranz“ der Intoleranten prangert Ramadami an. Von ihr profitieren noch nicht einmal die frustrierten Paschas. Und die zu schützende Religion mit ihrer Vorgabe, Jungfräulichkeit und Reinheit der Mädchen und Frauen für den Inbegriff der Familienehre zu halten, ist nur ein Vorwand für jene Christen, die Religion insgesamt, auch die eigene, für gefährdet halten.  Und Misogynie ist sowieso das Band, das alle Abrahamiten verbindet.

Muslime sind heute noch, was Christen lange auch waren: Geiseln ihres Glaubens. Die Geiselnehmer raubten ihnen zuerst die Freiheit des Denkens und versprachen dafür, worüber sie eigentlich  nicht verfügen konnten: Erlösung, alle Freuden des Paradieses. Die Paradies-Schilderungen des Koran in all ihrer fleischlichen Sinnlichkeit nehmen die Reklame vorweg, mit der heute Veranstalter von  Kreuzfahrten in die Südsee werben. Haben sie Erfolg, hat sich Adornos „neurotische Dummheit“ wieder mal bewährt.

 

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