White-House-Halloween

„What Country we are living in?“ (Christiane Amanpour, CNN-Chefkorrespondentin)

Tage des Grauens, wenn nicht gar Wochen, Monate, Jahre. Der Präsident sitzt an seinem Schreibtisch und arbeitet am Fließband. Er ist umgeben von aufmunternd lächelnden, gut angezogenen männlichen und weiblichen Statisten. Einer ist unter ihnen, der aussieht wie ein Penner oder ein 68er Revoluzzer , unrasiert, im Schlabber-Look, der irgendwie nach Schwefel riecht, wenn man ihn nur auf dem Bildschirm sieht. Dieser ist kein Statist, er ist Darth Vader, der manchmal behauptet, Satan selbst zu sein. Wenn er ab und zu grinst, glaubt man ihm das. Er hat die Texte verfaßt, die der Präsident zu sich zieht, mit kräftigem Füllerstrich markiert und weiterschiebt, um den nächsten heranzuziehen. Die Summe dieser sich stapelnden Dekrete sollen das Ende der Welt in Gang setzen – der Welt, wie sie einmal war.

Mitten durch Amerika, von Nord nach Süd oder hinter je beiden Küstenstreifen, zieht sich ein riesiger Spalt. Tief unten blubbert es blutig. Dort kämpft das Gute gegen das Böse. Aus diesem Riß tauchte Darth Vader auf eines Tages und beschloß, zuerst einmal den zerrissenen Staat, der Amerika immerhin noch war, zu zerstören und mit ihm die, die sich für seine Elite hielten, zu beseitigen, egal ob sie rechts oder links standen. Zeitungs- und Fernsehredakteure, die mit schreckgeweiteten Augen dem düsteren Schauspiel zusahen, ahnten, daß man sie bald alle entlassen, die Redaktionen schließen würden, denn sie waren für den Präsidenten und seinen Fans der Abschaum, den niemand mehr brauchte. Alle Medien würden dem Monopolisten Twitter Platz machen. Mehr Raum als den dort verfügbaren würde man nicht brauchen, um Ziele und Absichten zu  verkündigen. Verkündigen würde ein neuer Neusprech alternative Fakten, die zu akzeptieren patriotische Pflicht sein würde. Die Welt ist doch so übersichtlich geworden! Sie besteht aus Verschwörern, die etwa die Globalisierung und den Klimawandel erfinden und damit das Volk schädigen, und aus denen, die dies Treiben durchschauen und die Verschwörer entmachten.

Bibbernde Redakteure halten Darth Vader für den einzigen in der Statisten-Garde, der „intelligent“ sei und der eine Strategie besitze. Intelligenz ist bekanntlich das, was der Intelligenztest mißt. Den Quotienten von Darth Vader kennen wir nicht, aber sein angeblich „kohärentes“ Programm kennen wir ansatzweise. Er beruft sich auf Lenin, der das Absterben des Staats ankündigte; Darth Vader macht daraus ein „Abschaffen“, also einen Gewaltakt. Er hält die Lehman-Pleite, auch weil sein Vater viel Geld verlor, für eine epochale Katastrophe und sieht kalten Blutes zu, wie sein Präsident, um einigen Freunden sich erkenntlich zu zeigen, die Voraussetzungen der Pleite wiederherstellt. Darth Vader hat mit Lenin oder gar Marx nichts zu tun, dafür um so mehr mit Bakunin. Er ist ein wild um sich schlagender Anarchist, dem egal ist, wie aus den Ruinen wieder auferstehen soll, was den tapferen Rost-Gürtel-Bewohnern eine friedliche Heimat ohne Armut wäre. „Wir erleben die Geburt einer neuen politischen Ordnung,“ verkündete Darth Vader nach dem Wahlsieg seines Faust, dessen Mephisto zu sein er sich vorgenommen hat. Das Neue ist bekanntlich das Gute, weil es neu ist.

Darth Vaders „wirtschaftlicher Nationalismus“ ist ein Anachronismus so wie seine Vorsrellung, man werde wieder Krieg führen können etwa gegen China, ein die Menschheit insgesamt bedrohender Anachronismus ist. Ein Mensch, der nicht verstanden hat, daß die Atombombe keine Waffe, sondern ein Symbol für die Unführbarkeit von Kriegen ist, ist das Gefährlichste, was auszudenken wäre, zumal er im Bündnis mit einem Psychopathen die zerstörerische Macht eines österreichischen Psychopathen, der einst Deutschland kaperte und in eine Kriegsmaschine verwandelte, weit übertrifft.

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2 Antworten zu White-House-Halloween

  1. Yoda schreibt:

    Eher der Imperator, denn „immer zu zweit sie sind“ (Meister Yoda)

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  2. Peter Brinkemper schreibt:

    Eine coole Analyse, die aus dem aufgebauschten Mythos die Luft herauslässt, ohne die Gefahr zu verharmlosen. Die Berater sind keine kompetenten Adviser, sondern Echos eines bedenklichen Leerraums, in den das politische System der USA implodiert ist. Und nicht nur dieses.

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