Die Geiselhaft der Gläubigen

Daß eine Religion, also auch der Islam, nicht als „Rasse“ definiert und beschrieben werden kann, mag inzwischen zum Allgemeinwissen gehören. Entsprechend sinnlos ist es, Islamkritiker „Rassisten“ zu schimpfen, wie es immer noch geschieht. Ein Islamkritiker ist Religions- bzw. Monotheismus-Kritiker. Seiner Meinung nach nimmt die patriarchalische Ideologie „Islam“ die Bewohner der Regionen und Staaten als Geiseln, in denen sie die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert. Als Geiseln stehen sie natürlich  nicht unter dem ominösen „Generalverdacht“, quasi potentielle Terroristen oder Verbrecher zu sein. Wie auch? Sie halten in ihrer überwältigenden Mehrheit ihre Geiselhaft und deren Bedingungen für unentrinnbar, insofern sie dem Willen ihres Gottes entsprechen. Konsequenz dieser unverschuldeten Unentrinnbarkeit ist das, was man muslimischen Fatalismus zu nennen sich angewöhnt hat. Fatalistisch, d.h. schicksalsergeben sind natürlich in gesteigertem Maß die Frauen, deren Haftbedingungen eigentlich unzumutbar sind – nach den gegenwärtigen Maßstäben der westlichen Welt. Mit Bezug auf den berüchtigten Koran-Vers 4/34, der das Prügeln ungehorsamer Frauen nahelegt, schreibt Jane Goodwin: „Noch bevor die Nabelschnur durchgetrennt wurde, ist manche Frau geohrfeigt worden, weil sie es gewagt hat, ein Mädchen zur Welt zu bringen.“ In Pakistan ging kürzlich ein enttäuschter Vater weiter und erschoß kurzerhand seine Frau noch im Kreißsaal.

Muslime – weibliche wie männliche – verdienen, ob Flüchtlinge oder nicht, unsere Empathie und Solidarität. Man könnte fragen: Auch die, die sich IS oder Al Kaida verschrieben haben? Auch deren Vergewaltiger und  Halsabschneider? Konsequenterweise müßte ein Christ „ja“ sagen mit Bezug auf das Jesus-Wort „Vater vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.Ein Muslim wird als Muslim geboren. Es bedarf keiner Taufe . Muslim-Sein ist sozusagen ein Existenzial, macht den Wesenskern des Menschen aus. Dieser Existenz zu entfliehen, wie Ayaan Hirsi Ali oder Salman Rushdie und wenige andere es wagten, bedeutet, sich lebenslanger Todesgefahr auszuliefern. Aber noch nicht einmal den Henkern dürfen wir konsequenterweise unsere Solidarität vorenthalten

Der Monotheismus kam, zunächst in seiner jüdischen Gestalt, vor zweieinhalb Jahrtausenden wie eine Epidemie zunächst über ein Volk, dann über viele. Er teilte sich in viele Varianten, die sich gegenseitig ausschließen wollten. Schließlich häuften sich in endlosen Kriegen wahre Opferberge des Einen Gottes. Ein insgesamt geringer Teil der von der, wie Freud sie nennt, Massenneurose Befallenen konnte gesunden. Aber die Trennung von ihrem Gott hinterließ eine Narbe, bei vielen eine Wunde, die sich nicht schließen wollte. Sie suchten Ersatz nach Art von Junkies und fanden den Kommunismus à la Lenin oder den Faschismus oder andere derartige Wahrheits-Drogen.

Pessimistische Anthropologen und Philosophen halten den Menschen für ein unheilbar religionskrankes Tier, das irgendwann in der Kindheit der Gattung neben dem Tod seine Erlösungsbedürftigkeit entdeckte. Seit 200 000 Jahren gibt es den Homo sapiens. Zwischen 10 000 und 7 000 vor Christus entstand nach Auffassung der evolutionären Theorie der Religion diese als Kosmos aus Menschen- und Unterwelt. Im 14. Jh. v.Chr. konstruierten die Ägypter (Echnaton) das erste monotheistische Modell, und um 500 v.Chr. hatten nach langen Kämpfen auch die Juden ihren Jahwe ausentwickelt. Seitdem hat sich am väterlichen (patriarchalischen) Bild dieses Gottes nicht viel geändert. Sein Bart als Ausdruck seiner Männlichkeit ist trotz feministischer Proteste erhalten geblieben. Wir sind, wie es heute aussieht, als Spezies zwar der Kindheit entwachsen, stecken aber, vaterbedürftig, offenbar noch tief in der Pubertät. Ob wir je erwachsen werden, bliebt die offene Frage.

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