Ist der Islam „postchristlich“?

Das behauptet der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.In einer Predigt verkündete er, postchristlich sei der Islam, weil er das Christentum „korrigieren“ wolle und deshalb im Gegensatz zu den Kerngehalten des Christentums stehe, nämlich „den Glauben an den dreifaltigen Gott, die Menschwerdung Christi und sein Erlösungswerk am Kreuz“. Daraus folge: „Nur wer seinen eigenen Glauben entweder nicht kennt oder nicht ernst nimmt, kann hier (in Europa) eine weitreichende Integration des Islam für möglich halten.“ Es gehe ihm, erläutert Voderholzer, nicht um die Muslime, sondern um den Islam als Islam.

Woher nimmt Voderholzer die Kategorie „postchristlich“ und warum wendet er sie in Verwirrung stiftender Weise auf den Islam an? Der Begriff wurde in den Debatten der 60er Jahre in den USA bekannt und bezog sich auf einen angeblich beobachteten Rückgang des christlichen Einflusses auf die Gesellschaft. Er meinte also so etwas wie anwachsende Säkularisierung. Später beobachtete der Philosoph Habermas ein Phänomen, das er „postsäkulare Gesellschaft“ nannte, also einen wiedererstarkten Glauben inmitten der Moderne. Darüber diskutierte er mit Papst Benedikt und forderte eine größere Bereitschaft von der Philosophie, „sich gegenüber religiösen Überlieferungen lernbereit zu verhalten“.

Und jetzt tritt der Islam aufs Spielfeld und verwirrt die Standpunkte diesseits und jenseits der geglaubten bzw. bezweifelten Säkularität. Spätestens seit dem Zweiten Vatikanum bemüht sich die Katholische Kirche um einen versöhnlichen Ton im Dialog mit dem Islam. Es ist von Abraham als dem gemeinsamen Urahn die Rede und von einem gemeinsamen Gott. Die wahren Feinde des einen wie des anderen Glaubens, so schien es, sind nicht die Muslime resp. die Christen, auch nicht die Juden, noch nicht einmal Buddhisten und Hindus, sondern die „Ungläubigen“ – Atheisten, Agnostiker etc.  Bischof Voderholzer, hat es den Anschein, verlor unterdessen den Debatten-Anschluß und entdeckte nun den Islam wieder als den eigentlichen Widersacher des Christentums. Widersacher, weil er sich nicht die christlichen Dogmen zu eigen macht, sondern seine eigenen behauptet.

Man muß davon ausgehen, daß Voderholzer von einer einzigen wahren Religion ausgeht wie die Altvorderen und die These Jan Assmanns von der „mosaischen Unterscheidung“, wonach erst der Atheismus „wahre“ von „falschen“ Religionenn unterschieden habe, damit erneut bestätigt. Erstaunlich ist dabei, wie wenig Ahnung Voderholzer offenbar von der Genese der drei Monotheismen hat. Sie entspringen alle dem von den Juden zu ihrer Selbstvergewisserung geschaffenen Mythos, wobei die Juden sich wieder bei älteren (babylonischen, assyrischen, persischen, ägyptischen) Mythen bedienten. Zuletzt kam Mohammed, rührte alles noch einmal um und schuf ein schier unübersichtliches Werk, das sich eigentlich nicht zum Lesen, sondern nur zum sakralen Vortrag eignet. Angereichert hat er den Mythenschatz, wie er im Alten und Neuen Testament zu finden ist, nicht wesentlich. Der Koran erscheint heute wie ein heiliges Plagiat. Wobei zu bedenken ist, daß Plagiieren im siebten Jahrhundert noch kein Vergehen war. Mohammed hielt einfach wie alle seine und spätere Zeitgenossen Adam, Abraham, Mose und das ganze mythische Personal mitsamt ihrem Gott für historisch. Bedankt hat er sich bei den Juden, die es ihm zur Verfügung stellten, nie.

Voderholzer nun fällt in Mohammeds Zeit, in frühmittelalterliches Denken zurück und deklariert die christlichen Dogmen als „Wahrheiten“, die jeder, der einer anderen Religion oder keiner angehört, lügenhaft leugne, denn eine Wahrheit sei nun einmal als eine von Gott offenbarte anzuerkennen. Er glaubt offenbar an „Menschwerdung“ und „Erlösungswerk“ als an historische Tatsachen und fällt damit auch hinter den heutigen Stand der theologischen Debatten weit zurück. Recht hat er allerdings mit seinem Fazit, der Islam könne in Europa nicht integriert werden – allerdings nicht weil er Dreifaltigkeit und Erlösungswerk durch Sohnesopfer leugnet. Sondern weil sein Menschen- und Geschlechterbild von einer aufgeklärten mündigen Gesellschaft nicht akzeptiert werden kann. Wäre er nur eine privat gelebte zwanglose Religion, könnte man sehr wohl mit den Muslimen friedlich zusammenleben, wie die heutigen Atheisten sehr wohl mit den Kruditäten des christlichen Dogmas zusammenleben können. Niemand wird mehr in Europa als Ungläubiger oder Häretiker verfolgt – es sei denn, er ist Muslim und als solcher Apostat. Dann verfolgen ihn die Glaubensgenossen und töten ihn im Zweifel.

Ulrich Beck, der Soziologe, sprach mit Blick auf die westliche Kultur von einer „postmodernen Koexistenz relativen (wissenschaftlichen) Wissens und (religiösen) Glaubens“. Die Möglichkeit einer solchen Koexistenz leugnet nicht nur der Islam, sondern im Grunde auch ein reaktionärer Katholizismus, wie ihn Voderholzer vertritt. Offenbarungsglaube ist, wie wir spätestens seit Kant wissen, eine Zumutung an die Vernunft. Voderholzer dito. Konsequent müßte er erklären, auch Atheisten und Agnostiker wären nicht integrierbar in einem offenbarungsgläubigen christlichen Europa und deshalb auszuweisen – wohin auch immer. Später böte ihnen die Hölle Exil.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s