Don Bergoglio und der Teufel

zum ZEIT-Gespräch mit Papst Franziskus

In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhundert erschien ein Buch von Edgar Maass, „Don Pedro und der Teufel“, das die Eroberung Perus durch Franzico Pizarro eindrucksvoll schilderte. Diese Eroberung für die habsburgische Krone geschah auch, um den Wilden in den Anden den Heiland und damit die Erlösung zu bringen. Ganz ohne Hinterlist, Zwang und Grausamkeit ging das nicht ab, und dazu brauchte man den Teufel.

Eine theologische Lesart, die die Existenz des Teufels begründet, beruft sich auf Genesis 1, 31: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Es war sehr gut.“ Gemacht hatte er bekanntlich auch den Menschen. Bald stellte sich heraus, daß der gar nicht „gut“ war. Im Gegenteil. Schon der zweite männliche Mensch war ein Mörder. Konnte dem allmächtigen Gott ein Konstruktionsfehler unterlaufen sein, der die beabsichtigte Krone der Schöpfung zu ihrem „Irrläufer“ degenerieren ließ? Logisch wäre das nicht. Also mußte die Logik wiederhergestellt werden durch einen Gegenspieler Gottes – eben den Teufel. Warum der allmächtige Gott das zuließ, wissen wir nicht. Es gibt diverse und schon sehr frühe Erklärungsversuche. Aber die Existenz des Teufels wurde auch im Islam, wo er „Iblis“ heißt, nie angezweifelt, was für alle Gläubigen so gut wie ein Beweis ist. Auch Papst Franziskus glaubt, wie er ggü. der ZEIT bekannte, an den Teufel. Damit kann er viel erklären, was sonst nicht zu erklären wäre – etwa den Holocaust und Donald Trump, den Gott unmöglich gewollt haben kann.

Ganz traditionell erklärt Franziskus seinem Gesprächspartner, daß der Mensch ein Abbild Gottes sei und deshalb „gut“. „Aber er war auch schwach, er wurde in Versuchung geführt  und wurde verwundet. Die Güte des Menschen ist eine verwundete Güte.“ Die Verbrechen der Pizarro, Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot etc. sind also Ausdruck dieser „verwundeten Güte“! Franziskus geht es offensichtlich nicht um gedankliche Stringenz im Glauben, um Kompatibilität mit der Vernunft, wie sie Kant gefordert hatte und manche moderne Theologen es durchaus vorführen. Er ist Mythen-gläubig, ein Mythomane. Auch deshalb werden noch Exorzisten in der katholischen Kirche ausgebildet. Franziskus  glaubt den Teufel als gefallenen Engel. „Viele Versuchungen, mit denen ich zu kämpfen habe, sind nicht dem Teufel, sondern meinen persönlichen Schwächen geschuldet. Aber bei vielen anderen hat er sehr wohl die Finger im Spiel.“ Er nennt Eifersucht, Neid, , Kriege, Ausbeutung. Auf die allbekannten Scheiterhaufen der Inquisition, auf die Genozide läßt er sich gar nicht ein, vielleicht weil Gott die wenigstens hätte verhindern müssen. Doch der Gesprächspartner treibt den Heiligen Vater nicht weiter in die theologische Enge des Theodizeeproblems..

Theologen, auch Päpste, sind wie Aale, wenn man mit ihnen spricht. Franziskus ist keine Ausnahme. Er beklagt den Priestermangel. „Wo es keine jungen Männer gibt, gibt es auch keine Priester. Das ist ein ernstes Problem“. Er versucht aber mit keinem Wort zu erklären, warum den Frauen der Weg zu diesem Beruf versperrt ist. Ihm scheint diese Option gar nicht in den Sinn zu kommen. Er kann aber unmöglich glauben, daß heutige Christen das Argument, Jesus hätte nur männliche Jünger gehabt, ernsthaft akzeptieren. Warum überhaupt die Besessenheit der Kirche vom Geschlecht? Da trifft sie sich bezeichnenderweise mit dem Islam und den orthodoxen Juden. Auch dort geht es um „Reinheit“. Und Frauen sind, nach Überzeugung der jeweiligen Frommen, nun mal „unrein“. Männer nicht, denn sie menstruieren nicht. Heute ist das tief, weil zu peinlich, ins gläubige Unbewußte verbannt, wo es aber nach wie vor kräftig wirkt. Das Alte Testament (etwa Levitikus 12) weiß noch einiges davon. Und die formelhafte Behauptung, die geforderte Ehelosigkeit der Priester habe mit den tausenden Mißbrauchsfällen auf der ganzen Welt nichts zu tun, wird durch Wiederholung auch nicht glaubwürdiger. Dieser Punkt wurde gnädigerweise im Interview ganz ausgelassen, denn da zeigt die Kirche am deutlichsten den Opfern ihr unbarmherziges Gesicht und der so menschenfreundliche Papst seine ganze Hilflosigkeit.

Der Leser des Interviews, der einmal hoffte, die Kirche könne sich aus ihrer Mythen-Verstrickung lösen, Teufel und Hölle endgültig hinter sich lassen und ihre penetrante Misogynie auf den Müllhaufen ihrer historischen Irrtümer werfen, sieht sich enttäuscht. Es gibt auch hier keinen richtigen Glauben im falschen. Das trifft für alle drei abrahamitischen Richtungen zu. Der Tod-Gottes-Verkündiger Nietzsche hatte erkannt, daß die jesuanische Botschaft einmal die Chance enthielt, dem religiös begründeten Patriarchat eine Wende zu ermöglichen. Sie wurde nicht genutzt. Und so gleicht weiterhin ein Papst letztlich dem anderen.

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Eine Antwort zu Don Bergoglio und der Teufel

  1. Don Giovanni schreibt:

    Ich habe mich auch gewundert, das di Lorenzo u.a
    die Frage nach den Frauen nicht gestellt hat. Es machte fast den Eindruck, als wolle er den Papst nicht in Verlegenheit bringen.
    SAD! VERY SAD!

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