Höcke-rige Vaterlandsrettung

Björn Höcke, der thüringische AfD-Vorsitzende, weiß, daß es schwer wird, angesichts verschworener  volksverräterischer politischer Eliten und Medien, die das deutsche Volk in die Rolle des  totalen Verlierers drängen wollen, dieses Volk wieder stolz zu machen auf sein Volk-Sein. In seiner vielbeachteten Dresdner Rede am 17. Januar kam Höcke gegen Ende auf den Skandal der „Erinnerungskultur“ zu sprechen, die mit einem „Denkmal der Schande“, ins „Herz seiner Hauptstadt gepflanzt“, dem Volk quasi die „Pflicht zur Selbstauflösung“ verordnet habe. Ein Volk, wollte er wohl sagen, das sich immer wieder seiner angeblichen Verbrechen und seiner ebenso angeblichen Schande erinnert und dabei seine wunderbaren Dichter, Komponisten und Philosophen vergißt, verliert seinen Stolz und damit seine Daseinsberechtigung. Des Volkes Stolz und Größe wiederherzustellen („make germany great again“), sei aber die Alternative für Deutschland angetreten. Zu ihr gebe es keine Alternative, betonte Höcke, das Adorno-Wort (!) „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ paraphrasierend: „Es gibt keine Alternative im Etablierten“   Die AfD wolle und werde die schändliche Erinnerungskultur um 180 Grad drehen, bis es keine mehr gibt. Jubel der Zuhörerschaft.

Man muß davon ausgehen, daß Höcke vielen, sehr vielen aus dem Herzen gesprochen hat, gerade solchen, die sich nicht trauen, ihr Braunhemd, das sie drinnen tragen, draußen auf die Leine zu hängen. Wer seinerzeit nach der Weizsäcker-Rede 1985 die Ohren hineinhielt ins Volksgemurmel, konnte den unterdrückten Zorn über die Zumutung, die Sieger hätten die Deutschen von einer Verbrecherbande befreit, nicht überhören. Höcke teilt heute mit explizitem Bezug auf Weizsäcker die damalige Empörung derer, die sich 1945 als Verlierer und Gedemütigte, nicht als Befreite gefühlt hatten. Von ihnen gab es in den 80ern noch viele, die zähneknirschend „Demokraten“ geworden waren.

Wer in diesem Kontext daran erinnert, daß es etwa in Japan eine Erinnerungskultur nur in homöopathischen Dosen gab und gibt, daß es die Türken zur Weißglut bringt, wenn man den Armenier-Genozid „Genozid“ nennt, der könnte damit durchaus einen Stolz auf die ehemals die ganze Welt in Schrecken versetzenden Deutschen zum Ausdruck bringen: Seht her, wir haben gelernt! Wir leugnen nicht, was wir getan haben. Wir wollen nicht mehr gefürchtet werden von unseren Nachbarn. Doch dieser, von Reue und Einsicht gezeitigte Ansatz ist einem wie Höcke fern. Sein Ego, ein stützungsbedürftiges, erträgt das Verlierer-Sein, die Täter-Zuweisung nicht – und lägen Täter-Sein und totale Kapitulation auch weit zurück. Die Souveränität eines Menschen, der sich eben wegen seiner Lernfähigkeit stark dünkt und nicht aggressiv zu werden braucht wie irgendein verunsicherter Angstschläger, ist den Höckes und ihren Kameraden fremd. Sie rotten sich zusammen, damit sie sich stark und mächtig fühlen können wie ehemals die Glatzen in ihren Springerstiefeln, deren weniger martialische Nachfolger sie sind. Sie prügeln nicht mit Baseball-Schlägern, sie halten Baseball-Reden. Die Haßobjekte sind die gleichen geblieben: rot-grün versiffte Achtundsechziger und deren Angriff auf die Kultur der Fünfziger, der Adenauerzeit. Dorthin wollen die Höckes, Gaulands und Petrys ja zurück, nicht unbedingt in die Zeit zwischen 1933 und 1945. Aber auch nach ’45 weigerten sich westdeutsche Richter trotzig, sich mit den Verbrechern der Nazis ernsthaft auseinanderzusetzen, denen sie nicht die Krähenaugen aushacken wollten. Der Übergang von der Hitler-Diktatur zur Adenauer-Republik war durchaus fließend, manchmal stockend.

Das Denken im Geiste einer die Jahrzehnte überdauernden Komplizenschaft mit den braunen „Volksgenossen“ hat die AfD, sofern sie Björn Höcke folgt wie in Dresden, sich anscheinend zu eigen gemacht. Sie leugnet das Menschheitsverbrechen Holocaust nicht geradewegs, aber sie erklärt es zu einem „Unfall“, wie er jedem Volk mal passieren kann. Immerhin haben nicht die Deutschen die Konzentrationslager erfunden. Stalin und Mao haben, jeder für sich, mehr Menschen umgebracht als Hitler. Und da sollen wir uns schamerfüllt in die Ecke stellen?! Daß Höcke sich solcher Scham verweigert, gefällt dem Wir-sind-das-Volk- Volk. Es wird wachsen, und die nächste Wahl wird zeigen, wie stark es wächst und wie gefährlich es geworden ist..

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