Der toxische Mann

Ein Nachtrag zum Weltfrauentag

Wir sind umstellt von Tabus. Immer noch. Der TV-Sender für die gebildeten Stände, 3sat, durchdekliniert in diesen Tagen das Thema „Geschlechterverhältnis“ resp. „Feminismus“. In einer Diskussion kommt die Frage auf, ob ein „Backlash“ all den Errungenschaften der letzten Jahrzehnte in Sachen Geschlechtergerechtigkeit ein Ende bereiten könnte. Sie wird unisono bejaht. Bilder des entfesselten Donald Trump, des reitenden, muskulös-statuarischen Wladimir Putin, des geifernden Recep Tayyip Erdogan werden eingeblendet. Diese Männer, wird insinuiert, repräsentieren die Macho-Kultur, die das Terrain zurückgewinnen will, das ihr verlorenging. Sie repräsentierten jene „toxische Männlichkeit“, die der britische Feminist Jack Urwin in seinem Buch „Boys don’t Cry“ beschreibt.

Nicht zu Wort kommen allerdings christliche und islamische Würdenträger, nicht Hindus und Vertreter anderer patriarchalisch begründeter Religionen und Kulturen. Es gehe weniger um Macht  oder Ökonomie, glauben die Diskutanten, sondern um „Kultur“. Na also. Warum ist denn nicht, nur so als Beispiel, von den Traditionen der abendländisch-christlichen Kultur die Rede, wenn es um das Geschlechterverhältnis geht? Warum nicht von Paulus‘ Schweigegebot für die Weiber und das Lustverbot des Augustinus für alle? Man winkt genervt ab. Alles schon gegessen. Stimmt ja auch. Wer glaubt schon, daß er seinen Penis, wie Augustinus es verlangt, lust- und gefühllos wie einen Finger zwecks Begattung verwenden sollte und auch könnte? Noch nicht einmal Katholiken, die Benedikt nachtrauern.

Aber wie ist es um unsere muslimische Mitbürger bestellt, deren Religion angeblich zu uns gehört? Von ihnen und ihrem Frauenbild war in der 3sat-Diskussion nicht die Rede. Wäre auch schlecht möglich, weil diese Rede in eine Islamkritik hätte ausarten müssen, die politisch-gesellschaftlich alles andere als opportun und als solche als „Islamophobie“ verschrien ist. Haben wir doch gerade Mühe genug, Islam von Islamismus säuberlich zu trennen. Und wenn die sog. Islamisten die konsequenteren Muslime wären im Sinne einer Auslegung ihres Heiligen Buchs? Was die Themen Gewalt und Frauen angeht, auf jeden Fall. Ist es aber ein Trost, daß das Alte Testament der Juden und Christen in Sachen Gewaltorgien auf Geheiß des Gottes JHWH den Koran und seinen Gott Allah durchaus noch übertrumpft? Nein. Denn Mohammed war nicht kreativ genug, eine eigene Religion zu erfinden, noch konsequenter grausam zu sein. Er zimmerte aus Elementen des christlich- jüdischen-Mythos einen eigenen, vergleichsweise ärmlichen für seine Beduinen. Sogar den Erzengel Gabriel, der ihm den angeblich einblies, entnahm er den Vorbildern.“Sad“, würde Donald twittern und Impotenz meinen.

Das Männlich-Toxische, das aus der Welt seit je ein unaufhörlich fließendes Blutbad gemacht hat, seit es „Geschichte“ gibt, ist viel älter als Buddha, Shiva, Zeus, JHWH und Allah. Die sind nur Abbilder jener phallischen Durchdringungsphantasie, die schließlich im Zeitalter des Anthropozän den ganzen Planeten zum Vergewaltigungs-Objekt machen konnte. Die Mythen, die uns mit ihren Tabus bis heute umstellen und als „Hochreligionen“ geachtet und bewundert werden, repräsentieren ein Prinzip: die Macht der männlichen Ordnung. Die zeigt sich, wie es der Soziologe Pierre Bourdieu in seinem Buch „Die männliche Herrschaft“ formulierte, „an dem Umstand, daß sie der Rechtfertigung nicht bedarf“:

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