Abweichende Männer

In der Diskussion um den 19jährigen Doppelmörder aus Herne, der Fotos eines seiner Opfer im Online-Forum 4chan postete, fiel der Begriff involuntary celibate (abgekürzt: incel) , was so viel wie „unfreiwillig zölibatär“ heißt. Mit diesem Begriff stilisieren sich männliche Wesen als Beta-Männer, die sich gegenüber der dominierenden Spezies des Alpha-Männchens als zu kurz gekommen begreifen. So wenigstens war in einem ZEIT-Beitrag zum Fall des Doppelmörders Marcel H. zu lesen. Diese Beta-Männer, von denen Marcel-H. einer sein könnte, wie der Artikel suggeriert, lehnen herkömmliche männliche (Alpha-)Rollenbilder ebenso ab wie sie sich vom Feminismus, von selbstbewußten modernen Frauen, bedroht fühlen  4chan sei das Forum, wo sich incel-Männer vorzugsweise austauschten.

In derselben Ausgabe der ZEIT, allerdings ohne expliziten Bezug,  deutet der tunesisch-stämmige Psychologe Fethi Benslama das Seelenleben junger Dschihadisten (Benslama nennt sie „Übermuslime“), die so leidenschaftlich besessen den Tod suchen. „Heutige muslimische Jugendliche können nicht mehr das sexuelle Leben ihrer Eltern und Großeltern führen“, sagt Benslama. Die westliche Moderne habe die Adoleszenz durch Schule und Ausbildung über Jahre gedehnt. Für viele bedeute das auch eine lange Zeit der Wartens, was sie, könnte man ergänzen, zu „notgeilen“ incel-Männern macht, zumal der Islam außerehelichen Sex streng verbietet und die wahre erotische Lust ins Paradies verlegt. Da nämlich will der Suizid-Bomber schnellstmöglich hin. In den pornografischen Lektüren der jungen männlichen Muslime, so Benslama, sei der unverschleierte weibliche Körper ein Leitmotiv. Er repräsentiere gewissermaßen die Moderne. Diese Weiblichkeit sei für Islamisten der Horror schlechthin, weil für sie reale Frauen nur als entsexualisierte Mütter denkbar seien.

Nun ist der Inbegriff der entsexualisierten Mutter, ihre endgültige, nicht zu übertreffende Gestalt, die Mutter Gottes, also eine christlich-patriarchalische Erfindung. Allerdings wurde sie, mit besonderer Betonung ihrer Jungfräulichkeit, nicht nur mit einer ganzen langen Sure in den Koran aufgenommen, wenn auch nicht als „Mutter Gottes“, sondern als Mutter des Propheten Jesus, der statt mit dem Vaternamen genannt zu werden (Sohn des…), stets „Sohn der Maria“ heißt. Und ähnlich wie bei Lukas fragt sie im Koran (Sure 19,20): „Wie sollte ich einen Knaben bekommen?  Es hat mich doch kein Mensch berührt, und ich bin keine Hure.“

„Hure“ – das Schreckenswort für alle Frauen, mit dem muslimische Männer besonders freizügig umgehen, etwa wenn es um die Rechtfertigung von sexuellen Silvester-Attacken oder Ehrenmorden geht. Aber, um noch einmal Benslama zu zitieren, es gebe nun einmal soziale Tatsachen, „und die weibliche Freiheit, über den eigenen Körper und die eigene Sexualität zu bestimmen, gehört dazu“. Der Feind des Übermuslims sei der Westen samt weiblichem Körper. – Aber sind, muß dringend nachgefragt werden, nur junge Muslime „unfreiwillig zölibatär“? Wie die große Zahl von Mißbrauchsfällen im Kleriker-Milieu nahelegt, sind auch in diesem Umfeld viele, die ursprünglich einmal freudig dem Zölibat zustimmten, irgendwann involuntary celibate geworden. Die „Natur“, auf die sich die Religiösen und die Naturalisten so gern bei der Zuschreibung von Geschlechterrollen und und der Bewertung von Sexualpraktiken beziehen, ist vielleicht doch schwerer mit sexueller Enthaltsamkeit zu vereinbaren, als sich der Heilige Augustinus, der das ganze sexuelle Elend letztlich angerichtet hat, vorstellen konnte. Er wünschte sich ganz widernatürlich bekanntlich den Penis wie einen total dem Willen unterworfenen, lust-empfindungslosen Finger  Um nicht von Gott abgelenkt zu werden

Man muß den muslimischen Vettern das Kompliment einer realistischeren Einschätzung der ganzen Sache machen. Zumindest halten sie den männlichen Trieb für unbeherrschbar und entsprechend die Körper der Frauen für unbedingt gehorsamspflichtig.

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