Donald und der liebe Gott

An wen oder was glaubt der neue amerikanische Präsident? Zuerst natürlich an sich selbst als den Messias des amerikanischen Volkes. Dann an Steve Bannon als an seinen Heiligen Geist, der ihn erleuchtet. Und schließlich glaubt er auch an Gott.

Das zumindest meint der Bonner Theologe Ulrich Berges (in einem Radiointerview), der die Trump-Rede anläßlich der Amtseinführung analysiert hat. Berges, der Alttestamentler, stellt zunächst fest, daß Trumps Gottesbild vom Alten Testament, genauer vom Deuteronomium, dem 5. Buch Mose, wesentlich geprägt ist. Neutestamentliche Bezüge zu Jesus, zur Nächstenliebe, zur Gerechtigkeit, zur Bewahrung der Schöpfung spielten keinerlei Rolle. Im Hintergrund dieses Buches „Deuteronomium“ steht die Befreiung von der ägyptischen Knechtschaft und das Hineingeführtwerden in das neue, das gelobte Land. Und es geht um einen Gott, der sein auserwähltes Volk, die Kinder Israel, beschützt und ihnen die Gesetze gibt, nach denen sie zu leben und zu töten haben. Hier erkennt Berges eine Parallele zu Trumps Vorstellungen von den Amerikanern, die als Volk ehemals geknechteter Einwanderer in die Freiheit einer großen Nation gekommen sind auf einem riesigen, anscheinend leeren Kontinent. Allerdings habe Trump mit seinem Einwanderungsstopp sich gegen den Kern des amerikanischen Mythos vergangen, der Freiheit und Gleichheit allen anbot, die woanders geknechtet wurden. Aber bekanntlich macht es keinen Sinn, Trump und die Trumpianer auf Widersprüche hinzuweisen. Trump, glaubt Berges, ist geprägt von einer biblischen Ideologie. Er sehe sich am Beginn eines neuen Milleniums (wie sein Vorgänger Adolf H.). Unter seiner Führung könne sich das Volk sein ihm gehörendes weil versprochenes Land wieder aneignen. Wer jetzt an Israel, Netanjahu und das Land der Väter denkt, das zu besiedeln sei, ist ein Schelm. Berges ist das nicht. Er nimmt auch den alten Jahwe in Schutz und damit, vielleicht ohne es zu wollen, den neuen Erlöser Amerikas.

Gegen den bekannten Vorwurf, der Gott des Alten Testaments sei ein Gott des Zorns und der Rache, wendet der kundige Alttestamentler ein, Jahwes Absicht (und damit irgendwie auch Trumps) sei „nicht Rache, sondern zurücksetzen, wieder ins Lot bringen, was aus dem Lot gegangen ist“. In diesem Sinne habe Trump eine Mission vor sich unter der Parole „Fürchtet euch nicht!“

Wie in der Exegese von Berges gibt es gegenwärtig einige Versuche, das den meisten pathologisch erscheinende Denken, Reden und Handeln Trumps  nicht nur zu verstehen, sondern ihm irgendeinen Sinn abzugewinnen und wenn auch nur um mehrere Ecken. Mit Hilfe des bekannten Ägyptologen Jan Assmann nehmen wir das 5. Buch Mose etwas genauer unter die Lupe. Zunächst ein Zitat aus dem alten, nicht vom Islamischen Staat verfaßten Text (Es geht um die in Kanaan zu erobernden Städte der dort lebenden Völker): „Wenn der Herr, dein Gott, sie in deine Gewalt gibt, sollst du alle männlichen Personen mit scharfem Schwert erschlagen. Die Frauen aber, die Kinder und Greise, das Vieh und alles, was sich sonst in der Stadt befindet, alles, was sich darin plündern läßt, darfst du dir als Beute nehmen. Was du bei deinen Feinden geplündert hast, darfst du verzehren, denn der Herr, dein Gott, hat es dir geschenkt. Aus den Städten, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr sollst du die Hetiter und Amoriter, Kanaaniter und Persiter, Hiwiter und Jebusiter der Vernichtung weihen, so wie es der Herr, dein Gott, dir zur Pflicht gemacht hat“ (5. Mose 20, 13-16).

Berges Rechtfertigung des alten Jahwe fällt angesichts dieses Befehls zum Völkermord ohne Maß, eigentlich zur Shoah, recht kläglich aus. Gewissermaßen ist sie eine Fortsetzung eines sich über Jahrhunderte hinziehenden Skandalons der christlichen Theologie, die den eifersüchtigen Gott Israels um jeden Preis als Jesu Vater retten wollte. Assmann kümmert sich um die weitreichenden historischen Folgen des zitierten Textes, dem sich noch andere gleichgerichtete an die Seite stellen ließen und spricht von einer „Urszene des Kolonialismus“. Der Text habe, schreibt er in seinem Buch „Exodus“, „den christlichen Eroberern, Invasoren und Kolonisatoren immer wieder Argumente zur Legitimierung ihrer Gewalttaten gegen Ureinwohner geliefert… Hinter der Gewalt stand der unbedingte Wille zur kulturell-religiösen Selbsterhaltung“. Der unbedingte Wille des Rassisten Trump ist die Selbsterhaltung der weißen, eigentlich der germanischen bzw. angelsächsischen Rasse . Nicht anders hatten die Nazis ihre Vernichtungsstrategie gegen Slawen und Juden rechtfertigt. Der Schoß, aus dem das kroch, so scheint es, ist fruchtbar noch –  ja er erscheint unendlich fruchtbar.

 

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Eine Antwort zu Donald und der liebe Gott

  1. Kassandra schreibt:

    Und Trump hat 90% Zustimmung bei den Republikanern. So viel wie kein anderer Präsident vor ihm.

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