Angela gegen Stephen – ein Endkampf

In FAZ.net fand sich jüngst ein Beitrag des amerikanischen Journalisten James Kirchick, worin das Schicksal der westlichen Welt abhängig gemacht wurde vom Ausgang des Konflikts zwischen Steve Bannon und Angela Merkel. Putin und Trump, auch Erdogan kommen nicht vor. Auch die Chinesen nicht. Nur Bannonismus und Merkelismus.  In diesem Konflikt gehe es „um die Seele und die weitere Entwicklung der westlichen Welt“.

Das klingt nach Endkampf bzw. nach Apokalypse. In der „Offenbarung des Johannes“, dem letzten Buch der Bibel, ist das Auftreten von Angela und Steve schon vorausgesagt. Angela erscheint dort als mit der Sonne bekleidete Frau, den Mond zu ihren Füßen, einen Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie ist gerade dabei, den Messias zu gebären. Vor ihr steht Steve in Gestalt eines Drachen, darauf wartend, das zu gebärende Kind gleich zu verschlingen. Das funktioniert aber nicht, und der Drache, der Satan, mit dem sich ja Bannon schon mal identifiziert hat, wird besiegt. Der Spuk ist vorüber. Aber der Mythos von Angelas engelhaftem Kampf mit dem Drachen ist geboren und wird nie vergehen.

Soweit die Utopie des James Kirchick. Er fürchtet sich offenbar wie viele vor Darth Vader Bannon. Der ist aber vor allem, wie sein Hauptfeind Mohammed auch, ein mieser Plagiator, der seinen Lenin nicht verstanden und sein, wie Kirchick es nennt, „zyklisches Geschichtsverständnis“ aus Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“ abkupferte. Bezüglich des gegenwärtigen demokratischen Systems der USA äußerte er einmal betont flapsig: „Wir werden es einfach mal an die Wand fahren und sehen, ob es hängenbleibt. Das wird so aufregend wie die 1930er Jahre.“ Mehr als ein lustiger Endzeitjoke, der dem Spießer der Upper West Side Angst machen soll, ist aber diese Vision von der an der Wand blutig klebenden Demokratie, wenn der Fahrer niemand anderes als Donald Trump ist. Und daß auch halbgebildete Amateure das An-die-Wand-Fahren beherrschen, haben etwa die Deutschen vor 80 Jahren schmerzlich erfahren müssen.

Also brauchen wir einen Retter resp. eine Retterin. Daß aber gerade an Merkels Islam-Klischeebild Kirchick den entscheidenden Unterschied zu Bannon festmacht, kann nur Verwunderung erzeugen. Wer immer versucht hat, zu verstehen, was denn der Islam sei, der nach Merkels und ihres Vordenkers Wulff Überzeugung zu Deutschland und Europa gehöre (wer sich mit ihm näher beschäftigt, kommt eher zur Einschätzung Bannons), wurde zunehmend ratlos. Gerade an dieser Stelle offenbart sich, daß auch Merkels Politik amateurhafte Züge hat. Dies meint das böse Wort „Gutmenschentum“. Keines der Kinder, keine der Frauen, die um Schutz nachsuchten in jenem Spätsommer 2015, hat es „verdient“, als Geisel ihrer Religion auch in der säkularen Welt des Westens behandelt zu werden, als seien sie Eigentum ihrer Männer und Väter, die allein von diesem Glauben profitieren, wenn überhaupt. Das Patriarchat gerade islamischer Spielart kennt nur unveränderliche göttliche Gesetze, wie sie in Sure 4,34 festgeschrieben sind. Die Erniedrigung der Frau ist zwar nicht nur im Islam göttlicher Wille, aber hier wie auch im orthodoxen Judentum wird er konsequent umgesetzt. Die Patriarchen des Katholizismus stellen sich gerade zum Endkampf hinter die Zinnen ihrer Festung.

Ob daran Bannon denkt, wenn er im Islam eine „Gefahr für das Abendland“ erkennt, ist nicht ausgemacht. Eher nicht. Der reaktionäre Katholik und Franziskus-Feind, der er ist, sehnt sich nach einer Kirche vor dem Zweiten Vatikanum. So ist er, ohne es anscheinend zu wissen, eher ein Sympathisant reaktionärer Islamisten als Feind des Islam, der, kennte er ihn besser, ihm nachgerade als Bruder-Religon erscheinen müßte. Was er offenbar fürchtet, ist die Konkurrenz im Kampf um die knapper werdende Ressource „Gläubige“. Bannon gehört jener Rasse der Inquisitoren an, die auch schon mal einen Pakt mit dem Teufel eingehen, um den „Gott der Liebe“ in Schach zu halten. Von solchen Pakten ahnt Angela nichts, die, wie Kirchick bewundernd vermerkt, in jenem Spätsommer aus der Überzeugung heraus handelte, „daß der demokratische Westen die Pflicht habe, den Notleidenden unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit beizustehen“. Es ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das die Pastorentochter verinnerlicht hat und das dem katholischen Satanisten am Ohr  des Präsidenten für unsere Zeit wohl wenig sagt.

Letztlich aber, und dies wäre das deprimierende Fazit, könnte Bannons Einschätzung des Islam die realitätsnähere sein   Das Denken in den Kategorien des Bösen,  für das Bannon steht, erwiese sich als brauchbarer, wenn es darum geht, den Islam daran zu hindern, die Errungenschaften der Aufklärung zurückzudrängen. Zwar ist Bannon kein Aufklärer, sondern ein Dunkelmann, aber vielleicht doch ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und manchmal das Gute schafft.  Bei Merkel, könnte man fürchten, ist es umgekehrt.

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