Islam stiftet Einheit

Die sogenannten „Rechtspopulisten“ mögen an manchen Stellen, der besonderen Lage ihrer Länder geschuldet, in ihrer Programmatik voneinander abweichen – ein Feind läßt sie wie eine Phalanx erscheinen, jene Schlachtordnung der alten Griechen, die zu deren Siegen über die Perser nicht unwesentlich beitrug. Die Perser sind heute die Muslime. Sie sind der gemeinsame Feind.

Gern wird in der Berichterstattung über die Trump, Le Pen, Wilders, Petry, die stets deren gemeinsames Feindbild Islam hervorhebt, vergessen, daß dieses Feindbild spätestens seit 9/11 das öffentliche und private Bewußtsein auch jenseits der populistischen Ränder nicht nur westlicher Gesellschaften besetzt hält. Die Muslime als Gruppe übertreffen seitdem jede andere Gruppe hinsichtlich ihrer Potenz, Angst und Schrecken zu erregen, zumindest aber Vorbehalte und Mißtrauen auch dort vital zu erhalten, wo die Tugenden von Christlichkeit und Toleranz etwa pauschale Fremdenfeindlichkeit verbieten. Asiaten oder Schwarzafrikaner begegnen in der Regel  nicht jenem abgründigen Mißtrauen, wenn auch zuweilen anderen Vorurteilen, dem sich Muslime ausgesetzt sehen, was diese denn auch notorisch beklagen. Sie empfinden und beschreiben sich, wie gerade Erdogan, als Opfer einer Art Verschwörung etwa Europas, und nur die Kritikfähigen unter ihnen sprechen aus, daß jenes Bild, das die Welt vom Islam hat, im wesentlichen dessen Eigenproduktion ist. Unentwegt bemühen sich die unterschiedlichsten Fraktionen dieser in viele Sekten und Richtungen verzweigten Religion, jeder auf seine Weise, der Welt zu demonstrieren, daß sie zu fürchten ist und Herrschaft über die Welt beansprucht  Die schwarze Flagge des IS und die bluttriefenden Köpfe in den Händen seiner Kämpfer, stolz und selbstbewußt präsentiert, bebildern nur den äußersten Exzess eines von seiner offenbarten Wahrheit geradezu besessenen Glaubens, der noch keine Phase selbstkritischer Fundamental-Reflexion hinter sich hat wie etwa das Christentum seit 250 Jahren. Eine solche Reflexion mit höchstem Anspruch findet sich etwa in Kants Religionsschrift („Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“), wo der Autor feststellt, daß eine „Religion, die der Vernunft unbedenklich den Krieg ankündigt, es auf Dauer gegen sie nicht aushalten wird“.

Das Widervernünftige im Religiösen nennen wir „Aberglauben“, gestehen aber diesen als „Volksglauben“ sogar dem obersten Repräsentanten des Katholizismus zu, wenn der sich zum Teufelsglauben bekennt. Niemand aber wird im Bereich der kaholischen Orthodoxie in Lebensgefahr kommen, wenn er in diesem Punkt dem Papst nicht folgt. Anders in den islamischen Theokratien wie Saudi-Arabien, in religiös fundamentalistischen Staaten wie Pakistan oder Bangladesh oder tendenziell Indonesien, wo das Nichtglauben oder Nichtbefolgen des Aberglaubens als Gotteslästerung ein im Zweifel todeswürdiges Verbrechen ist. Die Islam-Furcht gründet nicht zuletzt in der Vorstellung, daß ein die Macht wo auch immer ergreifender Islam einer sein würde, der die Theokratie durchsetzt mit allen Folgen für die mühsam erworbene Humanität, etwa den Frauen oder Andersgläubigen gegenüber. Natürlich bilden die muslimischen Gemeinden etwa in der europäischen Diaspora keine Gefahr für das Gemeinwesen. Diese Gefahr unterstellen die Populisten. Recht haben sie aber mit der weitergehenden Unterstellung, ein Mehrheitsislam würde die zivilisierte Welt ins Mittelalter und noch weiter zurück befördern. Hier findet sich der ernstzunehmende Kern dessen, was als „Islamophobie“ auch seriösen Islamkritikern wie eine Geisteskrankheit unterstellt wird. Wenn es auf der Suche nach den Motiven der Wähler rechtspopulistischer Parteien eine bedenkenswerte Spur gibt, die zu verfolgen Sinn machte, dann ist es die islamkritische. Hier nur abzuwehren, weil es von diesen Gruppierungen kommt, ist so irrational wie die päpstliche Teufelsfurcht. Es ist eine Art Teufelsfurcht. Eine Kritik wird nicht deshalb belanglos, weil sie von der vermeintlich falschen Seite kommt. Wer aber in diesem Sinn einer blinden Parteilichkeit argumentiert, liefert den Populisten nur Munition für immer neue Verschwörungstheorien etwa derart; alle Gläubigen, vor allem die Christen, fürchten die Islamkritik, weil sie immer auch selbst gemeint sein könnten. Dieser Gedanke hat viel für sich.

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Eine Antwort zu Islam stiftet Einheit

  1. Jasagerin schreibt:

    Ja ja und ja. Kindisch infatil. Wahrscheinlich wierden bei den Muslimen ebensoviele Kinder gefickt wie bei den Christen.
    Die Frage muss doch lauten: macht Religion, statistisch relevant, Menschen zu besseren Menschen? Die Antwort sollte klar: Ja sein. Falls nicht: abschaffen! Bzw. Komplett privatisieren.
    Q.e.d.

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